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Spezifische Wärmekapazität bestimmen

SchulversuchWärmelehre / ThermodynamikKlasse 8Fortgeschritten

Worum geht es?

Die spezifische Wärmekapazität cc gibt an, wie viel ein Kilogramm eines Stoffes je Kelvin Erwärmung aufnimmt. Sie ist die Speicherzahl der Wärmelehre. Der Versuch bestimmt sie zweimal: für Wasser über elektrisch zugeführte Energie (Q=UItQ = UIt, aus dem Joulesche-Wärme-Experiment vertraut), für Kupfer über die Mischmethode. Dabei gibt heißes Metall seine an kaltes Wasser mit bekanntem c ab: Kalorimetrie in Reinform.

Warum macht man dieses Experiment?

Das c von Wasser (4190 J/(kg K)4190\ \mathrm{J/(kg\,K)}) ist eine der folgenreichsten Zahlen der Erde. Es macht Meere zu Klimapuffern, Wasser zum Kühl- und Heizmedium und den Wasserkocher zum Stromfresser. Dass Metalle zehnmal kleinere Werte haben, erklärt heiße Pfannenstiele genauso wie schnell aufheizende Öfen. Methodisch führt der Versuch die beiden Grundtechniken der Kalorimetrie ein, elektrische Eichung und Mischmethode: das Handwerk, mit dem c-Tabellen überhaupt entstanden sind.

Die physikalische Idee

Teil 1: Ein Tauchsieder bekannter heizt abgewogenes Wasser; aus Q=UItQ = UIt und der gemessenen Erwärmung folgt c=Q/(mΔT)c = Q/(m\Delta T). Teil 2: Ein im siedenden Wasserbad auf 100 °C gebrachter Kupferblock wandert in kaltes Wasser; aus der Mischtemperatur und dem bekannten Wasser-c folgt das Kupfer-c über die Bilanz.

Benötigtes Vorwissen

Für dieses Experiment hilft dir dieses Vorwissen. Du kannst es jederzeit nachschlagen — das Experiment bleibt auch so verständlich.

Wissenschaftliche Einordnung

Joseph Black unterschied um 1760 erstmals und und maß Wärmekapazitäten per Mischmethode; die elektrische Kalorimetrie kam mit Joule. Die Anomalie des Wassers als Spitzenwert beschäftigt Klimaforschung und Heiztechnik bis heute: Ozeane sind die Wärmekonten des Planeten.

Versuchsziel

Aktuelles Versuchsziel

c von Kupfer: Mischmethode

Bestimme die spezifische Wärmekapazität von Kupfer über die Mischmethode mit Wasser als Referenz.

Gesucht

  • — Wärmekapazität des Kupfers (in )

    Der Prüfling der Mischbilanz.

Gemessen

  • — Massen (in )

    Je 0,200 kg, die Gewichte der Bilanz.

  • — Ausgangs- und Mischtemperaturen (in )

    100 °C aus dem Wasserbad, die Kaltwasser-Temperatur und das gemeinsame Ende.

Konstante

  • — Wärmekapazität des Wassers (in )

    4190, der Referenzmaßstab (aus Zielsetzung A bzw. Literatur).

Der Weg von der Messung zum Ergebnis:

Für diese Zielsetzung brauchst du:

  • Die Mischbilanz mit zwei verschiedenen Stoffen. Jetzt kürzt sich c nicht mehr heraus, und genau das macht das unbekannte Kupfer-c messbar.Zur Formelsammlung

Versuchsprotokoll

So ist ein physikalisches Versuchsprotokoll aufgebaut. Die Reihenfolge ist immer dieselbe — die Inhalte gehören zu deinem gewählten Versuchsziel.

1Aufgabenstellung

Bringe den 200-g-Kupferblock im siedenden Wasserbad auf 100 °C, setze ihn in 200 g kaltes Wasser (20,0 °C) um und miss die Mischtemperatur. Bestimme daraus das Kupfer-c und vergleiche mit dem Literaturwert 385 J/(kg·K).

2Vorbetrachtung

Warum die einfache Mischungsregel hier nicht gilt: Bei Wasser und Wasser kürzte sich c heraus, gleiche mischten sich zur Mitte. Kupfer und Wasser mischen sich dramatisch anders: Trotz gleicher Massen und 80 Grad Vorsprung wird das Wasser kaum warm, weil Kupfer je Kilogramm so wenig mitbringt. Die Bilanz bleibt dieselbe (abgegeben gleich aufgenommen), aber mit stoffeigenem c auf jeder Seite. Aus der gemessenen Mischtemperatur lässt sich dann das unbekannte c freistellen.

