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Angewandte Informatik

Kryptologie: verschlüsseln und entschlüsseln

Von Cäsar bis zur Häufigkeitsanalyse: warum ein Verfahren nicht durch Geheimhaltung sicher wird, sondern durch seinen Schlüssel.

Benötigte Grundlagen

Dieses Vorwissen brauchst du für das Kapitel. Schau kurz nach, wenn dir etwas davon nicht mehr präsent ist, sonst leg direkt los.

Einführung

Vor über zweitausend Jahren verschob Julius Cäsar in seinen Botschaften jeden Buchstaben um drei Stellen im Alphabet. Wer den Brief abfing, las Unsinn.

Heute knackt ein Rechner dieses Verfahren in weniger als einer Tausendstelsekunde, und ein Mensch mit Papier schafft es in fünf Minuten.

Interessant ist nicht, dass es unsicher ist, sondern warum. Denn die Gründe dafür sind bis heute dieselben Gründe, an denen moderne Verfahren gemessen werden. Wer versteht, warum Cäsar scheitert, versteht, was ein sicheres Verfahren leisten muss.

Das kannst du nach diesem Kapitel

  • die Begriffe Klartext, Geheimtext, Schlüssel, Verschlüsseln und Entschlüsseln verwenden.

  • die Cäsar-Verschlüsselung anwenden und ihre Umkehrung durchführen.

  • die Größe eines Schlüsselraums berechnen und seine Bedeutung beurteilen.

  • erklären, wie eine Häufigkeitsanalyse funktioniert und welche Verfahren sie knackt.

  • das Kerckhoffs-Prinzip erklären und begründen, warum Geheimhaltung des Verfahrens keine Sicherheit ist.

Die Begriffe

Der lesbare Ausgangstext heißt Klartext, das Ergebnis Geheimtext. Der Vorgang hin heißt Verschlüsseln, der Vorgang zurück Entschlüsseln.

Entscheidend ist der Schlüssel: die Angabe, die zum selben Verfahren gehört, aber geheim bleibt. Verfahren und Schlüssel sind zwei verschiedene Dinge, und diese Trennung ist der wichtigste Gedanke des ganzen Kapitels.

Klartext→  Verfahren+Schlu¨ssel  Geheimtext→  Verfahren+Schlu¨ssel  Klartext\text{Klartext} \xrightarrow{\;\text{Verfahren} + \text{Schlüssel}\;} \text{Geheimtext} \xrightarrow{\;\text{Verfahren} + \text{Schlüssel}\;} \text{Klartext}

Beachte außerdem den Unterschied zur aus Klasse 9: Ein Code, etwa ASCII, soll übertragbar machen und ist allgemein bekannt. Eine Verschlüsselung soll sie geheim halten und braucht dafür einen Schlüssel. Beides sieht für den Uneingeweihten gleich unlesbar aus und verfolgt völlig verschiedene Ziele.

Der Weg einer Nachricht

Klartextlesbar: INFORMATIKhinVerschlüsselnVerfahren, dazu der geheimeSchlüsselauf der Leitung, im Postfach,auf dem StickGeheimtextunlesbar: LQIRUPDWLNzurückEntschlüsselndasselbe Verfahren, derselbeSchlüsselKlartextwieder lesbar: INFORMATIK

Die erste und die letzte Station sind dasselbe Wort, daran erkennt man, dass hier nichts verloren geht. Entscheidend sind die beiden Stationen dazwischen: In beiden steckt dasselbe Verfahren und derselbe Schlüssel, und genau diese Trennung ist der Kern des ganzen Kapitels. Das Verfahren ist die Vorschrift („verschiebe jeden Buchstaben“), der Schlüssel die Angabe dazu („um 3“). Verwechsle das nicht mit einer wie ASCII: Auch die macht Text unlesbar für den Uneingeweihten, aber sie will übertragbar machen und ist absichtlich allgemein bekannt.

Die Cäsar-Verschlüsselung

Jeder Buchstabe wird um eine feste Anzahl von Stellen im Alphabet verschoben. Diese Anzahl ist der Schlüssel.

Bei Schlüssel 3:

Klar:   A B C D E F G ... W X Y Z
Geheim: D E F G H I J ... Z A B C

Aus INFORMATIK wird damit LQIRUPDWLN. Am Ende des Alphabets wird vorn weitergezählt: X wird zu A.

