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Funktionen

Exponentialfunktionen und Logarithmus

Wachstum mit Zinseszins-Effekt: exponentielle Prozesse verstehen und Gleichungen lösen.

Benötigte Grundlagen

Diese Themen kommen in diesem Kapitel vor und wurden vorher schon erklärt. Wenn dir eines davon unsicher vorkommt, frisch es kurz auf, sonst leg direkt los.

Einführung

Ein Blatt Papier 42-mal falten, wie dick? Bis zum Mond! Exponentielles Wachstum sprengt jede Intuition: Es wächst nicht um feste Beträge, sondern um feste Faktoren. Von Zinseszinsen über Bakterienkulturen bis zur Halbwertszeit: Hier lernst du die Funktion, die die Welt verdoppelt, und den Logarithmus, der sie wieder einfängt.

Das kannst du nach diesem Kapitel

  • exponentielles von linearem Wachstum unterscheiden.

  • Exponentialfunktionen f(x)=a⋅bxf(x) = a \cdot b^x aufstellen (Startwert, Wachstumsfaktor).

  • in Wachstumsfaktoren übersetzen (+3 %→b=1,03+3\,\% \to b = 1{,}03).

  • den Logarithmus als Umkehrung des Potenzierens nutzen und Exponentialgleichungen lösen.

  • mit Verdopplungszeit und Halbwertszeit argumentieren.

Zwei Arten zu wachsen, und warum das einen riesigen Unterschied macht

Zwei Angebote für dein Sparschwein:

  • Angebot A: Jedes Jahr kommen 5050 € dazu.
  • Angebot B: Jedes Jahr wird der Betrag um die Hälfte größer (also mal 1,51{,}5).

Bei 100100 € Startguthaben, welches ist besser? Rechnen wir beide Jahr für Jahr aus:

JahrAngebot A (+50+50)Angebot B (⋅1,5\cdot 1{,}5)
0100100100100
1150150150150
2200200225225
3250250337,50337{,}50
5350350759,38759{,}38
106006005 766,505\,766{,}50

Nach einem Jahr sind beide gleich. Nach zehn Jahren ist B fast zehnmal so groß. Das ist kein Rechenfehler. Es ist der Unterschied zwischen den beiden Wachstumsarten.

Woran du sie unterscheidest

  • Lineares Wachstum: In jedem Schritt kommt derselbe Summand dazu. Man addiert. Der Graph ist eine Gerade (das war die aus Klasse 8, der Summand war die mm).
  • Exponentielles Wachstum: In jedem Schritt wird mit demselben Faktor multipliziert. Man multipliziert. Der Graph ist eine immer steiler werdende Kurve.

Die Prüffrage bei jeder Aufgabe: Steht im Text „pro Jahr 5050 € mehr" (fester Betrag) oder „pro Jahr 15 %15\,\% mehr" (fester Anteil)? Prozentangaben bedeuten fast immer exponentielles Wachstum, denn 15 %15\,\% von einem größeren Bestand sind ja auch absolut mehr.

Warum unsere Intuition hier versagt

Menschen schätzen exponentielles Wachstum systematisch zu klein ein, unser Gehirn denkt in Summen, nicht in Produkten. Das Papierfalten aus der Einführung zeigt es: Nach 4242 Faltungen wäre das Blatt rechnerisch über 400 000 km400\,000\,\text{km} dick und damit dicker als die Entfernung zum Mond. Man kann es kaum glauben, aber es sind nur 4242 Verdopplungen: 0,1 mm⋅2420{,}1\,\text{mm} \cdot 2^{42}.

Genau deshalb lohnt es sich, hier zu rechnen statt zu schätzen.

Die Exponentialfunktion, wie die Formel entsteht

Schauen wir uns Angebot B aus der Tabelle genauer an. Was passiert dort eigentlich?

nach 1 Jahr:100⋅1,5nach 2 Jahren:100⋅1,5⋅1,5=100⋅1,52nach 3 Jahren:100⋅1,53nach x Jahren:100⋅1,5x\begin{aligned} \text{nach 1 Jahr:} \quad & 100 \cdot 1{,}5 \\ \text{nach 2 Jahren:} \quad & 100 \cdot 1{,}5 \cdot 1{,}5 = 100 \cdot 1{,}5^2 \\ \text{nach 3 Jahren:} \quad & 100 \cdot 1{,}5^3 \\ \text{nach } x \text{ Jahren:} \quad & 100 \cdot 1{,}5^x \end{aligned}

Der Exponent zählt einfach ab, wie oft der Faktor angewendet wurde. Damit steht die Formel schon da. Man muss nur noch die beiden Zahlen durch Buchstaben ersetzen:

f(x)=a⋅bxf(x) = a \cdot b^x
  • aa ist der Startwert, der Bestand zu Beginn, bei x=0x = 0.
  • bb ist der Wachstumsfaktor, die Zahl, mit der in jedem Schritt multipliziert wird.

