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Reihen- und Parallelschaltung

SchulversuchElektrizitätslehreKlasse 8Standard

Worum geht es?

Sobald ein Kreis mehr als ein Bauteil enthält, stellt sich die Anschlussfrage: hintereinander (in Reihe) oder nebeneinander (parallel)? Die beiden Grundschaltungen verhalten sich gegensätzlich, bei Strom, und . Dieses misst beide Schaltungen mit denselben zwei Widerständen durch und macht die Regeln plausibel, statt sie auswendig zu lernen.

Warum macht man dieses Experiment?

Jede reale Schaltung ist aus diesen zwei Grundmustern zusammengesetzt: die Steckdosenkreise der Wohnung sind Parallelschaltungen, Messwiderstände und liegen in Reihe. Wer die beiden Muster mit ihren Strom- und Spannungsregeln sicher unterscheidet, kann Schaltungen berechnen und Fehlerbilder deuten (warum eine defekte Lichterketten-Lampe alles dunkel macht, die defekte Küchenlampe aber nicht den Kühlschrank ausschaltet).

Die physikalische Idee

In Reihe führt nur ein Weg durch beide Widerstände: Der Strom ist überall gleich, die teilen sich auf, die Hindernisse addieren sich. Parallel gibt es zwei Wege: Die Spannung ist an beiden gleich, die Ströme teilen sich auf, und zwei Wege leiten zusammen besser als jeder allein, deshalb sinkt der . Gemessen wird jeweils: Gesamtstrom, Teilgrößen und daraus der Gesamtwiderstand.

Benötigtes Vorwissen

Für dieses Experiment hilft dir dieses Vorwissen. Du kannst es jederzeit nachschlagen — das Experiment bleibt auch so verständlich.

Wissenschaftliche Einordnung

Die allgemeinen Regeln für beliebig verzweigte Netze formulierte Gustav Robert Kirchhoff 1845 als Knoten- und Maschenregel, noch als Student. Reihen- und Parallelschaltung sind ihre beiden einfachsten Anwendungsfälle.

Versuchsziel

Aktuelles Versuchsziel

Parallelschaltung untersuchen

Prüfe die Regeln der Parallelschaltung: gleiche an beiden Widerständen, Teilströme addieren sich zum Gesamtstrom, und der ist kleiner als jeder Einzelwiderstand.

Gemessen

  • — Spannung (in )

    An Quelle und beiden Zweigen gemessen: Die Gleichheit ist die erste Prüfaussage.

  • — Teilströme (in )

    In beiden Zweigen gemessen; ihre Summe wird mit dem Gesamtstrom verglichen.

  • — Gesamtstrom (in )

    Vor der Verzweigung gemessen (Knotenregel-Prüfung).

Berechnet

  • — Gesamtwiderstand (in )

    R=U/IR = U/I; Vergleich mit der Leitwertregel.

Der Weg von der Messung zum Ergebnis:

Für diese Zielsetzung brauchst du:

  • Die zu prüfende Widerstandsregel: Parallel addieren sich die Leitwerte (Kehrwerte), nicht die Widerstände.Zur Formelsammlung
  • Die Knotenregel: Was in den Knoten hineinfließt, fließt heraus. Sie wird direkt durch drei Strommessungen geprüft.Zur Formelsammlung

Versuchsprotokoll

So ist ein physikalisches Versuchsprotokoll aufgebaut. Die Reihenfolge ist immer dieselbe — die Inhalte gehören zu deinem gewählten Versuchsziel.

1Aufgabenstellung

Schalte 20 Ω20\ \Omega und 30 Ω30\ \Omega parallel an 6,0 V6{,}0\ \mathrm{V}. Miss die an beiden Zweigen, beide Teilströme und den Gesamtstrom, und prüfe Knotenregel und Widerstandsregel.