Rechnerisch ist es eine Addition mit Rest. Nummeriert man A = 0 bis Z = 25, gilt:

Geheim=(Klar+s) mod 26Klar=(Geheim−s+26) mod 26\text{Geheim} = (\text{Klar} + s) \bmod 26 \qquad \text{Klar} = (\text{Geheim} - s + 26) \bmod 26

Das Zeichen  mod \bmod meint den Rest bei Division durch 26; es sorgt für das Weiterzählen am Alphabetende. Die Addition von 26 in der zweiten Formel verhindert negative Zwischenergebnisse.

Cäsar mit dem Schlüssel 3

KlarABCDEFGHIJKLMNOPQRSTUVWXYZ+3DEFGHIJKLMNOPQRSTUVWXYZABCDie untere Zeile ist derGeheimtext: Unter I steht L,unter N steht Q, unter X stehtwieder A.

Lies das Band senkrecht: Über jedem Klartextbuchstaben steht sein Geheimtextbuchstabe. So wird aus INFORMATIK das Wort LQIRUPDWLN, probiere es Buchstabe für Buchstabe nach. Die hervorgehobene Spalte ist die interessante: Drei Stellen hinter X ist das Alphabet zu Ende, also wird vorn weitergezählt, und X wird zu A. Genau das leistet das  mod 26\bmod 26 in der Formel Geheim=(Klar+s) mod 26\text{Geheim} = (\text{Klar} + s) \bmod 26. Es ist keine zusätzliche Sonderregel, sondern beschreibt dieses Weiterzählen.

Warum Cäsar unsicher ist: der Schlüsselraum

Die Menge aller möglichen Schlüssel heißt Schlüsselraum. Bei Cäsar sind es die Verschiebungen 1 bis 25, denn 0 verändert nichts und 26 ist wieder 0.

25 Möglichkeiten. Man probiert sie einfach alle durch, notfalls von Hand. Ein solcher Angriff heißt vollständige Suche oder Brute-Force.

Daraus folgt die erste Anforderung an jedes Verfahren: Der Schlüsselraum muss so groß sein, dass vollständiges Durchprobieren aussichtslos ist. Bei 128 Schlüssellänge sind es 21282^{128} Möglichkeiten, also eine Zahl mit 39 Stellen; auch alle Rechner der Welt zusammen kämen damit nicht durch.

Der zweite Angriff: Häufigkeitsanalyse

Ein großer Schlüsselraum allein genügt aber nicht. Das zeigt die monoalphabetische Substitution, bei der jeder Buchstabe durch einen beliebigen anderen ersetzt wird, nicht nur um eine feste Zahl verschoben.

Der Schlüsselraum ist hier gewaltig: 26!≈4⋅102626! \approx 4 \cdot 10^{26} mögliche Zuordnungen. Durchprobieren ist chancenlos.

Trotzdem knackt man das Verfahren mit Papier und Bleistift. Der Grund: In jeder Sprache kommen Buchstaben unterschiedlich häufig vor. Im Deutschen:

BuchstabeAnteil
Erund 17 %
Nrund 10 %
Irund 8 %
Srund 7 %
Rrund 7 %

Weil jeder Klartextbuchstabe immer auf denselben Geheimtextbuchstaben abgebildet wird, überträgt sich diese Verteilung unverändert. Das häufigste Zeichen im Geheimtext ist mit großer Wahrscheinlichkeit das E. Danach nutzt man Wortlängen, doppelte Buchstaben und typische Silben, und der Rest fällt wie ein Kartenhaus.

Daraus folgt die zweite Anforderung: Ein Verfahren darf die Struktur des Klartextes nicht durchscheinen lassen. Genau das ist der eigentliche Schwachpunkt, nicht die Zahl der Schlüssel.

Die fünf häufigsten Buchstaben im Deutschen

05101520Anteil in %17E10N8I7S7R

Fünf Buchstaben machen zusammen rund 17+10+8+7+7=49 %17 + 10 + 8 + 7 + 7 = 49\,\% eines deutschen Textes aus, die übrigen 21 teilen sich die andere Hälfte. Und jetzt der entscheidende Schritt: Bei einer monoalphabetischen Substitution wird jeder Klartextbuchstabe immer durch denselben Geheimtextbuchstaben ersetzt. Also verschiebt sich das Bild nicht, es bekommt nur neue Beschriftungen. Das häufigste Zeichen im Geheimtext ist mit großer Wahrscheinlichkeit das E. Deshalb ist ein Schlüsselraum von 26!≈4⋅102626! \approx 4 \cdot 10^{26} hier wertlos: Man muss nicht durchprobieren, man liest ab.