Der entscheidende Unterschied zu allem bisherigen: Bei den y=xny = x^n stand das xx unten und der Exponent war fest. Jetzt ist es umgekehrt, die Basis ist fest und das xx steht im Exponenten. Daher der Name Exponentialfunktion. Diese Vertauschung ändert das Verhalten vollständig.

Was der Faktor bb bewirkt

  • b>1b > 1 → Wachstum. Bei b=2b = 2 verdoppelt sich der Bestand in jedem Schritt.
  • 0<b<10 < b < 1 → Zerfall. Bei b=0,5b = 0{,}5 halbiert er sich; multiplizieren mit einer Zahl unter 11 verkleinert.
  • b=1b = 1 wäre langweilig: Der Bestand bliebe konstant.

Drei Eigenschaften des Graphen, und ihre Gründe

1. Er startet bei aa. Für x=0x = 0 ist b0=1b^0 = 1 (das hast du im Potenzkapitel hergeleitet), also f(0)=a⋅1=af(0) = a \cdot 1 = a. Der Graph geht immer durch (0∣a)(0 \mid a).

2. Er wird nie null und nie negativ. Ein positiver Faktor bleibt beim Multiplizieren positiv, egal wie oft. Der Bestand kann beliebig klein werden, aber nie null erreichen. Deshalb nähert sich die Kurve der xx-Achse an, ohne sie je zu berühren, die xx-Achse ist eine Asymptote.

3. Er wird immer steiler (bei b>1b > 1). Weil in jedem Schritt vom bereits gewachsenen Bestand aus multipliziert wird, sind die Zuwächse absolut immer größer. Beim linearen Wachstum bleibt der Zuwachs dagegen konstant. Das ist genau der Unterschied aus der Tabelle oben.

Das Bild unten zeigt Wachstum und Zerfall im Vergleich.

Wachstum und Zerfall

xy-3-2-112-112345672^x0,5^x

b>1b > 1 bedeutet Wachstum (2x2^x, grün, Verdopplung pro Schritt), 0<b<10 < b < 1 Zerfall (0,5x0{,}5^x, blau: Halbierung). Beide Graphen laufen durch (0∣1)(0\mid1) und nähern sich der x-Achse (gestrichelte Asymptote), ohne sie zu erreichen.

Prozente werden Faktoren, der Schlüssel zu allen Anwendungen

Fast alle Aufgaben zu diesem Thema sind in formuliert: „3 %3\,\% ", „15 %15\,\% Wertverlust pro Jahr". Die Exponentialfunktion braucht aber einen Faktor bb. Der Übersetzungsschritt dazwischen entscheidet über die halbe Aufgabe.

Wie man von Prozent zum Faktor kommt

Nimm ein Guthaben von 100100 € mit 3 %3\,\% Zinsen. Nach einem Jahr hast du das ursprüngliche Kapital plus die Zinsen:

100+3=103100 + 3 = 103

Rechne das in einem Schritt: Aus 100 %100\,\% werden 103 %103\,\%, also das 1,031{,}03-fache. Allgemein, und das ist derselbe Gedanke wie beim vermehrten in Klasse 7:

+p %  ⟶  b=1+p100−p %  ⟶  b=1−p100+p\,\% \;\longrightarrow\; b = 1 + \frac{p}{100} \qquad\qquad -p\,\% \;\longrightarrow\; b = 1 - \frac{p}{100}
AngabeFaktor bbBedeutung
+3 %+3\,\%1,031{,}03Wachstum
+100 %+100\,\%22Verdopplung
−15 %-15\,\%0,850{,}85Zerfall
−50 %-50\,\%0,50{,}5Halbierung

Die Faustregel: Bei Wachstum ist b>1b > 1, bei Zerfall liegt bb zwischen 0 und 1. Kommt bei dir für einen Wertverlust ein negatives bb heraus (etwa −0,15-0{,}15), hast du den Zuwachs mit dem Faktor verwechselt.

