Die Voltasche Säule
Worum geht es?
Vor dem Jahr 1800 kannte man Elektrizität nur als kurzen Schlag: Reibungsmaschinen und Leidener Flaschen entluden sich in einem Funken, dann war alles vorbei. Voltas Säule änderte das grundlegend. Ein Stapel aus Zink- und Kupferscheiben mit feuchten Zwischenlagen liefert eine dauerhafte , aus der ein stetiger Strom fließen kann. In diesem wird eine kleine Säule gebaut und dabei die Kernfrage untersucht: Was liefert eine einzelne Zelle, und was passiert, wenn man Zellen stapelt?
Warum macht man dieses Experiment?
Die Säule entschied erstens einen berühmten Wissenschaftsstreit: Galvani hatte zuckende Froschschenkel mit einer geheimnisvollen "tierischen Elektrizität" erklärt, Volta hielt die Metallpaare für die Ursache und den Frosch nur für den Anzeiger. Eine Spannungsquelle ganz ohne Tier war sein stärkstes Argument. Zweitens, und langfristig wichtiger: Erst mit dauerhaftem Strom wurden ganze Forschungsfelder möglich. Binnen Wochen zerlegten Nicholson und Carlisle Wasser elektrolytisch, wenige Jahre später isolierte Davy neue Elemente, und 1820 fand Ørsted mit dem Strom einer Batterie die Verbindung von Elektrizität und Magnetismus. Kaum ein Gerät hat so schnell so viel Wissenschaft ausgelöst.
Die physikalische Idee
Voltas Beobachtung: Zwei verschiedene Metalle, über eine leitende Flüssigkeit verbunden, erzeugen eine kleine ; welche Metalle man wählt, bestimmt ihre Größe. Eine einzelne Zink-Kupfer-Zelle liefert aber weniger als ein Volt, zu wenig für deutliche Wirkungen. Die zweite, entscheidende Idee ist deshalb das Stapeln: Zellen in Reihe addieren ihre Spannungen. Ob das stimmt, ist genau das, was sich messen lässt: Wächst die Spannung der Säule proportional zur Zahl der Zellen?
Benötigtes Vorwissen
Für dieses Experiment hilft dir dieses Vorwissen. Du kannst es jederzeit nachschlagen — das Experiment bleibt auch so verständlich.
Historische Einordnung
Die Säule entstand um die Jahreswende 1799/1800 in Pavia, wo Alessandro Volta Professor für Experimentalphysik war. Öffentlich wurde sie durch einen Brief: Am 20. März 1800 beschrieb Volta seine Erfindung an Sir Joseph Banks, den Präsidenten der Royal Society in London; der Brief wurde dort verlesen und noch im selben Jahr in den Philosophical Transactions gedruckt. Vorausgegangen war ein Jahrzehnt der Auseinandersetzung mit Luigi Galvani in Bologna über die Deutung der berühmten Froschschenkel-Versuche.
Alessandro Volta (1745–1827)
Professor in Pavia; entwickelte um 1799/1800 die Säule und beschrieb sie im Brief an die Royal Society. Die Einheit der elektrischen Spannung trägt seit 1881 seinen Namen.
Luigi Galvani (1737–1798)
Anatom in Bologna; seine Froschschenkel-Versuche (publiziert 1791) und die Deutung als tierische Elektrizität lösten die Kontroverse aus, aus der die Säule hervorging.
William Nicholson und Anthony Carlisle
Zerlegten im Mai 1800, nur Wochen nach Bekanntwerden der Säule, mit ihrem Nachbau erstmals Wasser elektrolytisch in Wasserstoff und Sauerstoff.
Was wusste man damals?
Was wusste man um 1799 über Elektrizität, und wo lag der Streit?
- Elektrizität als Entladung. Reibungsmaschinen luden Körper auf, Leidener Flaschen speicherten die , und alles entlud sich in Funken und Schlägen. Dauerhafte Ströme kannte niemand; alle bekannten Wirkungen waren Momentaufnahmen.