Der Wasserbad-Trick: Woher kennt man die Ausgangstemperatur eines Metallblocks? Man leiht sie sich vom Fixpunkt: Nach einigen Minuten im sprudelnd siedenden Bad hat der Block sicher 100 °C. Der Siedepunkt arbeitet hier als Thermostat, das Fixpunkt-Wissen als Werkzeug.

Vorhersage mit dem Literatur-c: 385⋅0,2⋅(100−Tm)=4190⋅0,2⋅(Tm−20)385 \cdot 0{,}2 \cdot (100 - T_m) = 4190 \cdot 0{,}2 \cdot (T_m - 20) ergibt Tm≈26,7 ∘CT_m \approx 26{,}7\ ^\circ\mathrm{C}. Das 100 Grad heiße Metall hebt gleich viel Wasser um nicht einmal 7 Grad an. Diese Erwartung ist für sich genommen schon die halbe Erkenntnis.

3Geräte / Stoffe

Den Block mindestens 5 Minuten im sprudelnden Bad lassen. Beim Umsetzen zügig und tropfarm arbeiten, denn anhaftendes Heißwasser verfälscht die Bilanz. Sofort rühren und das Temperaturmaximum verfolgen.

  • Kalorimeter mit Rührer und Thermometer

    Die Bilanzkammer beider Teilversuche.

  • Tauchsieder mit U- und I-Messung

    Definierte Energiezufuhr über Q=U⋅I⋅tQ = U \cdot I \cdot t, die elektrische Eichung.

  • Kupferblock (200 g) mit Faden

    Der Prüfling der Mischmethode; das Wasserbad bringt ihn genau auf 100 °C.

  • Waage und Stoppuhr

    Liefern und Heizzeit, die übrigen Bilanzgrößen.

4Skizze des Versuchsaufbaus

Zweistationen-Bild: Block im Siedebad (100 °C), Pfeil zum Kalorimeter mit Kaltwasser; Bilanzgleichung mit beiden c daneben.

Spezifische Wärmekapazität c in J/(kg·K)So viel Energie braucht 1 kg des Stoffes für 1 K mehr.Wasser4182Aluminium896Eisen452Kupfer385Q = c · m · ΔTDeshalb ist Wasser das Kühlmittel und der Wärmespeicher

Der Speicher-Vergleich: Ein Kilogramm Wasser schluckt je Grad fast das Neunfache von Eisen. Die spezifische Wärmekapazität ist eine Stoffeigenschaft mit riesiger Spannweite.

Aufbau Teil 1: Kalorimeter mit 0,50 kg Wasser, Tauchsieder an 12 V / 5 A (Messgeräte!), Thermometer, Stoppuhr, Rührstab. Teil 2: Kupferblock 200 g am Faden, Becher mit siedendem Wasser (Bad), Kalorimeter mit 200 g kaltem Wasser.

5Durchführung

Schritt 1: Kaltwasser einwiegen (200 g), messen (20,0 °C).

Schritt 2: Block 5 Minuten ins sprudelnde Bad.

Schritt 3: Block am Faden zügig ins Kalorimeter, rühren, Maximum der Temperatur ablesen.

6Beobachtung

Messwerte der Mischmethode
GrößeWert
mCum_\mathrm{Cu} / mWm_\mathrm{W}je 0,200 kg0{,}200\ \mathrm{kg}
TCuT_\mathrm{Cu} (Siedebad)100,0 ∘C100{,}0\ ^\circ\mathrm{C}
TWT_\mathrm{W} (kalt)20,0 ∘C20{,}0\ ^\circ\mathrm{C}
TmT_m (Maximum)26,6 ∘C26{,}6\ ^\circ\mathrm{C}

Beispieldaten zur Veranschaulichung — keine echten Messwerte.