Warum das exponentiell ist, und nicht linear

Hier liegt der eigentliche Unterschied zur Zinsrechnung aus Klasse 7. Damals wurden die Zinsen jedes Jahr vom gleichbleibenden Startkapital berechnet. Jetzt verzinst sich das Guthaben inklusive der bereits gutgeschriebenen Zinsen. Das ist der Zinseszins.

K1=K0⋅1,03K2=K1⋅1,03=K0⋅1,032Kn=K0⋅1,03nK_1 = K_0 \cdot 1{,}03 \qquad K_2 = K_1 \cdot 1{,}03 = K_0 \cdot 1{,}03^2 \qquad K_n = K_0 \cdot 1{,}03^n

Der Exponent zählt also einfach, wie oft der Faktor angewendet wurde. Genau daraus entsteht die in der Formel. Sie fällt nicht vom Himmel, sondern ist die Kurzschreibweise für „nn-mal denselben Faktor".

Ein Zahlenbeispiel, das den Unterschied zeigt: 2 0002\,000 € zu 4 %4\,\% über 1010 Jahre. Ohne Zinseszins gäbe es 10⋅80=80010 \cdot 80 = 800 € Zinsen. Mit Zinseszins sind es rund 960960 €, die zusätzlichen 160160 € sind Zinsen auf Zinsen.

Der Logarithmus: die Umkehrung des Potenzierens

Bisher war der Exponent gegeben und das Ergebnis gesucht: „Wie viel ist nach 1010 Jahren da?" Oft ist die Frage aber umgekehrt: „Nach wie vielen Jahren ist das Kapital verdoppelt?" Dann steht die Unbekannte im Exponenten:

2x=1002^x = 100

Und hier versagen alle bisherigen Werkzeuge. Du kannst nicht die ziehen (die holt die Basis heraus, nicht den Exponenten), und Umstellen hilft nicht, das xx sitzt oben fest.

Was fehlt, ist eine neue Umkehrung

Erinnere dich an das Muster aus Klasse 9: Zu jeder Rechenart gehört eine Umkehrung. Beim Potenzieren bx=cb^x = c gibt es aber zwei verschiedene Rückfragen:

  • „Welche Basis?" → das beantwortet die Wurzel.
  • „Welcher Exponent?" → das beantwortet der Logarithmus.
bx=c⟺x=log⁡b(c)b^x = c \quad\Longleftrightarrow\quad x = \log_b(c)

Gelesen: „xx ist der Logarithmus von cc zur Basis bb". Oder ganz praktisch: Der Logarithmus ist die Antwort auf die Frage „hoch wie viel?"

log⁡2(8)=3denn23=8log⁡10(1000)=3denn103=1000\log_2(8) = 3 \quad\text{denn}\quad 2^3 = 8 \qquad\qquad \log_{10}(1000) = 3 \quad\text{denn}\quad 10^3 = 1000

Wie du ihn mit dem Taschenrechner ausrechnest

Die meisten Taschenrechner haben nur zwei Logarithmus-Tasten: log (Basis 1010) und ln (Basis ee, kommt in Klasse 11). Für beliebige Basen gibt es deshalb die Umrechnung:

log⁡b(c)=log⁡(c)log⁡(b)\log_b(c) = \frac{\log(c)}{\log(b)}

(Warum diese Umrechnung stimmt, begründen wir hier nicht, dafür braucht man Rechenregeln für Logarithmen, die erst in der Oberstufe drankommen. Nimm sie in diesem Kapitel als Taschenrechner-Werkzeug, und prüfe jedes Ergebnis mit der Probe: Basis hoch Ergebnis muss die Ausgangszahl liefern.)

Für unser Beispiel:

2x=100  ⇒  x=log⁡2(100)=log⁡100log⁡2=20,301≈6,642^x = 100 \;\Rightarrow\; x = \log_2(100) = \frac{\log 100}{\log 2} = \frac{2}{0{,}301} \approx 6{,}64

Probe: 26,64≈99,72^{6{,}64} \approx 99{,}7, passt ✓

Häufiger Fehler: log⁡100log⁡2\frac{\log 100}{\log 2} ist nicht log⁡(100:2)=log⁡50\log(100 : 2) = \log 50. Es wird wirklich ein aus zwei Logarithmuswerten gebildet, nicht der Logarithmus eines Bruchs.

Der Zusammenhang im Bild

Weil der Logarithmus die Umkehrfunktion der Exponentialfunktion ist, entsteht sein Graph durch Spiegelung an der Geraden y=xy = x (siehe Bild). Das gilt für jede Umkehrfunktion: Vertauschen von xx und yy ist geometrisch genau diese Spiegelung.