- Galvanis Froschschenkel (1791). Galvani hatte beobachtet, dass präparierte Froschschenkel zucken, wenn sie mit zwei verschiedenen Metallen berührt werden, und schloss auf eine im Muskel gespeicherte "tierische Elektrizität". Die Beobachtung war unbestritten, die Deutung nicht.
- Voltas Einwand. Volta wiederholte und variierte die Versuche und stellte fest: Entscheidend ist das Paar verschiedener Metalle; mit nur einem Metall bleibt der Effekt aus oder wird schwach. Seine Folgerung: Die Metalle erzeugen die Elektrizität, der Froschschenkel ist nur ein sehr empfindlicher Anzeiger.
- Was fehlte, war der Beweis, der ohne Tier auskommt, und ein Gerät, das die winzige Wirkung eines einzelnen Metallpaars zu etwas Messbarem verstärkt.
Die wissenschaftliche Fragestellung
Voltas Fragestellung hatte zwei Stufen:
- Reicht das Metallpaar allein? Lässt sich elektrische Wirkung erzeugen aus nichts als zwei verschiedenen Metallen und einer leitenden Feuchtschicht, ganz ohne tierisches Gewebe?
- Lässt sich die Wirkung vervielfachen? Ein einzelnes Paar wirkt schwach. Addieren sich die Beiträge, wenn man viele Paare übereinanderschichtet, und entsteht so eine kräftige, dauerhaft nutzbare Quelle?
Die Idee hinter dem Experiment
Die experimentelle Idee der Säule:
- Die Zelle als Baustein. Zink, feuchte Zwischenlage, Kupfer: Diese Dreierschicht ist die kleinste Einheit, die eine liefert. Die Zwischenlage muss leiten (Salzwasser oder Lauge), sonst ist der Kreis unterbrochen.
- Stapeln statt vergrößern. Größere Bleche machen die Zelle nicht "stärker" in der Spannung. Was die Spannung vervielfacht, ist die Reihenschaltung: Der Pluspol jeder Zelle speist den Minuspol der nächsten, die Beiträge addieren sich wie Stufen einer Treppe. Volta baute Säulen aus vielen Dutzend Zellen und beschrieb daneben eine zweite Bauform, die "Tassenkrone" aus Bechern mit Salzwasser und eintauchenden Metallbügeln, elektrisch dasselbe Prinzip.
Die historische Durchführung
Wie Volta vorging und prüfte, beschreibt sein Brief von 1800 ausführlich:
- Bau der Säule. Einige Dutzend Scheibenpaare aus Zink und Kupfer (oder Silber), dazwischen in Salzwasser getränkte Papp- oder Lederscheiben, sorgfältig immer in derselben Reihenfolge gestapelt.
- Nachweis der Wirkung. Elektrische Messgeräte im heutigen Sinn gab es nicht. Volta prüfte mit den Mitteln seiner Zeit: mit dem eigenen Körper (deutliche Schläge beim Berühren beider Enden, umso stärker, je mehr Zellen), mit der Zunge und den Augen (Geschmacks- und Lichtempfindungen bei Berührung), und mit seinem Elektroskop samt Kondensatorplatte, das die Art der Elektrizität als dieselbe auswies, die auch Reibungsmaschinen liefern.
- Der springende Punkt: Dauer. Anders als eine Leidener Flasche war die Säule nach der Entladung nicht leer; die Wirkung blieb über lange Zeit bestehen. Volta beschrieb sie deshalb als ein Gerät mit "unerschöpflicher ", eine aus damaliger Sicht völlig neue Eigenschaft.
- Vergleich der Metalle. Volta ordnete die Metalle danach, wie stark ihre Paarungen wirken, die früheste Form der Spannungsreihe.
Beobachtung und damalige Interpretation
Was wurde beobachtet? Ein Stapel aus Metallen und feuchter Pappe wirkt elektrisch wie viele Reibungsmaschinen zusammen, aber dauerhaft: Die Wirkung wächst mit der Zellenzahl und erschöpft sich nicht in einem Funken.
