Die Gasgesetze
Worum geht es?
Der Zustand einer Gasmenge steckt in drei Größen: , Volumen , . Hältst du eine davon fest, verbinden sich die anderen beiden zu einem einfachen Gesetz: konstant (isotherm), (isobar), (isochor). Alle drei sind Schnitte durch ein einziges übergeordnetes Gesetz, die Zustandsgleichung des idealen Gases, und genau diese Einheit macht der Versuch sichtbar.
Warum macht man dieses Experiment?
Die Gasgesetze sind das Paradebeispiel für kontrolliertes Experimentieren: drei Größen, von denen man je eine einfriert. Diese Methode trägt weit über die Physik hinaus. Inhaltlich liefern sie den Schlüssel zu Luftpumpe, Tauchflasche, Heißluftballon und Autoreifen im Sommer. Und die isobare Gerade zeigt beim Verlängern auf null Volumen den absoluten Nullpunkt; die Kelvin-Skala fällt hier aus einer Messreihe heraus.
Die physikalische Idee
Dreimal derselbe Gedanke am selben Material: Ein Kolbenprober sperrt eine feste Luftmenge ab, ein Digitalmanometer misst , ein Wasserbad stellt . Variante 1 verschiebt bei Raumtemperatur den Kolben und liest zu ab. Variante 2 lässt das Gas bei offenem, leichtgängigem Kolben (konstanter ) im Bad expandieren. Variante 3 sperrt das Volumen komplett und heizt: steigt mit .
Benötigtes Vorwissen
Für dieses Experiment hilft dir dieses Vorwissen. Du kannst es jederzeit nachschlagen — das Experiment bleibt auch so verständlich.
- Teilchenmodell und Druck
- Siedepunkt und Druck (Experiment)
Wissenschaftliche Einordnung
Robert Boyle (1662) und Edme Mariotte (1676) fanden das isotherme Gesetz unabhängig voneinander, die erste quantitative Gasphysik überhaupt. Die Temperaturgesetze folgten um 1800 (Gay-Lussac, aufbauend auf Charles und Amontons), und ihre gemeinsame Gerade durch −273 °C brachte Lord Kelvin 1848 auf die absolute Temperaturskala, lange bevor man Teilchen zählen konnte.
Versuchsziel
Was möchtest du untersuchen?
Aktuelles Versuchsziel
Isochor: Druck wächst mit der Temperatur
Prüfe für eine Gasmenge in starrem Gefäß, ob der der absoluten proportional ist.
Gemessen
- — Absolutdruck (in )
Die abhängige Größe: Im starren Gefäß kann nur sie auf die Erwärmung antworten.
- — Badtemperatur (in )
Die unabhängige Variable, in Kelvin umzurechnen.
Bekannt
- — Volumen (in )
Durch den starren Kolben mit Stopfen festgelegt: die eingefrorene Größe.
Für diese Zielsetzung brauchst du:
- Die Prüfhypothese: das isochore Gasgesetz (Amontons).Zur Formelsammlung
Versuchsprotokoll
So ist ein physikalisches Versuchsprotokoll aufgebaut. Die Reihenfolge ist immer dieselbe — die Inhalte gehören zu deinem gewählten Versuchsziel.
1Aufgabenstellung
Verschließe einen Erlenmeyerkolben luftdicht mit dem Drucksensor, erwärme ihn im Wasserbad von 20 °C auf etwa 49 °C und miss den bei drei .
2Vorbetrachtung
Die Vorhersage aus dem : Im starren Gefäß bleibt die Teilchendichte fest; Erwärmen macht die Teilchen nur schneller. Schnellere Teilchen treffen die Wand häufiger und heftiger, der muss also steigen, und zwar proportional zur absoluten , denn diese misst gerade die Bewegungsenergie. Die Erwartung für 293 auf 322 K (rund 10 Prozent mehr): etwa 10 Prozent mehr Druck, von 1,00 auf etwa 1,10 bar.
Warum diese Variante die einfachste ist: Nichts bewegt sich, nichts muss leichtgängig sein, es braucht nur einen Stopfen und einen Sensor. Dafür ist sie die unerbittlichste im Alltag. Geschlossene Gefäße mit Gas darin (Spraydose, Konservenglas, Reifen) haben kein Ventil nach draußen; jede Erwärmung geht voll in den Druck.
3Geräte / Stoffe
Kolben samt Hals vollständig eintauchen (sonst misst ein Teil des Gases die Raumluft); Dichtheit prüfen: Nach kurzem Anwärmen mit der Hand muss der steigen und beim Loslassen exakt zurückkehren.
Kolbenprober (100 ml)
Sperrt die feste Gasmenge ab und macht ihr Volumen ablesbar und einstellbar.
Digitalmanometer (Absolutdruck)
Misst p direkt als Absolutdruck, nicht als Überdruck; sonst stimmen die Produkte und Quotienten nicht.
Wasserbad mit Heizplatte und Thermometer
Stellt die der Gasmenge ein: Wasser umschließt den Prober vollständig und gleichmäßig.