Daran erkennst du auch die Definitionsmenge: Die Exponentialfunktion liefert nur positive Werte, also kann man den Logarithmus auch nur aus positiven Zahlen ziehen. log⁡(0)\log(0) und log⁡(−5)\log(-5) gibt es nicht.

Logarithmus als Umkehrung

xy-112345-3-2-112345log₂ xy = x

Der Logarithmus macht die Exponentialfunktion rückgängig: log⁡2x\log_2 x (blau) ist die Umkehrfunktion von 2x2^x (grün). Ihre Graphen sind Spiegelbilder an der Geraden y=xy = x.

Prüfe dich: Die Gleichungen x hoch 5 = 100 und 5 hoch x = 100 sehen fast gleich aus. Welche löst die Wurzel, welche der Logarithmus, und warum?

Versuch es erst selbst, die Entscheidungsregel steht im Abschnitt über den Logarithmus.

Stelle bei jeder Potenzgleichung dieselbe Frage: Was ist gesucht, die Basis oder der Exponent?

Bei x5=100x^5 = 100 ist die Basis gesucht. Das xx steht unten, der Exponent 55 ist bekannt. Diese Rückfrage beantwortet die :

x=1005=10015≈2,51x = \sqrt[5]{100} = 100^{\frac{1}{5}} \approx 2{,}51

(Die Schreibweise mit dem Bruch-Exponenten kennst du aus dem Potenzkapitel, auf dem Taschenrechner tippst du genau sie ein.)

Bei 5x=1005^x = 100 ist der Exponent gesucht. Das xx steht oben, die Basis 55 ist bekannt. Diese Rückfrage beantwortet der Logarithmus:

x=log⁡5(100)=log⁡100log⁡5=20,699≈2,86x = \log_5(100) = \frac{\log 100}{\log 5} = \frac{2}{0{,}699} \approx 2{,}86

Dass zwei verschiedene Zahlen herauskommen, ist kein Zufall: Es sind zwei verschiedene Fragen an dieselben drei Zahlen. Die Probe zeigt es, 2,515≈1002{,}51^5 \approx 100 ✓ und 52,86≈1005^{2{,}86} \approx 100 ✓, aber 52,51≈575^{2{,}51} \approx 57 wäre falsch.

Der Merksatz: Steht das xx unten (an der Basis) → Wurzel. Steht das xx oben (im Exponenten) → Logarithmus. Wer beides verwechselt, merkt es spätestens an der Probe, deshalb gehört sie zu jeder Logarithmus-Rechnung dazu.

Verdopplungszeit und Halbwertszeit

Bei exponentiellen Vorgängen gibt es eine erstaunliche Eigenschaft:

Die Zeit, in der sich ein Bestand verdoppelt (oder halbiert), ist immer gleich lang, egal, wie groß der Bestand gerade ist.

Warum ist das so?

Bei linearem Wachstum wäre das anders: Wer jährlich 5050 € dazubekommt, braucht von 100100 € auf 200200 € zwei Jahre, von 200200 € auf 400400 € aber vier.

Beim exponentiellen Wachstum wird dagegen jedes Mal mit demselben Faktor multipliziert. Und Multiplizieren interessiert sich nicht dafür, wie groß der Ausgangswert ist: Aus 100100 wird nach nn Schritten 100⋅bn100 \cdot b^n, aus 1 0001\,000 wird 1 000⋅bn1\,000 \cdot b^n. Damit sich der Bestand verdoppelt, muss in beiden Fällen bn=2b^n = 2 gelten, dieselbe Bedingung, also dieselbe Zeit.

Wie man sie berechnet

Setze den Faktor hoch nn gleich 22 (Verdopplung) bzw. 0,50{,}5 (Halbierung) und löse mit dem Logarithmus:

bn=2⇒n=log⁡2log⁡bbn=0,5⇒n=log⁡0,5log⁡bb^n = 2 \quad\Rightarrow\quad n = \frac{\log 2}{\log b} \qquad\qquad b^n = 0{,}5 \quad\Rightarrow\quad n = \frac{\log 0{,}5}{\log b}

Beispiel : Bei 4 %4\,\% (b=1,04b = 1{,}04) dauert die Verdopplung n=log⁡2log⁡1,04≈17,7n = \frac{\log 2}{\log 1{,}04} \approx 17{,}7 Jahre, unabhängig davon, ob 500500 € oder 50 00050\,000 € angelegt sind.