Ein Schritt weiter: Vigenère

Die Vigenère-Verschlüsselung benutzt statt einer Zahl ein Schlüsselwort. Jeder Buchstabe des Schlüsselworts gibt für eine Position eine eigene Verschiebung an; ist das Wort zu Ende, beginnt es von vorn.

Klartext:     I N F O R M A T I K
Schlüssel:    K E Y K E Y K E Y K
Verschiebung: 10 4 24 10 4 24 10 4 24 10

Der Gewinn ist wesentlich: Dasselbe E wird an verschiedenen Stellen zu verschiedenen Geheimtextzeichen, weil eine andere Verschiebung gilt. Die einfache Häufigkeitsanalyse läuft damit ins Leere.

Auch Vigenère ist heute geknackt, und zwar über die Wiederholung des Schlüsselworts: Wer dessen Länge ermittelt, kann den Text in ebenso viele Teiltexte zerlegen, von denen jeder wieder eine einfache Cäsar-Verschlüsselung ist. Das Verfahren ist also nur so lange stark, wie das Schlüsselwort lang und unregelmäßig ist.

Vigenère mit dem Schlüsselwort KEY

KlarABCDEFGHIJKLMNOPQRSTUVWXYZK +10KLMNOPQRSTUVWXYZABCDEFGHIJE +4EFGHIJKLMNOPQRSTUVWXYZABCDY +24YZABCDEFGHIJKLMNOPQRSTUVWXDrei Zeilen für dasSchlüsselwort KEY. In derSpalte E steht O, I und C.

Jetzt sind es drei Verschiebungen statt einer, und welche gerade gilt, hängt von der Stelle im Text ab: erste Stelle K, zweite E, dritte Y, dann wieder von vorn. Sieh dir die hervorgehobene Spalte an, dasselbe E wird zu O, zu I oder zu C, je nachdem, wo es steht. Damit ist die Häufigkeitsanalyse aus dem vorigen Abschnitt erledigt: Die Verteilung des Klartextes verschmiert sich auf drei verschiedene Geheimtextbuchstaben. Der Angriff verschiebt sich dadurch aber nur: Wer die Länge des Schlüsselworts errät, kann jede dritte Stelle für sich betrachten, und jede dieser Teilmengen ist wieder ein einfaches Cäsar.

Das Kerckhoffs-Prinzip

Damit sind wir beim wichtigsten Grundsatz der Kryptologie, formuliert im 19. Jahrhundert:

Die Sicherheit eines Verfahrens darf ausschließlich auf der Geheimhaltung des Schlüssels beruhen, niemals auf der Geheimhaltung des Verfahrens.

Der Grund ist nüchtern und praktisch. Ein Verfahren steckt in Programmen, Geräten und Köpfen; es wird analysiert, nachgebaut, verraten oder durch Zufall bekannt. Ein Schlüssel dagegen ist eine kurze Angabe, die sich wechseln lässt.

Rechne den Unterschied durch: Wird ein Schlüssel bekannt, vergibt man einen neuen und ist wieder sicher. Wird ein geheim gehaltenes Verfahren bekannt, sind alle damit verschlüsselten offen, und ein neues Verfahren muss erst entwickelt, geprüft und überall eingebaut werden.

Deshalb sind moderne Verfahren öffentlich bekannt und werden von Fachleuten weltweit angegriffen. Was jahrelangen Angriffen standhält, ist vertrauenswürdig; ein Verfahren, das niemand prüfen durfte, ist es nicht. „Wir verraten nicht, wie es funktioniert“ ist in der Kryptologie kein Sicherheitsversprechen, sondern ein Warnzeichen.

Wozu das führt

Die drei Anforderungen, die wir hergeleitet haben, gelten unverändert für heutige Verfahren:

  1. Großer Schlüsselraum, damit Durchprobieren aussichtslos ist.
  2. Keine durchscheinende Struktur des Klartextes.
  3. Offenes Verfahren, geheimer Schlüssel nach Kerckhoffs.

Wie moderne Verfahren das erreichen und wie zwei Menschen einen Schlüssel austauschen, ohne sich je getroffen zu haben, ist Thema der Qualifikationsphase.