Voltas Deutung. Für Volta war damit doppelt entschieden: Erstens braucht es kein tierisches Gewebe, die "tierische Elektrizität" als Ursache des Zuckens war widerlegt. Zweitens sah er die Quelle der Elektrizität im Kontakt der verschiedenen Metalle selbst; die feuchten Scheiben hielt er für bloße Leiter. Diese Kontakttheorie war angreifbar, aber nicht abwegig: Kontaktspannungen zwischen Metallen gibt es wirklich, und Volta konnte sie mit seinem Elektroskop sogar nachweisen.
Der offene Rest. Schon Zeitgenossen fiel auf, dass die Säule sich verbraucht: Das Zink läuft an und löst sich langsam auf, und ohne feuchte, leitende Zwischenlage tut sich nichts. Der jahrzehntelange Streit zwischen Kontakttheorie und chemischer Theorie war mit der Erfindung also nicht beendet, sondern eröffnet; entschieden wurde er erst später zugunsten der Chemie.
Zeitleiste
1780er
Zuckende Froschschenkel
Galvani beobachtet in Bologna, dass präparierte Froschschenkel bei Berührung mit zwei verschiedenen Metallen zucken, und deutet dies als tierische Elektrizität.
1791
Galvanis Abhandlung
De viribus electricitatis in motu musculari macht die Versuche europaweit bekannt; Volta wiederholt sie zunächst zustimmend, dann mit wachsendem Zweifel.
1794–1797
Der Streit spitzt sich zu
Volta zeigt, dass das Metallpaar entscheidend ist, und ordnet Metalle nach der Stärke ihrer Wirkung; Galvanis Lager hält mit Versuchen ohne Metalle dagegen.
1799/1800
Die Säule entsteht
Volta stapelt Zink, feuchte Pappe und Kupfer zu einer Säule: die erste dauerhafte Spannungsquelle, ganz ohne tierisches Gewebe.
20. März 1800
Brief an die Royal Society
Volta beschreibt die Erfindung an Joseph Banks; der Brief wird in London verlesen und in den Philosophical Transactions gedruckt.
Mai 1800
Elektrolyse des Wassers
Nicholson und Carlisle zerlegen mit einem Nachbau der Säule Wasser in Wasserstoff und Sauerstoff, die erste große Folgeentdeckung.
1807
Davys Elemente
Humphry Davy isoliert mit einer großen Säulenbatterie der Royal Institution Kalium und Natrium: Die Batterie wird zum Entdeckungswerkzeug der Chemie.
1820
Ørsteds Kompassnadel
Mit dem Dauerstrom einer Batterie entdeckt Ørsted die magnetische Wirkung des Stroms; Elektrodynamik und später die Induktion bauen darauf auf.
1881
Die Einheit Volt
Der erste internationale Elektrizitätskongress in Paris benennt die Einheit der nach Volta.
Die schulische Betrachtung: Versuchsziel
Aktuelles Versuchsziel
Zellen stapeln: Spannung und Zellenzahl
Baue Voltasche Zellen aus Zink, Kupfer und salzwassergetränkter Pappe und untersuche, wie die der Säule von der Zahl der Zellen abhängt. Die Vermutung, die schon Voltas Bauweise zugrunde lag: Die Zellspannungen addieren sich, also . Auch ein "kein einfacher Zusammenhang" wäre ein Ergebnis; genau deshalb wird gemessen statt behauptet.
Gemessen
- — Spannung der Säule (in )
Mit dem hochohmigen Multimeter zwischen unterstem und oberstem Blech gemessen; ihre Abhängigkeit von n ist die Prüfgröße.
Bekannt
- — Zahl der Zellen
Die gezielt variierte Größe: Die Säule wird Zelle für Zelle aufgestockt (1 bis 4), alles andere bleibt gleich.
Berechnet
- — Spannung je Zelle (in )
Der Prüfquotient: Gilt , muss für alle Säulenhöhen denselben Wert haben, nämlich die Spannung einer einzelnen Zelle.