Wo dir das begegnet: Der radioaktive Zerfall arbeitet mit Halbwertszeiten: Kohlenstoff-14 halbiert sich alle 5 7305\,730 Jahre, immer gleichmäßig. Genau darauf beruht die Altersbestimmung von Fossilien: Aus dem verbliebenen Anteil rechnet man rückwärts auf die verstrichene Zeit.

Zinseszins

2 0002\,000 € werden mit 4 %4\,\% pro Jahr verzinst (Zinseszins). Wie viel Geld liegt nach 1010 Jahren auf dem Konto?

  1. 1

    Angaben sortieren. Gegeben sind der Startbetrag 2 0002\,000 €, der 4 %4\,\% pro Jahr und die Laufzeit 1010 Jahre. Gesucht ist das Endkapital.

    Das Stichwort Zinseszins ist entscheidend: Die Zinsen bleiben auf dem Konto und werden im nächsten Jahr mitverzinst. Es handelt sich also um exponentielles Wachstum, nicht um lineares.

  2. 2

    Vom Prozentsatz zum Faktor. Die Exponentialfunktion braucht keinen Prozentsatz, sondern einen Faktor. Nach jedem Jahr sind 100 %+4 %=104 %100\,\% + 4\,\% = 104\,\% vorhanden:

    b=1+4100=1,04b = 1 + \frac{4}{100} = 1{,}04

    Kontrolle: Bei Wachstum muss b>1b > 1 sein ✓

  3. 3

    Die Funktion aufstellen. Startwert a=2 000a = 2\,000, Faktor b=1,04b = 1{,}04, und nn zählt die Jahre:

    K(n)=2 000⋅1,04nK(n) = 2\,000 \cdot 1{,}04^n

    Warum steht das nn oben? Weil es zählt, wie oft der Faktor angewendet wurde, nach nn Jahren wurde nn-mal mit 1,041{,}04 multipliziert.

  4. 4

    Einsetzen. Gefragt ist der Stand nach 1010 Jahren:

    K(10)=2 000⋅1,0410K(10) = 2\,000 \cdot 1{,}04^{10}
  5. 5

    Die zuerst berechnen (Potenz vor Punktrechnung):

    1,0410≈1,48021{,}04^{10} \approx 1{,}4802

    Das bedeutet: Das Kapital ist auf das 1,481{,}48-fache gewachsen, also um rund 48 %48\,\%.

    Wichtig: Das sind nicht 10⋅4 %=40 %10 \cdot 4\,\% = 40\,\%. Die Differenz sind die Zinsen auf Zinsen.

  6. 6

    Ausrechnen und .

    K(10)≈2 000⋅1,4802=2 960,49K(10) \approx 2\,000 \cdot 1{,}4802 = 2\,960{,}49

    Bei Geldbeträgen wird auf zwei Nachkommastellen gerundet, die Einheit ist Euro.

  7. 7

    Der Vergleich, der zeigt, worum es geht. Ohne Zinseszins (jedes Jahr 4 %4\,\% von den ursprünglichen 2 0002\,000 €) wären es:

    2 000+10⋅80=2 8002\,000 + 10 \cdot 80 = 2\,800 €

    Der Zinseszins bringt also gut 160160 € mehr. Je länger die Laufzeit, desto größer wird dieser Abstand, nach 3030 Jahren wären es bereits über 1 0001\,000 € Unterschied.

Nach 1010 Jahren liegen etwa 2 960,492\,960{,}49 € auf dem Konto.

Das Vorgehen bei jeder Zinseszins-Aufgabe: in den Faktor bb übersetzen → Funktion K(n)=K0⋅bnK(n) = K_0 \cdot b^n aufstellen → Laufzeit einsetzen.

Exponentialgleichung mit Logarithmus

Eine Bakterienkultur startet mit 500500 Bakterien und verdreifacht sich pro Tag. Nach wie vielen Tagen überschreitet sie 100 000100\,000?

  1. 1

    Angaben sortieren. Startwert a=500a = 500, Wachstumsfaktor b=3b = 3 („verdreifacht sich" heißt: mal 33). Gesucht ist die Zeit, also steht die Unbekannte diesmal im Exponenten.

    Das ist der entscheidende Unterschied zur vorigen Aufgabe: Dort war die Zeit gegeben und der Bestand gesucht, hier ist es umgekehrt. Deshalb brauchen wir den Logarithmus.