Cäsar verschlüsseln und entschlüsseln

a) Verschlüssle SCHULE mit dem Schlüssel 5. b) Entschlüssle ANLQWNA mit dem Schlüssel 9.

  1. 1

    a) Jeder Buchstabe wird um 5 Stellen nach hinten verschoben: S → X, C → H, H → M, U → Z, L → Q, E → J.

  2. 2

    Ergebnis: XHMZQJ. Bei U ist zu beachten, dass 5 Stellen weiter noch im Alphabet liegen; erst ab V wird vorn weitergezählt.

  3. 3

    b) Zum Entschlüsseln wird um 9 Stellen zurück verschoben. Beim A muss man dafür am Alphabetanfang hinten weiterzählen: A hat die Nummer 0, und (0−9+26) mod 26=17(0 - 9 + 26) \bmod 26 = 17, also R.

  4. 4

    Weiter: N (13) → 4 = E, L (11) → 2 = C, Q (16) → 7 = H, W (22) → 13 = N, N → E, A → R.

  5. 5

    Ergebnis: RECHNER. Die Sinnprobe ist bestanden, also war der Schlüssel richtig. Genau diese Probe gehört immer dazu: Ergibt der entschlüsselte Text kein sinnvolles Wort, stimmt der Schlüssel nicht, und man probiert den nächsten. Bei 25 Möglichkeiten dauert das keine fünf Minuten, und darin liegt die Schwäche des Verfahrens.

a) XHMZQJ · b) RECHNER. Beim Zurückrechnen 26 addieren, bevor man den Rest bildet.

Schlüsselraum vergleichen

Vergleiche die Schlüsselräume von Cäsar, monoalphabetischer Substitution und einem 128-Bit-Schlüssel.

  1. 1

    Cäsar: 25 sinnvolle Verschiebungen. Ein Mensch probiert sie in wenigen Minuten durch.

  2. 2

    Monoalphabetisch: Jeder der 26 Buchstaben bekommt ein eigenes Bild, also 26!≈4⋅102626! \approx 4 \cdot 10^{26} Zuordnungen. Durchprobieren ist ausgeschlossen.

  3. 3

    128 : 2128≈3,4⋅10382^{128} \approx 3{,}4 \cdot 10^{38} Schlüssel, also nochmals rund eine Milliarde mal mehr.

  4. 4

    Trotzdem gilt: Die monoalphabetische Substitution wird mit Papier geknackt, ein modernes Verfahren mit 128 Bit nicht.

  5. 5

    Daraus folgt die Einsicht, um die es geht: Ein großer Schlüsselraum ist notwendig, aber nicht hinreichend. Er schützt gegen Durchprobieren, nicht gegen Analyse.

25 gegen 4⋅10264 \cdot 10^{26} gegen 3,4⋅10383{,}4 \cdot 10^{38}. Die Größe allein entscheidet nicht über die Sicherheit.

Typischer Fehler

„Mein Verfahren ist sicher, weil niemand weiß, wie es funktioniert.“

Das ist genau die Annahme, die das Kerckhoffs-Prinzip ausschließt, und sie hält aus zwei Gründen nicht.

Erstens bleibt ein Verfahren nicht geheim. Es steckt in einem Programm, das man untersuchen kann, in einem Gerät, das man zerlegen kann, und in den Köpfen aller Beteiligten. Ein einziger Mitwisser, ein verlorener Datenträger oder eine gründliche Analyse genügen.

Zweitens ist der Schaden dann nicht begrenzbar. Vergleiche die beiden Fälle:

Schlüssel wird bekanntVerfahren wird bekannt
betroffendie mit diesem Schlüsselalle Nachrichten
Gegenmaßnahmeneuen Schlüssel vergebenneues Verfahren entwickeln und überall einbauen
AufwandMinutenJahre

Deshalb sind die heute eingesetzten Verfahren veröffentlicht und werden weltweit angegriffen. Ein Verfahren, das jahrelanger Prüfung standgehalten hat, ist vertrauenswürdig. Ein Verfahren, das niemand prüfen durfte, hat schlicht keine Belege für seine Sicherheit, und wer es einsetzt, verwechselt „unbekannt“ mit „unknackbar“.

Übung 1

leicht

a) Verschlüssle das Wort mit dem Cäsar-Schlüssel 4. b) Entschlüssle KHOOR mit dem Schlüssel 3. c) Wie viele sinnvolle Schlüssel hat die Cäsar-Verschlüsselung?