2Vorbetrachtung

Warum wird der kleiner? Das widerspricht zunächst dem Gefühl: mehr Bauteile, weniger Widerstand? Der Grundgedanke: Parallel schalten heißt zusätzliche Wege öffnen. Zwei geöffnete Türen lassen mehr Menschen pro Minute durch als eine, egal wie schmal die zweite Tür ist. Jeder zusätzliche Weg erhöht den Gesamtstrom bei gleicher , und mehr Strom bei gleicher Spannung bedeutet definitionsgemäß weniger Widerstand.

Rechnerisch: Beide Zweige sehen die volle Spannung, also I1=U/R1I_1 = U/R_1 und I2=U/R2I_2 = U/R_2. Mit der Knotenregel I=I1+I2I = I_1 + I_2 folgt UR=UR1+UR2\tfrac{U}{R} = \tfrac{U}{R_1} + \tfrac{U}{R_2}; Division durch UU liefert die Leitwertregel.

Vorhersage: I1=6/20=0,30 AI_1 = 6/20 = 0{,}30\ \mathrm{A}, I2=6/30=0,20 AI_2 = 6/30 = 0{,}20\ \mathrm{A}, I=0,50 AI = 0{,}50\ \mathrm{A}, R=6/0,5=12 ΩR = 6/0{,}5 = 12\ \Omega, kleiner als beide Einzelwerte.

3Geräte / Stoffe

Grundbestand; das Amperemeter wird nacheinander in Zweig 1, Zweig 2 und vor der Verzweigung eingebaut.

  • Netzgerät (Gleichspannung)

    Quelle mit einstellbarer .

  • Festwiderstände 20 Ω und 30 Ω

    Die zwei Bauteile, deren Zusammenschaltung untersucht wird.

  • Amperemeter

    Misst Gesamt- und Teilströme (nacheinander an verschiedenen Stellen in Reihe eingebaut).

  • Voltmeter

    Misst Quellen- und Teilspannungen (parallel angeschlossen).

4Skizze des Versuchsaufbaus

Schaltplan mit Verzweigungsknoten: Von der Quelle führt ein gemeinsamer Leiter zum Knoten, dort teilen sich die Wege durch die beiden Widerstände und vereinigen sich wieder. Messstellen markieren.

In Reihe: die Widerstände addieren sich10 VR₁ = 20 ΩR₂ = 30 ΩU₁ = 4 VU₂ = 6 VI = 0,2 A, überall dieselbeR = R₁ + R₂ = 50 Ω, also I = 10 V / 50 Ω = 0,2 AAm größeren Widerstand fällt die größere Spannung ab

Die Reihenschaltung: ein Stromweg durch beide Widerstände. Der Strom ist überall derselbe, die Quellenspannung teilt sich im Verhältnis der Widerstände auf.

Parallel: die Ströme addieren sich12 VR₁ = 20 ΩI₁ = 0,6 AR₂ = 30 ΩI₂ = 0,4 AI = 1,0 A1/R = 1/20 + 1/30 = 5/60, also R = 12 ΩDer Gesamtwiderstand ist kleiner als jeder einzelne

Die Parallelschaltung: zwei Stromwege bei gemeinsamer . Die Ströme addieren sich im Knoten; der ist kleiner als der kleinste Einzelwiderstand.

Aufbau: Netzgerät, zwei Festwiderstände (20 Ω und 30 Ω), Amperemeter und Voltmeter. Die Widerstände werden zuerst in Reihe, dann parallel geschaltet; gemessen werden jeweils Gesamt- und Teilgrößen.

5Durchführung

Schritt 1: Parallelschaltung aufbauen, Quelle auf 6,0 V6{,}0\ \mathrm{V}.

Schritt 2: an Zweig 1, Zweig 2 und der Quelle messen.

Schritt 3: Teilstrom in Zweig 1 messen (Amperemeter in den Zweig einbauen), dann in Zweig 2, dann den Gesamtstrom vor der Verzweigung.

6Beobachtung

Messwerte Parallelschaltung (20 Ω∥30 Ω20\ \Omega \parallel 30\ \Omega an 6,0 V6{,}0\ \mathrm{V})
GrößeMesswert
Spannung an Quelle, Zweig 1, Zweig 2jeweils 6,0 V6{,}0\ \mathrm{V}
I1I_1 (20 Ω)0,30 A0{,}30\ \mathrm{A}
I2I_2 (30 Ω)0,20 A0{,}20\ \mathrm{A}
Gesamtstrom II0,50 A0{,}50\ \mathrm{A}

Beispieldaten zur Veranschaulichung — keine echten Messwerte.