  2. 2

    Die aufstellen. Die Funktion lautet N(x)=500⋅3xN(x) = 500 \cdot 3^x, und sie soll 100 000100\,000 erreichen:

    500⋅3x=100 000500 \cdot 3^x = 100\,000
  3. 3

    Die Potenz isolieren. Bevor der Logarithmus helfen kann, muss 3x3^x allein stehen. Also teilen wir beide Seiten durch 500500:

    500⋅3x=100 000∣  :5003x=200\begin{aligned} 500 \cdot 3^x &= 100\,000 &&|\; : 500 \\ 3^x &= 200 \end{aligned}

    Diesen Schritt darf man nicht überspringen, den Logarithmus auf beide Seiten der ursprünglichen Gleichung anzuwenden, führt in die Irre.

  4. 4

    Jetzt den Logarithmus anwenden. Gesucht ist der Exponent, zu dem 33 die Zahl 200200 ergibt:

    x=log⁡3(200)x = \log_3(200)

    Weil der Taschenrechner nur die Basis 1010 kennt, rechnen wir um:

    x=log⁡200log⁡3≈2,3010,477≈4,82x = \frac{\log 200}{\log 3} \approx \frac{2{,}301}{0{,}477} \approx 4{,}82
  5. 5

    Das Ergebnis interpretieren, hier steckt die eigentliche Aufgabe. Ein Ergebnis von 4,824{,}82 Tagen ist mathematisch korrekt, aber die Frage lautete: nach wie vielen ganzen Tagen wird die Marke überschritten?

    Prüfen wir die beiden benachbarten ganzen Tage:

    N(4)=500⋅34=500⋅81=40 500(noch darunter)N(4) = 500 \cdot 3^4 = 500 \cdot 81 = 40\,500 \quad (\text{noch darunter}) N(5)=500⋅35=500⋅243=121 500(daru¨ber)N(5) = 500 \cdot 3^5 = 500 \cdot 243 = 121\,500 \quad (\text{darüber})
  6. 6

    Antwort formulieren. Die Grenze wird also zwischen Tag 44 und Tag 55 überschritten, genauer: im Laufe des 5. Tages.

    Warum nicht einfach „nach 4,82 Tagen"? Weil Bakterienkulturen nicht in Sprüngen wachsen, das Modell aber diskrete Tagesschritte annimmt. Bei solchen Aufgaben rundet man deshalb immer auf die nächste ganze Einheit auf, vorher ist die Marke ja noch nicht erreicht.

Im Laufe des 5. Tages überschreitet die Kultur die Marke von 100 000100\,000 Bakterien.

Das Muster: Unbekannte im Exponenten → isolieren → logarithmieren → Ergebnis am Sachkontext und deuten.

Zerfall: Wertverlust

Ein Auto kostet neu 30 00030\,000 € und verliert jährlich 15 %15\,\% an Wert. a) Stelle die Funktion auf. b) Was ist es nach 66 Jahren wert? c) Nach wie vielen Jahren ist es rechnerisch nur noch die Hälfte wert?

  1. 1

    a) Vom zum Faktor, jetzt mit Minus. Jedes Jahr gehen 15 %15\,\% verloren, es bleiben also 100 %−15 %=85 %100\,\% - 15\,\% = 85\,\% übrig:

    b=1−15100=0,85b = 1 - \frac{15}{100} = 0{,}85

    Die häufigste Falle: Der Faktor ist 0,850{,}85 und nicht −0,15-0{,}15. Ein negativer Faktor würde bedeuten, dass der Wert das Vorzeichen wechselt, unsinnig. Bei Zerfall liegt bb immer zwischen 00 und 11.

  2. 2

    a) Funktion aufstellen. Startwert 30 00030\,000, Faktor 0,850{,}85, tt zählt die Jahre:

    W(t)=30 000⋅0,85tW(t) = 30\,000 \cdot 0{,}85^t
  3. 3

    b) Einsetzen für t=6t = 6.

    W(6)=30 000⋅0,856W(6) = 30\,000 \cdot 0{,}85^6

    Zuerst die :

    0,856≈0,37710{,}85^6 \approx 0{,}3771

    Das heißt: Nach sechs Jahren sind noch rund 38 %38\,\% des Neuwerts übrig.

  4. 4

    b) Ausrechnen.