Tipp anzeigen

Zu b): Um drei Stellen zurück.

Lösung anzeigen

a) D → H, A → E, T → X, E → I, N → R, also HEXIR.

b) K → H, H → E, O → L, O → L, R → O, also HELLO.

c) 25. Der Schlüssel 0 verändert nichts, und 26 ist wieder 0.

Detaillierte Schritterklärung anzeigen

Hier wird jeder Schritt einzeln erklärt, vor allem, warum er gemacht wird.

Erklärungstiefe

✦ Empfohlen: Standard – Die normale Erklärungstiefe passt zum Einstieg.

  1. 1

    a) Verschieben heißt: jeden Buchstaben um dieselbe Zahl weiterrücken

    Beim Cäsar-Verfahren wird jeder Buchstabe um dieselbe Anzahl Stellen im Alphabet nach hinten geschoben. Mit Schlüssel 4: D wird zu H, A zu E, T zu X, E zu I, N zu R. DATEN ergibt HEXIR.

    D→H, A→E, T→X, E→I, N→R\texttt{D} \to \texttt{H},\ \texttt{A} \to \texttt{E},\ \texttt{T} \to \texttt{X},\ \texttt{E} \to \texttt{I},\ \texttt{N} \to \texttt{R}

    Zwischenergebnis

    HEXIR

  2. 2

    b) Entschlüsseln ist dieselbe Bewegung rückwärts

    Zum Entschlüsseln geht man um den Schlüssel zurück. Mit Schlüssel 3: K wird zu H, H zu E, O zu L, O zu L, R zu O. KHOOR ergibt HELLO.

    K→H, H→E, O→L, O→L, R→O\texttt{K} \to \texttt{H},\ \texttt{H} \to \texttt{E},\ \texttt{O} \to \texttt{L},\ \texttt{O} \to \texttt{L},\ \texttt{R} \to \texttt{O}

    Zwischenergebnis

    HELLO

  3. 3

    c) Den Schlüsselraum abzählen und die zwei nutzlosen Schlüssel erkennen

    Es gibt 26 mögliche Verschiebungen (0 bis 25), aber 25 sinnvolle: Der Schlüssel 0 verändert nichts, und 26 führt einmal ganz herum und ist damit wieder 0.

Übung 2

mittel

Du fängst diesen Geheimtext ab: WNYHK PZA ZPJOLY

a) Knacke ihn durch Durchprobieren und gib den Schlüssel an. b) Wie lange bräuchte ein Rechner dafür höchstens, wenn er eine Million Versuche pro Sekunde schafft? c) Erkläre, warum eine Häufigkeitsanalyse hier kaum hilft. d) Wie ließe sich das Verfahren verbessern, ohne die Grundidee aufzugeben?

Tipp anzeigen

Zu a): Beginne mit kleinen Verschiebungen und achte auf das kurze Wort in der Mitte.

Lösung anzeigen

a) Der Schlüssel ist 7. Um 7 Stellen zurück ergibt sich PGRAD IST SICHER, gemeint ist offenbar „Pfad ist sicher“ in einer Variante. Prüft man weiter, liefert Schlüssel 7 für ZPJOLY das Wort SICHER und für PZA das Wort IST; das ist die Sinnprobe, die den Schlüssel bestätigt.

b) Es gibt 25 Schlüssel. Bei einer Million Versuchen pro Sekunde dauert das 25:1 000 000=0,00002525 : 1\,000\,000 = 0{,}000025 Sekunden, also 25 Mikrosekunden. Praktisch also sofort.

c) Weil der Text zu kurz ist. Die Häufigkeitsanalyse beruht auf statistischen Anteilen, und die stellen sich erst bei einigen hundert Zeichen zuverlässig ein. Bei 14 Buchstaben kann jeder Buchstabe zufällig vorne liegen. Bei Cäsar ist das ohnehin gleichgültig, weil das Durchprobieren schneller geht.

d) Man behält die Idee der Verschiebung, macht sie aber stellenabhängig: Statt einer festen Zahl nimmt man ein Schlüsselwort, dessen Buchstaben der Reihe nach die Verschiebung angeben (Vigenère). Dadurch wird derselbe Klartextbuchstabe an verschiedenen Stellen verschieden verschlüsselt, der Schlüsselraum wächst mit der Länge des Schlüsselworts, und die einfache Häufigkeitsanalyse greift nicht mehr.

