Spezifische Wärmekapazität bestimmen
Worum geht es?
Die spezifische Wärmekapazität gibt an, wie viel ein Kilogramm eines Stoffes je Kelvin Erwärmung aufnimmt. Sie ist die Speicherzahl der Wärmelehre. Der Versuch bestimmt sie zweimal: für Wasser über elektrisch zugeführte Energie (, aus dem Joulesche-Wärme-Experiment vertraut), für Kupfer über die Mischmethode. Dabei gibt heißes Metall seine an kaltes Wasser mit bekanntem c ab: Kalorimetrie in Reinform.
Warum macht man dieses Experiment?
Das c von Wasser () ist eine der folgenreichsten Zahlen der Erde. Es macht Meere zu Klimapuffern, Wasser zum Kühl- und Heizmedium und den Wasserkocher zum Stromfresser. Dass Metalle zehnmal kleinere Werte haben, erklärt heiße Pfannenstiele genauso wie schnell aufheizende Öfen. Methodisch führt der Versuch die beiden Grundtechniken der Kalorimetrie ein, elektrische Eichung und Mischmethode: das Handwerk, mit dem c-Tabellen überhaupt entstanden sind.
Die physikalische Idee
Teil 1: Ein Tauchsieder bekannter heizt abgewogenes Wasser; aus und der gemessenen Erwärmung folgt . Teil 2: Ein im siedenden Wasserbad auf 100 °C gebrachter Kupferblock wandert in kaltes Wasser; aus der Mischtemperatur und dem bekannten Wasser-c folgt das Kupfer-c über die Bilanz.
Benötigtes Vorwissen
Für dieses Experiment hilft dir dieses Vorwissen. Du kannst es jederzeit nachschlagen — das Experiment bleibt auch so verständlich.
- Elektrische Energie E = UIt
- Mischungsregel und Wärmebilanz
Wissenschaftliche Einordnung
Joseph Black unterschied um 1760 erstmals und und maß Wärmekapazitäten per Mischmethode; die elektrische Kalorimetrie kam mit Joule. Die Anomalie des Wassers als Spitzenwert beschäftigt Klimaforschung und Heiztechnik bis heute: Ozeane sind die Wärmekonten des Planeten.
Versuchsziel
Was möchtest du untersuchen?
Aktuelles Versuchsziel
c von Kupfer: Mischmethode
Bestimme die spezifische Wärmekapazität von Kupfer über die Mischmethode mit Wasser als Referenz.
Gesucht
- — Wärmekapazität des Kupfers (in )
Der Prüfling der Mischbilanz.
Gemessen
- — Massen (in )
Je 0,200 kg, die Gewichte der Bilanz.
- — Ausgangs- und Mischtemperaturen (in )
100 °C aus dem Wasserbad, die Kaltwasser-Temperatur und das gemeinsame Ende.
Konstante
- — Wärmekapazität des Wassers (in )
4190, der Referenzmaßstab (aus Zielsetzung A bzw. Literatur).
Der Weg von der Messung zum Ergebnis:
Für diese Zielsetzung brauchst du:
- Die Mischbilanz mit zwei verschiedenen Stoffen. Jetzt kürzt sich c nicht mehr heraus, und genau das macht das unbekannte Kupfer-c messbar.Zur Formelsammlung
Versuchsprotokoll
So ist ein physikalisches Versuchsprotokoll aufgebaut. Die Reihenfolge ist immer dieselbe — die Inhalte gehören zu deinem gewählten Versuchsziel.
1Aufgabenstellung
Bringe den 200-g-Kupferblock im siedenden Wasserbad auf 100 °C, setze ihn in 200 g kaltes Wasser (20,0 °C) um und miss die Mischtemperatur. Bestimme daraus das Kupfer-c und vergleiche mit dem Literaturwert 385 J/(kg·K).
2Vorbetrachtung
Warum die einfache Mischungsregel hier nicht gilt: Bei Wasser und Wasser kürzte sich c heraus, gleiche mischten sich zur Mitte. Kupfer und Wasser mischen sich dramatisch anders: Trotz gleicher Massen und 80 Grad Vorsprung wird das Wasser kaum warm, weil Kupfer je Kilogramm so wenig mitbringt. Die Bilanz bleibt dieselbe (abgegeben gleich aufgenommen), aber mit stoffeigenem c auf jeder Seite. Aus der gemessenen Mischtemperatur lässt sich dann das unbekannte c freistellen.
Der Wasserbad-Trick: Woher kennt man die Ausgangstemperatur eines Metallblocks? Man leiht sie sich vom Fixpunkt: Nach einigen Minuten im sprudelnd siedenden Bad hat der Block sicher 100 °C. Der Siedepunkt arbeitet hier als Thermostat, das Fixpunkt-Wissen als Werkzeug.
Vorhersage mit dem Literatur-c: ergibt . Das 100 Grad heiße Metall hebt gleich viel Wasser um nicht einmal 7 Grad an. Diese Erwartung ist für sich genommen schon die halbe Erkenntnis.
3Geräte / Stoffe
Den Block mindestens 5 Minuten im sprudelnden Bad lassen. Beim Umsetzen zügig und tropfarm arbeiten, denn anhaftendes Heißwasser verfälscht die Bilanz. Sofort rühren und das Temperaturmaximum verfolgen.