7Auswertung

Spannungsregel: Alle drei Messungen zeigen 6,0 V6{,}0\ \mathrm{V}: bestätigt. Beide Zweige liegen direkt an der Quelle.

Knotenregel: I1+I2=0,30+0,20=0,50 A=II_1 + I_2 = 0{,}30 + 0{,}20 = 0{,}50\ \mathrm{A} = I: bestätigt. Durch den kleineren Widerstand fließt der größere Teilstrom.

Widerstandsregel:

R=UI=6,0 V0,50 A=12 Ωund(120+130)−1Ω=(3+260)−1Ω=12 ΩR = \frac{U}{I} = \frac{6{,}0\ \mathrm{V}}{0{,}50\ \mathrm{A}} = 12\ \Omega \qquad \text{und} \qquad \left(\frac{1}{20} + \frac{1}{30}\right)^{-1} \Omega = \left(\frac{3 + 2}{60}\right)^{-1} \Omega = 12\ \Omega

Beide Wege liefern 12 Ω12\ \Omega, weniger als der kleinste Einzelwiderstand (20 Ω20\ \Omega): Die Leitwertregel ist bestätigt, ebenso die zunächst überraschende Kernaussage.

8Fazit

Die Parallelschaltung bestätigt alle Regeln: gemeinsame , Stromaddition im Knoten (0,5 A0{,}5\ \mathrm{A}) und 12 Ω12\ \Omega, kleiner als jeder Einzelwiderstand.

9Fehlerbetrachtung

Zusätzlich zu den bekannten Geräteeinflüssen ist hier der Umbau des Amperemeters die häufigste Fehlerquelle:

Amperemeter im falschen Zweigeher systematisch

Ursache

Beim Umbau landet das Gerät versehentlich im gemeinsamen Leiter statt im Zweig (oder umgekehrt).

Auswirkung

Gemessen wird der Gesamtstrom statt des Teilstroms; die Knotenregel scheint verletzt.

Verbesserung

Vor jeder Messung am Schaltplan verfolgen, welcher Strom durch die Messstelle fließt.

Quelle bricht bei größerem Strom eineher systematisch

Ursache

Parallel fließt mehr Strom (0,5 A0{,}5\ \mathrm{A} statt 0,2 A0{,}2\ \mathrm{A}); einfache Netzgeräte halten die dann nicht exakt.

Auswirkung

Die Zweigströme wurden möglicherweise bei leicht verschiedenen gemessen; die Knotenprobe geht nicht exakt auf.

Verbesserung

bei jeder Strommessung mitprotokollieren und gegebenenfalls nachregeln.

Eigenwiderstand des Amperemeters im Zweigeher systematisch

Ursache

Das Messgerät erhöht den Widerstand des Zweigs, in dem es gerade steckt.

Auswirkung

Der gemessene Teilstrom ist minimal zu klein; die Summe der Teilströme liegt knapp unter dem Gesamtstrom.

Verbesserung

Messbereich mit kleinstem Innenwiderstand wählen; Abweichungen im Promillebereich nicht überinterpretieren.

Das Wichtigste

Reihe

Gleicher Strom durch alle Bauteile, addieren sich, Widerstände addieren sich: R=R1+R2R = R_1 + R_2.

Parallel

Gleiche an allen Bauteilen, Ströme addieren sich, Leitwerte addieren sich: 1R=1R1+1R2\tfrac{1}{R} = \tfrac{1}{R_1} + \tfrac{1}{R_2}. Der ist kleiner als jeder Einzelwiderstand.

Merkbild

Reihe: ein Weg, ein Strom. Parallel: mehr Wege leiten besser.

Alltag

Haushaltsgeräte hängen parallel am Netz: alle bekommen die volle , jedes lässt sich einzeln schalten.

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