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Hier wird jeder Schritt einzeln erklärt, vor allem, warum er gemacht wird.

Erklärungstiefe

✦ Empfohlen: Standard – Die normale Erklärungstiefe passt zum Einstieg.

  1. 1

    Zuerst den Angriff wählen

    Bei Cäsar ist der Schlüsselraum winzig, also lohnt kein cleverer Angriff: Man probiert alle 25 Verschiebungen durch. Das ist die vollständige Suche, und sie ist hier die schnellste Methode.

    Zwischenergebnis

    Angriff: alle 25 Schlüssel durchprobieren, jeweils mit Sinnprobe.

    Es genügt, ein kurzes Wort zu testen. PZA hat drei Buchstaben; wenn daraus ein sinnvolles Wort wird, hat man den Schlüssel wahrscheinlich gefunden.

  2. 2

    Am kürzesten Wort ansetzen

    Man verschiebt PZA schrittweise zurück und prüft, wann ein deutsches Wort entsteht. Häufige Dreibuchstabenwörter sind IST, DER, DIE, DAS, UND.

    \text{P} - 7 = \text{I}, \quad \text{Z} - 7 = \text{S}, \quad \text{A} - 7 = \text{T}

    Zwischenergebnis

    Bei s=7s = 7 entsteht IST. Verdächtig gut.

  3. 3

    Den Schlüssel am ganzen Text bestätigen

    Ein Treffer bei drei Buchstaben könnte Zufall sein. Deshalb wird derselbe Schlüssel auf den restlichen Text angewandt; erst wenn alles lesbar wird, ist er bestätigt.

    \text{ZPJOLY} - 7 = \text{SICHER}

    Zwischenergebnis

    Der Schlüssel 7 stimmt.

  4. 4

    Teil b): den Aufwand ausrechnen

    Die Rechnung ist eine schlichte Division: Anzahl der Möglichkeiten geteilt durch Versuche pro Sekunde. Sie macht anschaulich, warum die Schlüsselraumgröße das erste Kriterium ist.

    \frac{25}{1,000,000}\ \text{s} = 0{,}000025\ \text{s} = 25\ \mu\text{s}

    Zwischenergebnis

    25 Mikrosekunden, also praktisch sofort.

    Zum Vergleich: Bei 21282^{128} Schlüsseln und derselben Geschwindigkeit läge die Dauer weit jenseits des Alters des Universums.

Übung 3

schwer

a) Erkläre, warum die monoalphabetische Substitution trotz 26!≈4⋅102626! \approx 4 \cdot 10^{26} möglicher Schlüssel mit Papier und Bleistift knackbar ist. b) Ein Schüler schlägt vor, den Geheimtext einfach zweimal mit Cäsar zu verschlüsseln, erst mit 3, dann mit 5. Bewerte den Vorschlag. c) Ein Unternehmen wirbt damit, sein Verschlüsselungsverfahren sei geheim und deshalb besonders sicher. Nimm begründet Stellung. d) Warum ist ein Verfahren, das eine nur in ASCII-Werte umwandelt, keine Verschlüsselung?

Tipp anzeigen

Zu b): Was ergibt zweimaliges Verschieben?

Lösung anzeigen

a) Weil der Schlüsselraum nur gegen Durchprobieren schützt, nicht gegen Analyse. Bei der monoalphabetischen Substitution wird jeder Klartextbuchstabe immer durch denselben Geheimtextbuchstaben ersetzt. Damit überträgt sich die Häufigkeitsverteilung der Sprache unverändert: Das häufigste Zeichen im Geheimtext ist fast sicher das E, danach helfen kurze Wörter, doppelte Buchstaben und typische Endungen. Man muss keinen einzigen Schlüssel durchprobieren, sondern liest ihn Stück für Stück aus dem Text ab.

b) Der Vorschlag bringt nichts. Zweimaliges Verschieben um 3 und um 5 ist dasselbe wie einmaliges Verschieben um 8, denn die Verschiebungen addieren sich. Der Schlüsselraum bleibt bei 25 Möglichkeiten. Allgemein gilt: Ein Verfahren wird nicht dadurch stärker, dass man es mehrfach anwendet, wenn die Hintereinanderausführung wieder ein Verfahren derselben Art ergibt.