Kalorimeter mit Rührer und Thermometer
Die Bilanzkammer beider Teilversuche.
Tauchsieder mit U- und I-Messung
Definierte Energiezufuhr über , die elektrische Eichung.
Kupferblock (200 g) mit Faden
Der Prüfling der Mischmethode; das Wasserbad bringt ihn genau auf 100 °C.
Waage und Stoppuhr
Liefern und Heizzeit, die übrigen Bilanzgrößen.
4Skizze des Versuchsaufbaus
Zweistationen-Bild: Block im Siedebad (100 °C), Pfeil zum Kalorimeter mit Kaltwasser; Bilanzgleichung mit beiden c daneben.
Der Speicher-Vergleich: Ein Kilogramm Wasser schluckt je Grad fast das Neunfache von Eisen. Die spezifische Wärmekapazität ist eine Stoffeigenschaft mit riesiger Spannweite.
Aufbau Teil 1: Kalorimeter mit 0,50 kg Wasser, Tauchsieder an 12 V / 5 A (Messgeräte!), Thermometer, Stoppuhr, Rührstab. Teil 2: Kupferblock 200 g am Faden, Becher mit siedendem Wasser (Bad), Kalorimeter mit 200 g kaltem Wasser.
5Durchführung
Schritt 1: Kaltwasser einwiegen (200 g), messen (20,0 °C).
Schritt 2: Block 5 Minuten ins sprudelnde Bad.
Schritt 3: Block am Faden zügig ins Kalorimeter, rühren, Maximum der Temperatur ablesen.
6Beobachtung
| Größe | Wert |
|---|---|
| / | je |
| (Siedebad) | |
| (kalt) | |
| (Maximum) |
Beispieldaten zur Veranschaulichung — keine echten Messwerte.
7Auswertung
Die Rechnung:
Vergleich: Der Literaturwert von 385 ist auf 2 Prozent getroffen, und wieder mit deutbarer Richtung. Der Block verlor beim Umsetzen durch die Luft etwas , das Wasser bekam weniger ab, und damit fallen leicht zu klein aus. Das ist das Spiegelbild der elektrischen Methode (dort war c zu groß): Beide Male sind es die Verluste, sie sitzen nur auf verschiedenen Seiten der Bilanz.
Das Kernergebnis begreifen: Kupfer speichert je Kilogramm nur ein Elftel dessen, was Wasser speichert. Metall von 100 Grad konnte gleich viel Wasser um kaum 7 Grad anheben. Deshalb glüht die Herdplatte so schnell auf (wenig Speicherbedarf), und deshalb wärmt die Wärmflasche stundenlang (Wasser!). Die c-Tabelle ist mit zwei Messungen zu eigenem Erfahrungswissen geworden.
8Fazit
Die Mischmethode liefert (Literatur: 385; der Umsetzverlust erklärt die kleine Unterschreitung). Kupfer speichert pro Kilogramm nur ein Elftel dessen, was Wasser speichert. Die Stoffabhängigkeit der Wärmekapazität ist damit quantitativ belegt.
9Fehlerbetrachtung
Die Mischmethode hat ihre kritische Sekunde beim Umsetzen:
Abkühlung beim Umsetzeneher systematisch
- Ursache
Der Block verliert auf dem Luftweg .
- Auswirkung
Das effektive liegt unter 100 °C, wird unterschätzt (die beobachteten −2 Prozent).
- Verbesserung
Weg kurz halten, Block kompakt (kleine Oberfläche), zügig arbeiten.
Anhaftendes Siedewassereher systematisch
- Ursache
Tropfen bringen zusätzliche heiße Wassermasse mit.
- Auswirkung
zu hoch, überschätzt. Das wirkt dem Umsetzverlust entgegen und verschleiert ihn.
- Verbesserung
Block kurz abtropfen lassen, aber nicht abkühlen lassen: ein Zielkonflikt, den man benennen muss.
Kleines ΔT des Wasserseher zufällig
- Ursache
Die Physik selbst: Metall bringt wenig mit.
- Auswirkung
6,6 K Nutzsignal bei ±0,1 K Ablesegenauigkeit ergeben 3 Prozent Unsicherheit allein aus der Thermometrie.
- Verbesserung
Größeres Metall-zu-Wasser-Massenverhältnis wählen; empfindliches Thermometer.
Das Wichtigste
- Die Größe
in : pro Kilogramm und Grad, die Speicherzahl jedes Stoffes.
- Wasser ist ein Ausreißer
, Metalle liegen bei 130 bis 900. Wasser speichert (und verlangt) pro Grad rund das Zehnfache: Klimapuffer und Energiefresser zugleich.
- Zwei Messwege
Elektrisch (bekannte hinein, ΔT messen) für Flüssigkeiten; Mischmethode (bekanntes c als Referenz) für Festkörper. Zusammen sind sie das Werkzeug hinter den c-Tabellen.
- Verluste haben eine Richtung
Beide Methoden liefern systematisch verschobene Werte, und zwar in vorhersagbare Richtungen (elektrisch: c zu groß, Mischung: c zu klein). Wer die Richtung deuten kann, versteht seine Messung.