Selbstinduktion
Worum geht es?
wirkt auch auf den eigenen . Ändert sich der Strom durch eine , ändert sich ihr eigenes , und das induziert in ihr selbst eine Gegenspannung: Selbstinduktion. Die Folgen sind messbar: Der Strom baut sich beim Einschalten nur allmählich auf (Zeitkonstante ), beim Abschalten treibt die zusammenbrechende Feldenergie einen Spannungsstoß, und an Wechselspannung wird die permanente Gegenwirkung zur Reaktanz .
Warum macht man dieses Experiment?
Die Selbstinduktion macht die zum Gegenspieler des Kondensators und komplettiert damit das Bauteiltrio der Wechselstromtechnik: Filter, , Drosseln, Zündspulen und Schaltnetzteile beruhen auf ihr. Und sie hat eine handfeste Gefahrenseite. Der Abschalt-Spannungsstoß zerstört ungeschützte Schalter und Elektronik; wer ihn einmal als Glimmlampen-Blitz gesehen hat, versteht Freilaufdioden.
Die physikalische Idee
Drei Teilversuche an einer mit hoher Induktivität (Eisenkern): (1) Zwei Lampenzweige (Spule gegen Widerstand) zeigen die Einschaltverzögerung im direkten Vergleich. (2) Eine parallele Glimmlampe macht den Ausschaltstoß sichtbar, der die Quellenspannung weit übertrifft. (3) Am Funktionsgenerator wird der Wechselstrom durch die Spule frequenzabhängig gemessen: die Reaktanz.
Benötigtes Vorwissen
Für dieses Experiment hilft dir dieses Vorwissen. Du kannst es jederzeit nachschlagen — das Experiment bleibt auch so verständlich.
Wissenschaftliche Einordnung
Joseph Henry beobachtete die Selbstinduktion 1832 an Funken beim Öffnen von Spulenkreisen; die Einheit der Induktivität trägt seinen Namen. Zündspulen nutzen den Ausschaltstoß seit über hundert Jahren zur Funkenerzeugung im Motor.
Versuchsziel
Was möchtest du untersuchen?
Aktuelles Versuchsziel
Spule im Wechselstromkreis
Untersuche die an Wechselspannung: die frequenzabhängige Reaktanz , die -Nacheilung des Stroms und der Systemvergleich zum Gleichstromverhalten (Auftrag §7).
Gemessen
- — Effektivwert des Stroms (in )
Je Frequenz gemessen; sein Abfall mit f ist der Kernbefund.
- — Effektivwert der Spannung (in )
Konstant gehalten, damit die Frequenz als einzige Variable bleibt.
Bekannt
- — Frequenz (in )
Am Funktionsgenerator eingestellt.
Berechnet
- — Induktive Reaktanz (in )
je Frequenz; Vergleich mit .
Der Weg von der Messung zum Ergebnis:
Für diese Zielsetzung brauchst du:
- Die Reaktanz der idealen Spule: wächst mit Frequenz und Induktivität, das exakte Gegenstück zur Kondensator-Reaktanz.Zur Formelsammlung
Versuchsprotokoll
So ist ein physikalisches Versuchsprotokoll aufgebaut. Die Reihenfolge ist immer dieselbe — die Inhalte gehören zu deinem gewählten Versuchsziel.
1Aufgabenstellung
Betreibe die 1-H-Spule an bei , , und ; miss jeweils und berechne . Beobachte zusätzlich die Phasenlage von u und i und vergleiche das Gesamtverhalten mit dem Gleichstromfall.
2Vorbetrachtung
Von der Trägheit zur Reaktanz: An Wechselspannung kommt die nie in den Dauerzustand: Der Strom soll sich ständig ändern, und gegen jede Änderung stemmt sich die Selbstinduktion. Je höher die , desto schnellere Änderungen verlangt die Quelle, desto stärker die Gegenwirkung: Der Strom muss mit wachsender Frequenz sinken. Quantitativ: , für bei also rund , obwohl der Draht selbst nur wenige Ohm hat.
Phase: Der Strom hinkt der um nach. Die Spannung muss erst „anschieben“, bevor der träge Strom folgt: das exakte Spiegelbild des Kondensators (dort eilt der Strom voraus).
Abgrenzung wie beim : ist Reaktanz, kein : keine bleibende Erwärmung durch (die Feldenergie pendelt verlustfrei), volle Frequenzabhängigkeit.
Spule an Wechselspannung
Simulation — berechnete Werte, keine MessungWechselstromwiderstand X_L
314 Ω
X_L bei doppelter Frequenz
628 Ω
Die Spule an Wechselspannung: Der Strom eilt um (eine Viertelperiode) nach. Verdopple die Frequenz und verfolge die Reaktanz-Anzeige: Sie verdoppelt sich, spiegelbildlich zum Kondensator.
3Geräte / Stoffe
Funktionsgenerator, Luftspule, AC-Messgeräte, Oszilloskop. Der Drahtwiderstand der (einige Ohm) ist gegen die Reaktanzen der Messreihe vernachlässigbar; bei 25 Hz ist er die größte Fehlerquelle.
Spule mit Eisenkern (hohe Induktivität, z. B. 5 H)
Das untersuchte Bauteil: Die große Induktivität macht alle Effekte augenfällig.
Zwei baugleiche Glühlampen und Vergleichswiderstand
Der Parallelzweig-Vergleich macht die Einschaltverzögerung als Helligkeits-Wettrennen sichtbar.
Glimmlampe
Zündet erst bei etwa 90 V: der Detektor für den Ausschalt-Spannungsstoß.