    W(6)≈30 000⋅0,3771≈11 314W(6) \approx 30\,000 \cdot 0{,}3771 \approx 11\,314 €

    Plausibilität: Ein sechs Jahre altes Auto für gut ein Drittel des Neupreises, das entspricht durchaus der Realität ✓

    Übrigens: 6⋅15 %=90 %6 \cdot 15\,\% = 90\,\% Verlust wäre falsch gerechnet. Die 15 %15\,\% beziehen sich jedes Jahr auf den bereits gesunkenen Wert, nicht auf den Neupreis.

  5. 5

    c) Die Halbwertszeit, jetzt ist die Zeit gesucht. „Nur noch die Hälfte wert" heißt: Der Faktor insgesamt soll 0,50{,}5 betragen.

    0,85t=0,50{,}85^t = 0{,}5

    Der Startwert 30 00030\,000 spielt dabei keine Rolle und sich weg, deshalb ist die Halbwertszeit unabhängig vom Ausgangswert.

  6. 6

    c) Logarithmieren.

    t=log⁡0,5log⁡0,85≈−0,301−0,0706≈4,3t = \frac{\log 0{,}5}{\log 0{,}85} \approx \frac{-0{,}301}{-0{,}0706} \approx 4{,}3

    Beachte: Beide Logarithmen sind negativ (weil beide Zahlen kleiner als 11 sind), der aus zwei negativen Zahlen ist aber positiv. Eine negative Zeit wäre hier auch unsinnig.

a) W(t)=30 000⋅0,85tW(t) = 30\,000 \cdot 0{,}85^t · b) nach 66 Jahren rund 11 30011\,300 € · c) der Wert halbiert sich etwa alle 4,34{,}3 Jahre.

Merke für Zerfallsaufgaben: b=1−p100b = 1 - \frac{p}{100} liegt zwischen 00 und 11. Und die Halbwertszeit hängt nur vom Faktor ab, nicht vom Startwert.

Typischer Fehler

„5 % Wachstum pro Jahr, 10 Jahre, macht insgesamt 50 %."

addieren sich nicht über die Zeit, sie multiplizieren sich! 1,0510≈1,6291{,}05^{10} \approx 1{,}629: Es sind knapp 63 %, nicht 50. Der Unterschied ist der Zinseszins-Effekt: Jedes Jahr wächst auch das, was in den Vorjahren dazukam. Je länger der Zeitraum, desto dramatischer die Abweichung.

Übung 1

leicht

Gib den Wachstumsfaktor an: a) +8 %+8\,\% b) −30 %-30\,\% c) Verdopplung d) +0,5 %+0{,}5\,\%

Tipp anzeigen

1±p1001 \pm \frac{p}{100}.

Lösung anzeigen

a) 1,081{,}08 · b) 0,70{,}7 · c) 22 · d) 1,0051{,}005

Detaillierte Schritterklärung anzeigen

Hier wird jeder Schritt einzeln erklärt, vor allem, warum er gemacht wird.

Erklärungstiefe

✦ Empfohlen: Standard – Die normale Erklärungstiefe passt zum Einstieg.

  1. 1

    Das Prinzip: Prozentsatz → Faktor

    Wachsen um p %p\,\% heißt multiplizieren mit 1+p1001 + \frac{p}{100}; schrumpfen um p %p\,\% mit 1−p1001 - \frac{p}{100}. Die 11 steht für den alten Bestand, der erhalten bleibt.

  2. 2

    a), b) und d) übersetzen

    a) +8 %+8\,\%: 1+0,08=1,081 + 0{,}08 = 1{,}08. b) −30 %-30\,\%: 1−0,30=0,71 - 0{,}30 = 0{,}7. d) +0,5 %+0{,}5\,\%: 1+0,005=1,0051 + 0{,}005 = 1{,}005.

  3. 3

    c) Verdopplung als Sonderfall

    Verdopplung heißt Faktor 22, das entspricht +100 %+100\,\%.

Übung 2

mittel

Eine Stadt hat 50 000 Einwohner und wächst um 2 %2\,\% pro Jahr. a) Stelle die Funktion auf. b) Wie viele Einwohner nach 15 Jahren? c) Prüfe: Ist die lineare Schätzung „+2 %⋅15=+30 %+2\,\% \cdot 15 = +30\,\%" zu hoch oder zu niedrig?

Tipp anzeigen

b) 1,0215≈1,34591{,}02^{15} \approx 1{,}3459.