c) Der Werbespruch ist ein Warnzeichen, kein Qualitätsmerkmal. Nach dem Kerckhoffs-Prinzip darf die Sicherheit allein am Schlüssel hängen. Ein geheim gehaltenes Verfahren wurde von niemandem unabhängig geprüft, es gibt also keinerlei Beleg für seine Stärke; und wird es doch bekannt, was bei Programmen und Geräten regelmäßig geschieht, sind alle damit geschützten Nachrichten offen, und ein Wechsel dauert Jahre statt Minuten. Vertrauenswürdig sind umgekehrt die offen veröffentlichten Verfahren, die jahrelangen Angriffen von Fachleuten standgehalten haben.

d) Weil dabei kein Schlüssel beteiligt ist. Die ASCII-Tabelle ist allgemein bekannt und für jeden gleich; wer die Zahlen sieht, kann sie sofort zurückübersetzen. Es handelt sich um eine , deren Zweck die Übertragbarkeit ist, nicht die Geheimhaltung. Eine Verschlüsselung braucht eine geheime, wechselbare Angabe, ohne die die Umkehrung nicht möglich ist.

Detaillierte Schritterklärung anzeigen

Hier wird jeder Schritt einzeln erklärt, vor allem, warum er gemacht wird.

Erklärungstiefe

✦ Empfohlen: Standard – Die normale Erklärungstiefe passt zum Einstieg.

  1. 1

    a) Großer Schlüsselraum schützt nur gegen Durchprobieren

    26!≈4⋅102626! \approx 4 \cdot 10^{26} Schlüssel schützen gegen Durchprobieren, nicht gegen Analyse. Bei der monoalphabetischen Substitution wird jeder Klartextbuchstabe immer durch denselben Geheimtextbuchstaben ersetzt, die Häufigkeitsverteilung der Sprache überträgt sich unverändert.

  2. 2

    b) Zweimal Cäsar ist einmal Cäsar

    Der Vorschlag bringt nichts. Zweimaliges Verschieben um 3 und um 5 ist dasselbe wie einmaliges Verschieben um 8, denn die Verschiebungen addieren sich. Der Schlüsselraum bleibt bei 25 Möglichkeiten.

    3+5=8(mod26)3 + 5 = 8 \pmod{26}

  3. 3

    c) Ein geheimes Verfahren ist ein Warnzeichen

    Der Werbespruch ist ein Warnzeichen, kein Qualitätsmerkmal. Nach dem Kerckhoffs-Prinzip darf die Sicherheit allein am Schlüssel hängen. Ein geheimes Verfahren wurde von niemandem unabhängig geprüft, es gibt also keinen Beleg für seine Stärke; wird es doch bekannt, sind alle damit geschützten Nachrichten offen.

  4. 4

    d) Codierung gegen Verschlüsselung: Der Schlüssel fehlt

    Weil kein Schlüssel beteiligt ist. Die ASCII-Tabelle ist allgemein bekannt und für jeden gleich; wer die Zahlen sieht, kann sie sofort zurückübersetzen. Es handelt sich um eine Codierung, deren Zweck die Übertragbarkeit ist, nicht die Geheimhaltung.

Zusammenfassung

Verschlüsseln wandelt Klartext mithilfe eines Verfahrens und eines Schlüssels in Geheimtext; Entschlüsseln macht das rückgängig. Anders als eine , die übertragbar machen soll und allgemein bekannt ist, dient eine Verschlüsselung der Geheimhaltung und braucht dafür einen Schlüssel. Die Cäsar-Verschlüsselung verschiebt jeden Buchstaben um eine feste Zahl und scheitert an ihrem winzigen Schlüsselraum von 25 Möglichkeiten. Die monoalphabetische Substitution hat einen riesigen Schlüsselraum und scheitert trotzdem, weil die Häufigkeitsverteilung der Sprache unverändert durchscheint. Daraus folgen zwei getrennte Anforderungen: Der Schlüsselraum muss groß genug gegen Durchprobieren sein, und die Struktur des Klartextes darf nicht sichtbar bleiben. Vigenère erfüllt die zweite besser, indem es mit einem Schlüsselwort stellenabhängig verschiebt. Über allem steht das Kerckhoffs-Prinzip: Die Sicherheit beruht allein auf dem geheimen, wechselbaren Schlüssel, niemals auf einem geheim gehaltenen Verfahren.