Der Weg von der Messung zum Ergebnis:
Für diese Zielsetzung brauchst du:
- Die Reihenschaltungsregel für Spannungen; ihre Gültigkeit für gestapelte Zellen ist genau das, was die Messreihe prüft.Zur Formelsammlung
Versuchsprotokoll
So ist ein physikalisches Versuchsprotokoll aufgebaut. Die Reihenfolge ist immer dieselbe — die Inhalte gehören zu deinem gewählten Versuchsziel.
1Aufgabenstellung
Baue nacheinander Säulen aus Zellen (Zink, getränkte Pappscheibe, Kupfer) und miss jeweils die mit dem Multimeter. Prüfe, ob die Spannung proportional zur Zellenzahl wächst, und bestimme die Spannung einer einzelnen Zelle.
2Vorbetrachtung
Was ist hier eigentlich eine Zelle? Die kleinste Einheit, die eine liefert: zwei verschiedene Metalle, verbunden über einen Elektrolyten (das Salzwasser in der Pappe). Am Zink gehen Metallionen in Lösung, das Blech lädt sich gegenüber dem Kupfer negativ auf; zwischen den Anschlüssen entsteht eine feste, kleine Spannung, deren Wert vom Metallpaar abhängt und nicht von der Blechgröße.
Warum sollten sich die Spannungen addieren? In der Säule hängen die Zellen in Reihe: Das Kupfer jeder Zelle ist zugleich der Anschluss der nächsten. Wer die Säule von unten nach oben durchläuft, klettert Zelle für Zelle im Potential nach oben, wie auf einer Treppe mit gleich hohen Stufen. Die Gesamthöhe ist dann Stufenhöhe mal Stufenzahl; genau das besagt die Reihenschaltungsregel.
3Geräte / Stoffe
Die Geräteliste des Grundaufbaus gilt vollständig, dazu das Schleifpapier. Die Pappscheiben erst unmittelbar vor dem Stapeln tränken und abtropfen lassen: Sie sollen feucht sein, aber keine Salzwasserbrücken außen an der Säule bilden.
Zinkbleche und Kupferbleche (je 4 Stück oder mehr)
Die beiden verschiedenen Metalle jeder Zelle. Verschieden müssen sie sein: Zwei gleiche Bleche liefern keine . Blank geschliffene Oberflächen verbessern den Kontakt.
Papp- oder Filzscheiben und Salzwasser
Die getränkte Scheibe ist der Elektrolyt der Zelle: Sie leitet den Strom über Ionen zwischen den Blechen und trennt die Metalle zugleich mechanisch. Trockene Pappe unterbricht die Zelle.
Multimeter (Gleichspannungsbereich)
Misst die der Säule praktisch stromlos. Das ist wichtig, weil einfache Zellen nur winzige Ströme liefern können; ein Messgerät mit geringem Widerstand würde die Spannung sofort einbrechen lassen.
Krokodilklemmen und Leitungen
Verbinden das unterste und das oberste Blech mit dem Messgerät, ohne den Stapel zu verrücken.
Feines Schleifpapier
Blanke Blechoberflächen vor dem Stapeln: Oxidschichten auf Zink und Kupfer wirken wie zusätzliche Widerstände und drücken die gemessene .
4Skizze des Versuchsaufbaus
Die Skizze zeigt die Säule im Schnitt: von unten nach oben Kupfer, getränkte Pappe, Zink, dann wieder Kupfer, Pappe, Zink, mit einer geschweiften Klammer um jede Zelle und den Messleitungen an unterstem und oberstem Blech. Daneben das Schaltbild: n Spannungsquellen in Reihe am Voltmeter.
Das Schaltungsprinzip der Säule: eine Reihenschaltung. Was hier für Lampen gezeichnet ist, gilt genauso für Spannungsquellen; wer Zellen stapelt, schaltet sie in Reihe, und ihre addieren sich. Genau darauf beruhte Voltas Idee, aus einer schwachen Zelle eine starke Säule zu machen.
Der schulische Aufbau ist Voltas Säule im Kleinen: Zinkbleche und Kupferbleche (je etwa ) werden abwechselnd gestapelt, zwischen jedem Metallpaar liegt eine in Salzwasser getränkte Papp- oder Filzscheibe. Eine Einheit aus Zink, getränkter Scheibe und Kupfer bildet eine Zelle; mehrere Zellen übereinander ergeben die Säule. Ganz unten und ganz oben führen Krokodilklemmen zu einem Multimeter.