Funktionsgenerator und AC-Messgeräte
Für die frequenzabhängige Reaktanz-Messreihe.
Luftspule bekannter Induktivität (z. B. 1 H)
Für die quantitative Reihe (die Eisenkern-Induktivität wäre aussteuerungsabhängig).
Zweikanal-Oszilloskop mit Messwiderstand
Für die Phasenbeobachtung.
4Skizze des Versuchsaufbaus
Messschaltung wie bei der Kondensator-AC-Reihe, mit als Prüfling; daneben die erwartete X_L(f)-Gerade durch den Ursprung als Vorzeichnung.
Spule einschalten (Gleichspannung)
Simulation — berechnete Werte, keine MessungZeitkonstante τ = L/R
0,1 s
Endwert I = U₀/R
180 mA
i im Moment
0 mA
Der Einschaltvorgang im Zeitraffer: Der Strom folgt der e-Funktion mit , während die Selbstinduktionsspannung vom Startwert abklingt. Verändere L und R: Die Trägheit wächst mit der Induktivität und sinkt mit dem Widerstand.
Aufbau: mit hoher Windungszahl auf geschlossenem Eisenkern (Induktivität einige Henry), baugleiche Glühlampen, verstellbarer Vergleichswiderstand, Glimmlampe (Zündspannung um 90 V), Gleichspannungsquelle mit Schalter, Funktionsgenerator und AC-Messgeräte für Teil 3.
5Durchführung
Schritt 1 (DC-Referenz): kurz an DC, den Strom im Dauerzustand notieren (nur der Drahtwiderstand begrenzt; Vorsicht, kurz messen).
Schritt 2: AC-Reihe: je einstellen, messen.
Schritt 3: Bei 50 Hz beide Oszilloskopkanäle vergleichen: Wo liegen die Strom-Nulldurchgänge relativ zur ?
6Beobachtung
| in | in | in |
|---|---|---|
| 25 | 38,2 | 157 |
| 50 | 19,1 | 314 |
| 100 | 9,5 | 628 |
| 200 | 4,8 | 1257 |
Beispieldaten zur Veranschaulichung — keine echten Messwerte.
DC-Referenz: Der Dauerstrom wird nur vom Drahtwiderstand (wenige Ohm) begrenzt und ist um Größenordnungen höher. Oszilloskop: Die Strom-Scheitel folgen den Spannungs-Scheiteln um eine Viertelperiode nach.
7Auswertung
Frequenzabhängigkeit: Jede Verdopplung von verdoppelt (): die lineare Frequenzabhängigkeit, exakt spiegelbildlich zum . Auch absolut passt es: .
Der Systemvergleich (Auftrag §7): An DC ist die nach dem Einschwingen fast ein Kurzschluss (nur Drahtwiderstand); an AC sperrt sie umso mehr, je höher die . Der Kondensator macht es genau umgekehrt (DC-Sperre, AC-Durchlass wachsend mit f). Zusammen sind die beiden das komplementäre Filterpaar der Elektronik: Die Spule lässt Tiefes passieren (Tiefpass), der Kondensator Hohes.
Phase: Die beobachtete -Nacheilung komplettiert das Bild: Widerstand , Kondensator , Spule . Die drei Grundbauteile decken die drei Phasenlagen ab.
8Fazit
Die zeigt an Wechselspannung die frequenzproportionale Reaktanz (gemessen 157 bis 1257 Ω) mit um nacheilendem Strom, während sie an Gleichstrom im Dauerzustand nur ihren Drahtwiderstand zeigt: das exakte Gegenstück zum .
9Fehlerbetrachtung
Die Reihe erbt die AC-Messfehler der Kondensatormessung; spulenspezifisch kommt der Drahtwiderstand hinzu:
Drahtwiderstand der Spuleeher systematisch
- Ursache
Die reale ist eine Reihenschaltung aus und .
- Auswirkung
Bei kleiner (25 Hz), wo am kleinsten ist, verfälscht den Quotienten am stärksten: Der gemessene Wert liegt leicht über .
- Verbesserung
per DC-Messung bestimmen und rechnerisch berücksichtigen () oder die Reihe bei höheren führen.
Frequenzgrenzen der AC-Multimetereher systematisch
- Ursache
Einfache Geräte messen oberhalb einiger hundert Hertz ungenau.
- Auswirkung
Der 200-Hz-Punkt trägt die größte Geräteunsicherheit.
- Verbesserung
Bereichsangaben prüfen, Scheitelwerte am Oszilloskop gegenkontrollieren.
Nicht sinusförmige Generatorspannungeher systematisch
- Ursache
Oberschwingungen hoher in verzerrter Kurvenform.
- Auswirkung
Die unterdrückt hohe . Anders als beim wird hier zu wenig Strom gemessen, und erscheint zu groß.
- Verbesserung
Saubere Sinusform am Oszilloskop verifizieren.
Das Wichtigste
- Das Prinzip
Die bei jeder Änderung ihres eigenen Stroms eine Gegenspannung: . Die Induktivität (Einheit Henry) misst diese Selbst-Trägheit.
- Einschalten
Der Strom springt nicht, sondern wächst mit zum Endwert : erst dann wirkt nur noch der Drahtwiderstand.
- Ausschalten
Die Feldenergie muss beim Abschalten irgendwohin: Sehr schnelle Stromänderung erzeugt einen Spannungsstoß weit über der Quellenspannung (Funken, Glimmlampenblitz).
- Wechselstrom
Die permanente Gegenwirkung wird zur Reaktanz : wächst mit der (Gegenstück zum ), Strom eilt der um nach.