Erlenmeyerkolben mit Stopfen
Starres Gefäß für die isochore Variante: Volumen wirklich konstant.
4Skizze des Versuchsaufbaus
Erlenmeyerkolben ganz im Wasserbad, Stopfen mit Schlauch zum Drucksensor außerhalb; p-T-Achsenkreuz (T in Kelvin) mit Ursprungsgerade.
Das des Gases: entsteht aus unzähligen Stößen der Teilchen auf die Wände. Mehr Teilchen pro Volumen oder schnellere Teilchen bedeuten mehr Stöße, und genau daraus folgen alle drei Gesetze qualitativ.
Aufbau: Kolbenprober (100 ml) mit dicht angeschlossenem Digitalmanometer (Absolutdruck), großes Wasserbad mit Heizplatte und Thermometer, Stativ; für die isochore Variante ersatzweise Erlenmeyerkolben mit durchbohrtem Stopfen direkt am Drucksensor.
5Durchführung
Startpunkt bei 20 °C ablesen; Bad in zwei Schritten auf 35 °C und 49 °C heizen; nach jedem Schritt zwei Minuten Temperaturausgleich, dann p und ϑ notieren; abschließend abkühlen lassen, wobei der Startdruck wiederkommen muss (Dichtheitsbeweis).
6Beobachtung
| in | in | in | in |
|---|---|---|---|
| 20 | 293 | 1,000 | 3,41 |
| 35 | 308 | 1,051 | 3,41 |
| 49 | 322 | 1,099 | 3,41 |
Beispieldaten zur Veranschaulichung — keine echten Messwerte.
7Auswertung
Der Quotiententest: steht auf über die ganze Reihe. 10 Prozent mehr absolute brachten 10 Prozent mehr , genau die Teilchenmodell-Vorhersage. Im --Diagramm (Kelvin!) liegen die Punkte auf einer Ursprungsgeraden: das isochore Gasgesetz.
Die Zahl im Alltag nachgerechnet: Ein Autoreifen mit 2,5 bar Absolutdruck bei 10 °C (283 K) erreicht auf sommerheißem Asphalt 50 °C (323 K). Dann gilt : ein Drittel bar nur durch Temperatur. Deshalb „Reifendruck kalt prüfen“. Und dieselbe Gerade, weitergezeichnet, erklärt das Explosionsrisiko einer Spraydose im Feuer: Bei 600 K stünde der doppelte Druck an, mehr, als die Dose hält.
Alle drei Gesetze aus einem Guss: Isotherm ( konstant), isobar ( konstant), isochor ( konstant): Alle drei Messreihen dieses folgen aus einer einzigen Gleichung, , je nachdem, welche Größe man festhält. Drei Wasserbäder und ein Kolbenprober haben die Zustandsgleichung des idealen Gases von drei Seiten geprüft und dreimal dieselbe Antwort bekommen.
8Fazit
Bei konstantem Volumen ist der der absoluten proportional ( über die ganze Reihe): das isochore Gasgesetz, und zusammen mit den beiden anderen Varianten der dreifache Beleg für die eine Zustandsgleichung .
9Fehlerbetrachtung
Der Aufbau ist simpel; die Fehler stecken im Wort „konstant“:
Gasvolumen ragt aus dem Badeher systematisch
- Ursache
Kolbenhals oder Schlauchstück bleiben auf Raumtemperatur.
- Auswirkung
Ein Teil des Gases macht die Erwärmung nicht mit; p steigt zu schwach, der Quotient driftet.
- Verbesserung
Kolben vollständig eintauchen, Schlauch zum Sensor so kurz wie möglich.
Undichter Stopfeneher systematisch
- Ursache
Erwärmtes Gas drückt sich am Stopfen vorbei.
- Auswirkung
p zu niedrig; der Rückkehrtest nach dem Abkühlen endet unter dem Startdruck.
- Verbesserung
Stopfen fetten und sichern; Rückkehrmessung immer als Dichtheitsbeweis werten.
Gefäß dehnt sich miteher systematisch
- Ursache
Auch Glas wächst beim Erwärmen (Festkörper-Experiment); V ist nicht perfekt konstant.
- Auswirkung
Winzig zu niedriger , bei Glas unter einem Promille: hier vernachlässigbar, aber nennenswert bei Kunststoffgefäßen.
- Verbesserung
Starres Glasgefäß statt Kunststoffflasche verwenden.
Das Wichtigste
- Isotherm (Boyle-Mariotte)
Bei fester gilt . Halbes Volumen, doppelter : die Physik jeder Luftpumpe.
- Isobar (Gay-Lussac)
Bei festem gilt (T in Kelvin!). Die Volumen-Gerade zielt rückwärts verlängert auf , den absoluten Nullpunkt.
- Isochor (Amontons)
Bei festem Volumen gilt . Darum warnt der Reifendruck-Aufkleber „bei kaltem Reifen prüfen“, und darum gehören Spraydosen nicht ins Feuer.
- Ein Gesetz dahinter
Alle drei sind Spezialfälle von . Jede Variante friert eine Größe ein und zeigt den Rest der Gleichung.