7Auswertung

Die Rechnung:

cCu=cW mW (Tm−TW)mCu (TCu−Tm)=4190⋅0,2⋅6,60,2⋅73,4 Jkg K≈377 Jkg⋅Kc_\mathrm{Cu} = \frac{c_\mathrm{W}\, m_\mathrm{W}\,(T_m - T_\mathrm{W})}{m_\mathrm{Cu}\,(T_\mathrm{Cu} - T_m)} = \frac{4190 \cdot 0{,}2 \cdot 6{,}6}{0{,}2 \cdot 73{,}4}\ \frac{\mathrm{J}}{\mathrm{kg\,K}} \approx 377\ \frac{\mathrm{J}}{\mathrm{kg \cdot K}}

Vergleich: Der Literaturwert von 385 ist auf 2 Prozent getroffen, und wieder mit deutbarer Richtung. Der Block verlor beim Umsetzen durch die Luft etwas , das Wasser bekam weniger ab, TmT_m und damit cCuc_\mathrm{Cu} fallen leicht zu klein aus. Das ist das Spiegelbild der elektrischen Methode (dort war c zu groß): Beide Male sind es die Verluste, sie sitzen nur auf verschiedenen Seiten der Bilanz.

Das Kernergebnis begreifen: Kupfer speichert je Kilogramm nur ein Elftel dessen, was Wasser speichert. Metall von 100 Grad konnte gleich viel Wasser um kaum 7 Grad anheben. Deshalb glüht die Herdplatte so schnell auf (wenig Speicherbedarf), und deshalb wärmt die Wärmflasche stundenlang (Wasser!). Die c-Tabelle ist mit zwei Messungen zu eigenem Erfahrungswissen geworden.

8Fazit

Die Mischmethode liefert cCu≈377 J/(kg K)c_\mathrm{Cu} \approx 377\ \mathrm{J/(kg\,K)} (Literatur: 385; der Umsetzverlust erklärt die kleine Unterschreitung). Kupfer speichert pro Kilogramm nur ein Elftel dessen, was Wasser speichert. Die Stoffabhängigkeit der Wärmekapazität ist damit quantitativ belegt.

9Fehlerbetrachtung

Die Mischmethode hat ihre kritische Sekunde beim Umsetzen:

Abkühlung beim Umsetzeneher systematisch

Ursache

Der Block verliert auf dem Luftweg .

Auswirkung

Das effektive TCuT_\mathrm{Cu} liegt unter 100 °C, cCuc_\mathrm{Cu} wird unterschätzt (die beobachteten −2 Prozent).

Verbesserung

Weg kurz halten, Block kompakt (kleine Oberfläche), zügig arbeiten.

Anhaftendes Siedewassereher systematisch

Ursache

Tropfen bringen zusätzliche heiße Wassermasse mit.

Auswirkung

TmT_m zu hoch, cCuc_\mathrm{Cu} überschätzt. Das wirkt dem Umsetzverlust entgegen und verschleiert ihn.

Verbesserung

Block kurz abtropfen lassen, aber nicht abkühlen lassen: ein Zielkonflikt, den man benennen muss.

Kleines ΔT des Wasserseher zufällig

Ursache

Die Physik selbst: Metall bringt wenig mit.

Auswirkung

6,6 K Nutzsignal bei ±0,1 K Ablesegenauigkeit ergeben 3 Prozent Unsicherheit allein aus der Thermometrie.

Verbesserung

Größeres Metall-zu-Wasser-Massenverhältnis wählen; empfindliches Thermometer.

Das Wichtigste

Die Größe

c=Qm⋅ΔTc = \dfrac{Q}{m \cdot \Delta T} in J/(kg⋅K)\mathrm{J/(kg \cdot K)}: pro Kilogramm und Grad, die Speicherzahl jedes Stoffes.

Wasser ist ein Ausreißer

cWasser≈4190c_\mathrm{Wasser} \approx 4190, Metalle liegen bei 130 bis 900. Wasser speichert (und verlangt) pro Grad rund das Zehnfache: Klimapuffer und Energiefresser zugleich.

Zwei Messwege

Elektrisch (bekannte hinein, ΔT messen) für Flüssigkeiten; Mischmethode (bekanntes c als Referenz) für Festkörper. Zusammen sind sie das Werkzeug hinter den c-Tabellen.

Verluste haben eine Richtung

Beide Methoden liefern systematisch verschobene Werte, und zwar in vorhersagbare Richtungen (elektrisch: c zu groß, Mischung: c zu klein). Wer die Richtung deuten kann, versteht seine Messung.

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