Lösung anzeigen

a) E(t)=50 000⋅1,02tE(t) = 50\,000 \cdot 1{,}02^t

b) E(15)=50 000⋅1,3459≈67 293E(15) = 50\,000 \cdot 1{,}3459 \approx 67\,293

c) Linear wären es 65 00065\,000, die lineare Schätzung ist zu niedrig (exponentiell schlägt linear, hier um ~2 300 Einwohner).

Detaillierte Schritterklärung anzeigen

Hier wird jeder Schritt einzeln erklärt, vor allem, warum er gemacht wird.

Erklärungstiefe

✦ Empfohlen: Standard – Die normale Erklärungstiefe passt zum Einstieg.

  1. 1

    a) Die Exponentialfunktion aufstellen

    Startwert 50 00050\,000, Wachstumsfaktor 1,021{,}02 pro Jahr: E(t)=50 000⋅1,02tE(t) = 50\,000 \cdot 1{,}02^t.

  2. 2

    b) 15 Jahre einsetzen

    E(15)=50 000⋅1,0215≈50 000⋅1,3459≈67 293E(15) = 50\,000 \cdot 1{,}02^{15} \approx 50\,000 \cdot 1{,}3459 \approx 67\,293 Einwohner.

    50 000⋅1,0215≈67 29350\,000 \cdot 1{,}02^{15} \approx 67\,293

    Zwischenergebnis

    ≈67 300\approx 67\,300 Einwohner

  3. 3

    c) Exponentiell schlägt linear

    Linear gerechnet: +30 %+30\,\% → 65 00065\,000. Tatsächlich: ≈67 293\approx 67\,293. Die lineare Schätzung ist ZU NIEDRIG, um rund 2 3002\,300 Einwohner.

Übung 3

schwer

Koffein wird im Körper etwa exponentiell abgebaut; die Halbwertszeit beträgt rund 5 Stunden. Um 14 Uhr enthält dein Blut 200 mg Koffein. a) Stelle die Funktion mit Basis 0,50{,}5 und Zeiteinheit „5 Stunden" auf. b) Wie viel Koffein ist um 24 Uhr noch übrig? c) Wann sind es weniger als 25 mg?

Tipp anzeigen

b) 10 Stunden = 2 Halbwertszeiten.

Lösung anzeigen

a) K(n)=200⋅0,5nK(n) = 200 \cdot 0{,}5^n (nn = Anzahl der 5-Stunden-Perioden)

b) 24 Uhr = 10 h später = 2 Perioden: 200⋅0,25=50200 \cdot 0{,}25 = 50 mg

c) 200→100→50→25200 \to 100 \to 50 \to 25: Nach 3 Halbwertszeiten (15 h, also 5 Uhr morgens) sind es genau 25 mg, danach weniger. Deshalb stört später Kaffee den Schlaf!

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Hier wird jeder Schritt einzeln erklärt, vor allem, warum er gemacht wird.

Erklärungstiefe

✦ Empfohlen: Standard – Die normale Erklärungstiefe passt zum Einstieg.

  1. 1

    a) Halbwertszeit als Basis 0,5

    Pro Halbwertszeit halbiert sich der Bestand: K(n)=200⋅0,5nK(n) = 200 \cdot 0{,}5^n, wobei nn die Anzahl der 5-Stunden-Perioden seit 14 Uhr zählt.

  2. 2

    b) 24 Uhr: zwei Halbwertszeiten

    Von 14 bis 24 Uhr sind es 10 Stunden =2= 2 Perioden: K(2)=200⋅0,52=200⋅0,25=50K(2) = 200 \cdot 0{,}5^2 = 200 \cdot 0{,}25 = 50 mg.

    200⋅0,52=50200 \cdot 0{,}5^2 = 50

    Zwischenergebnis

    5050 mg um 24 Uhr

  3. 3

    c) Unter 25 mg: Halbierungen zählen

    200→100→50→25200 \to 100 \to 50 \to 25: Nach 33 Halbwertszeiten (15 h, also 5 Uhr morgens) sind es GENAU 25 mg, weniger als 25 mg erst DANACH.

Zusammenfassung

Exponentielle Prozesse multiplizieren statt addieren: f(x)=a⋅bxf(x) = a \cdot b^x mit Faktor bb aus dem . Wachstum (b>1b>1) explodiert, Zerfall (b<1b<1) schmiegt sich an die Null, beide mit konstanter Verdopplungs- bzw. Halbwertszeit. Und wenn das xx im Exponenten gesucht ist, angelt es der Logarithmus herunter: x=log⁡clog⁡bx = \frac{\log c}{\log b}.