Auf die Reihenfolge kommt es an: Innerhalb der Säule folgt immer Zink, Pappe, Kupfer, dann wieder Zink, Pappe, Kupfer. Liegt irgendwo Kupfer direkt auf Kupfer oder fehlt eine getränkte Scheibe, trägt diese Stelle nichts bei oder unterbricht die Säule ganz.
5Durchführung
Schritt 1: Bleche vorbereiten. Alle Zink- und Kupferbleche blank schleifen und trocken abwischen; Pappscheiben in Salzwasser tränken.
Schritt 2: Eine Zelle bauen und messen. Kupfer unten, getränkte Pappe, Zink oben; Multimeter (Gleichspannung, Bereich 2 V oder 20 V) mit Krokodilklemmen an beide Bleche. Wert ablesen, wenn die Anzeige steht.
Schritt 3: Zelle für Zelle aufstocken. Auf das Zink der fertigen Zelle wieder Kupfer, Pappe, Zink setzen und jeweils die Gesamtspannung zwischen unterstem Kupfer und oberstem Zink messen, bis erreicht ist.
Schritt 4: Gegenprobe. Eine Säule mit einer trockenen Pappscheibe in der Mitte messen, und eine, in der eine Zelle absichtlich verkehrt herum gestapelt ist (Zink auf Zink). Beide Störungen gehören zum Verständnis des Aufbaus.
6Beobachtung
Schon die einzelne Zelle zeigt eine deutliche , und mit jeder aufgesetzten Zelle springt die Anzeige um ungefähr denselben Betrag nach oben. Die Gegenproben: Mit trockener Pappscheibe fällt die Spannung fast auf null (der Kreis ist unterbrochen), mit einer verdrehten Zelle ist sie um etwa zwei Zellspannungen kleiner als erwartet, denn die verdrehte Zelle wirkt entgegengesetzt.
| Zellenzahl | in V | in V |
|---|---|---|
| 1 | 0,9 | 0,90 |
| 2 | 1,8 | 0,90 |
| 3 | 2,7 | 0,90 |
| 4 | 3,6 | 0,90 |
Beispieldaten zur Veranschaulichung — keine echten Messwerte.
7Auswertung
Schritt 1: Den Zusammenhang prüfen. Die Spalte ist konstant bei : Die wächst proportional zur Zellenzahl,
Im -über--Diagramm liegen die Punkte auf einer Ursprungsgeraden; ihre Steigung ist die Spannung einer einzelnen Zelle. Damit ist die Reihenschaltungsregel für diese Quelle bestätigt, und genau sie machte aus Voltas schwacher Einzelzelle ein brauchbares Gerät.
Schritt 2: Den Zellwert einordnen. ist ein typischer Wert für einfache Zink-Kupfer-Zellen mit Salzwasser; je nach Blechzustand und Elektrolyt streuen reale Aufbauten etwa zwischen und . Zum Vergleich: Die ideale Zink-Kupfer-Kombination (getrennte Reaktionsräume, wie im späteren Daniell-Element) liefert ; die einfache Pappzelle bleibt darunter, weil an den Blechen Störreaktionen mitlaufen.
Schritt 3: Rückblick auf die Gegenproben. Beide bestätigen das Modell der Spannungstreppe: Eine trockene Scheibe unterbricht die Treppe ganz, eine verdrehte Zelle baut eine Stufe nach unten ein ( statt ).
8Fazit
Die Messreihe bestätigt Voltas Bauprinzip quantitativ: Jede Zink-Kupfer-Zelle liefert hier , und Zellen in Reihe liefern ; die addieren sich. Die Gegenproben zeigen zugleich, woran eine Säule scheitert: an einer unterbrochenen (trockenen) oder verdrehten Zelle. Damit ist im Kleinen nachvollzogen, was 1800 die Elektrizitätslehre umwälzte: Aus schwachen Einzeleffekten wird durch Reihenschaltung eine dauerhafte, planbar dimensionierbare Spannungsquelle.
9Fehlerbetrachtung
Anders als bei Zeitmessungen streuen hier weniger die Ablesungen als die Zellen selbst: Oberflächenzustand, Tränkung und Belegung der Bleche gehen direkt in die Zellspannung ein.
Oxid- und Belagschichten auf den Blecheneher zufällig
- Ursache
Zink und Kupfer überziehen sich an Luft und im Betrieb mit Oxid- bzw. Salzschichten; die wirksame Metalloberfläche verändert sich von Zelle zu Zelle.
- Auswirkung
Die Zellspannungen sind nicht exakt gleich; streut um einige Hundertstel Volt, und die Gerade durch die Messpunkte verfehlt einzelne Punkte leicht.
- Verbesserung
Alle Bleche unmittelbar vor der Messreihe gleich behandeln (schleifen, abwischen) und die Reihe zügig durchmessen.
Ungleich getränkte oder austrocknende Pappscheibeneher systematisch
- Ursache
Der Elektrolytfilm bestimmt den Innenwiderstand der Zelle; trocknende Scheiben erhöhen ihn während der Messreihe.
- Auswirkung
Bei hochohmiger Messung bleibt der Effekt klein, aber sichtbar: Die Anzeige kriecht, und spät gemessene hohe Säulen wirken minimal zu schwach.
- Verbesserung
Scheiben gleich lang tränken, Reihenfolge der Messungen einmal umkehren (4, 3, 2, 1 Zellen) und vergleichen.
Salzwasserbrücken außen an der Säuleeher systematisch
- Ursache
Heraustropfendes Salzwasser bildet leitende Rinnsale an der Säulenaußenseite, die einzelne Zellen kurzschließen.
- Auswirkung
Die betroffenen Zellen tragen kaum noch bei; liegt deutlich unter , und der lineare Zusammenhang scheint verletzt, obwohl nur der Aufbau leckt.
- Verbesserung
Scheiben abtropfen lassen, Säule auf saugfähiger Unterlage bauen, Außenseite zwischen den Messungen trocken wischen.
Messgerät belastet die Zelleeher systematisch
- Ursache
Ein niederohmiges Analoginstrument oder der falsche Messbereich zieht merklichen Strom aus der hochohmigen Zelle.
- Auswirkung
Ein Teil der Zellspannung fällt am Innenwiderstand ab; alle Werte sind systematisch zu klein, der Effekt wächst mit der Säulenhöhe.
- Verbesserung
Digitalmultimeter im Spannungsbereich verwenden (Eingangswiderstand im Megaohm-Bereich); nie im Strombereich an die Säule gehen.
Warum ist dieses Experiment wichtig?
Die Bedeutung der Säule lässt sich kaum überschätzen:
- Die erste kontinuierliche Stromquelle. Vor 1800 gab es nur Entladungen, danach dauerhafte Ströme. Ein ganzer Zweig der Physik, die Lehre vom elektrischen Strom, wurde damit überhaupt erst experimentell zugänglich.
- Ein Wissenschaftsstreit wurde produktiv entschieden. Aus der Kontroverse mit Galvani entstand nicht bloß ein Sieger, sondern ein Gerät; der Streit selbst trieb die Erfindung an.
- Eine Lawine von Entdeckungen. Noch 1800 zerlegten Nicholson und Carlisle Wasser in Wasserstoff und Sauerstoff, 1807 isolierte Davy mit einer Riesensäule Kalium und Natrium, 1820 entdeckte Ørsted mit Batteriestrom den Elektromagnetismus, auf dem Ampère und Faraday aufbauten. Die Einheit der elektrischen trägt seit 1881 Voltas Namen.
Was kam danach?
Aus der Säule wurde die Batterietechnik. Das Daniell-Element (1836) trennte die Reaktionsräume und lieferte erstmals stabile ; Bleiakkumulatoren (1859) machten die Zelle wiederaufladbar; Trockenbatterien, Alkali-Mangan-Zellen und schließlich Lithium-Ionen-Akkus (kommerziell seit 1991, Nobelpreis für Chemie 2019) führen dieselbe Grundidee fort: zwei verschiedene Elektrodenmaterialien, dazwischen ein Elektrolyt. Parallel klärte die Elektrochemie die Energiefrage: Michael Faraday zeigte 1834 mit seinen Elektrolysegesetzen den strengen Zusammenhang zwischen Stoffumsatz und transportierter , das quantitative Ende der reinen Kontakttheorie.
Wie verstehen wir das Experiment heute?
Aus heutiger Sicht lassen sich beide historischen Positionen sauber einordnen:
- Die liefert die chemische Reaktion. In der Zink-Kupfer-Zelle wird Zink oxidiert und geht als Ionen in Lösung; die dabei frei werdende chemische Energie treibt die an. Dass sich das Zink verbraucht, ist kein Schönheitsfehler, sondern der Kern der Sache: Eine Batterie ist ein chemischer Energiespeicher. Galvanis Frosch wiederum zuckte, weil Nerven tatsächlich elektrisch arbeiten; die Elektrophysiologie, die aus seiner Beobachtung entstand, ist heute ein eigenes Forschungsfeld. Beide Kontrahenten hatten also einen richtigen Kern in Händen.
- Voltas Kontaktspannung existiert trotzdem. Zwischen verschiedenen Metallen in Berührung stellt sich wirklich eine Potentialdifferenz ein; sie erklärt nur nicht die dauerhafte Energieabgabe der Säule. In der heutigen Physik begegnet sie einem als Austrittsarbeits-Differenz wieder, etwa bei Thermoelementen und Halbleiterkontakten.
Quellen
Die historischen Aussagen dieser Seite stützen sich auf die folgenden Quellen. Die Darstellung ist eigenständig didaktisch aufbereitet und keine Übernahme der Texte.
- On the Electricity excited by the mere Contact of conducting Substances of different kinds (Brief an Sir Joseph Banks) — Alessandro Volta (1800), Philosophical Transactions of the Royal Society 90, 403–431
- De viribus electricitatis in motu musculari commentarius — Luigi Galvani (1791), De Bononiensi Scientiarum et Artium Instituto atque Academia Commentarii, Bologna
- Account of the new Electrical or Galvanic Apparatus of Sig. Alex. Volta, and Experiments performed with the same (Wasser-Elektrolyse) — William Nicholson (1800), Journal of Natural Philosophy, Chemistry and the Arts 4
- Tempio Voltiano, Como (Museum zu Leben und Werk Voltas), Comune di Como Zur Quelle
Das Wichtigste
- Historische Frage
Woher kommt die Elektrizität, die Froschschenkel zucken lässt: aus dem Tier (Galvani) oder aus den Metallpaaren (Volta)? Und lässt sich Elektrizität dauerhaft statt nur als Funke bereitstellen?
- Idee
Zwei verschiedene Metalle mit feuchter Zwischenlage bilden eine Zelle; viele Zellen gestapelt addieren ihre . Eine Spannungsquelle ganz ohne Tier, beliebig vergrößerbar.
- Zentrale Messung (Schulvariante)
wächst proportional zur Zellenzahl : Im Beispiel je Zelle, also . Das ist die Reihenschaltungsregel für Spannungsquellen.
- Historisches Ergebnis
Die Säule lieferte 1800 erstmals dauerhaften Strom. Innerhalb weniger Wochen folgte die Elektrolyse des Wassers, wenige Jahre später die Entdeckung neuer Elemente, 1820 der Elektromagnetismus.
- Heutige Sicht
Die der Säule stammt aus einer chemischen Reaktion: Das Zink löst sich beim Betrieb langsam auf. Voltas Kontaktspannung existiert, erklärt aber nicht die dauerhafte Energieabgabe; jede heutige Batterie ist eine Weiterentwicklung dieser elektrochemischen Zelle.
- Wichtigste Grenze
Einfache Zellen liefern , aber kaum Strom: Der Innenwiderstand ist groß, und unter Last bricht die Spannung ein. Deshalb wird hochohmig (praktisch stromlos) gemessen.