Verdampfen und Kondensieren
Worum geht es?
Der Übergang flüssig ↔ gasförmig ist der energiereichste Aggregatzustandswechsel: Die Verdampfungswärme von Wasser () übertrifft die Schmelzwärme fast um das Siebenfache. Verdunsten entzieht der Umgebung diese (Kühlung), Kondensieren setzt sie wieder frei (Heizung): Beide Richtungen werden hier direkt beobachtet und gedeutet.
Warum macht man dieses Experiment?
Verdunstungskühlung ist deine eingebaute Klimaanlage. Schwitzen funktioniert genau so, und dasselbe Prinzip erklärt Frösteln nach dem Schwimmen, den kühlen Spiritus auf der Haut und den Wetterbericht (Wolkenbildung heizt die Höhenluft!). Wer beide Richtungen als eine einzige Energiebuchung versteht, hat außerdem das Prinzip von Kühlschrank und Wärmepumpe schon in der Hand.
Die physikalische Idee
Variante 1 misst die Kühlrichtung: Ein Thermometerfühler bekommt einen benetzten Wattebausch, und die Anzeige sinkt. Je flüchtiger die Flüssigkeit und je mehr Luftzug, desto tiefer. Variante 2 zeigt die Rückrichtung: Über dampfendem Wasser kondensiert Wasser an einer kalten Fläche zu Tropfen, und die Fläche wird dabei messbar warm.
Benötigtes Vorwissen
Für dieses Experiment hilft dir dieses Vorwissen. Du kannst es jederzeit nachschlagen — das Experiment bleibt auch so verständlich.
- Schmelzen von Eis (Experiment: Umwandlungswärme)
- Teilchenmodell der Wärme
Wissenschaftliche Einordnung
James Watt vermaß die Verdampfungswärme um 1765 und baute auf sie die getrennte Kondensation seiner Dampfmaschine. Der riesige Energiebetrag je Kilogramm Dampf ist die Leistungsdichte der Dampfkraft. Dieselbe Buchung treibt heute jede Wärmepumpe und jeden Kühlschrank: verdampfen, wo gekühlt, kondensieren, wo geheizt werden soll.
Versuchsziel
Was möchtest du untersuchen?
Aktuelles Versuchsziel
Kondensation: die Rückzahlung beobachten
Beobachte, wie Wasserdampf an einer kalten Fläche kondensiert, und weise nach, dass dabei frei wird.
Gemessen
- — Temperatur der Kondensationsfläche (in )
Ihr Anstieg belegt die freiwerdende Kondensationswärme.
Für diese Zielsetzung brauchst du:
- Gilt in beide Richtungen: Beim Kondensieren wird derselbe Betrag frei, der beim Verdampfen investiert wurde.Zur Formelsammlung
Versuchsprotokoll
So ist ein physikalisches Versuchsprotokoll aufgebaut. Die Reihenfolge ist immer dieselbe — die Inhalte gehören zu deinem gewählten Versuchsziel.
1Aufgabenstellung
Halte ein kaltes Uhrglas mit angelegtem Temperaturfühler über dampfendes Wasser, beobachte die Tropfenbildung und verfolge die der Glasfläche.
2Vorbetrachtung
Die Vorhersage aus der Energiebuchung: Verdampfen hat gekostet (Variante 1). Wenn Dampfteilchen sich an der kalten Fläche wieder zur Flüssigkeit zusammenfinden, muss genau dieser Betrag wieder frei werden. Die Fläche dürfte also nicht nur nass, sondern auffällig schnell warm werden, schneller, als bloßer Kontakt mit warmer Luft sie heizen könnte.
Woher kommen die Tropfen wirklich? Eine beliebte Fehlvorstellung lautet: „Das Glas schwitzt“ oder „Wasser schlägt durch“. Die Gegenprobe steckt im Versuch. Die Tropfen erscheinen nur auf der dem Dampf zugewandten kalten Seite, und ein vorgewärmtes Glas beschlägt nicht. Es ist Dampf aus der Luft, der an der kalten Fläche vom Gas- in den Flüssigzustand wechselt.
3Geräte / Stoffe
Uhrglas im Kühlschrank vorkühlen; Temperaturfühler mit Klebeband auf der Oberseite (dampfabgewandt) befestigen, damit er die Glastemperatur misst, nicht den Dampf; Klammer als Halter.
2 Digitalthermometer
Messen die Verdunstungskühlung vergleichend an zwei Flüssigkeiten.
Watte, Spiritus, Wasser
Benetzte Fühler: kontrollierte Verdunstungsflächen.
Becherglas mit heißem Wasser
Dampfquelle für die Kondensationsrichtung.
Kalter Löffel oder Uhrglas
Kondensationsfläche: Hier wird Dampf wieder flüssig und gibt ab.
4Skizze des Versuchsaufbaus
Becherglas mit dampfendem Wasser, darüber schräg das kalte Uhrglas mit Fühler auf der Oberseite; Dampfpfeile nach oben, Tropfen an der Unterseite.
Die Aggregatzustandswechsel im Überblick: Verdampfen und Kondensieren sind dieselbe Brücke zwischen flüssig und gasförmig, nur in Gegenrichtung begangen, mit demselben Energiebetrag als Maut.
Aufbau Variante 1: Zwei Digitalthermometer mit kleinen Wattebäuschen am Fühler, Spiritus und Wasser zum Benetzen, Fächer (Pappe). Variante 2: Becherglas mit heißem Wasser (nahe Sieden) auf der Heizplatte, kalter Metalllöffel oder Uhrglas aus dem Kühlschrank, zweites Thermometer für die Löffeltemperatur.
5Durchführung
Glastemperatur notieren (kühlschrankkalt); Uhrglas etwa 10 cm über das dampfende Wasser halten; Beschlag und Tropfenbildung beobachten, alle 15 s ablesen; zur Gegenprobe dasselbe mit einem auf Handwärme vorgewärmten zweiten Uhrglas in gleicher Höhe.
6Beobachtung
| Zeitpunkt | kaltes Uhrglas (Start 6 °C) | handwarmes Uhrglas (Start 32 °C) |
|---|---|---|
| sofort | schlagartig milchiger Beschlag | bleibt klar |
| nach 30 s | Beschlag wächst zu Tropfen, 21 °C | bleibt klar, 33 °C |
| nach 60 s | Tropfen laufen zusammen und fallen, 34 °C | leichter Beschlag beginnt, 35 °C |
Beispieldaten zur Veranschaulichung — keine echten Messwerte.
Das kalte Glas erwärmt sich in einer Minute um fast 30 K, weit schneller, als es die dünne Warmluftschicht allein könnte, und genau solange es kräftig beschlägt. Das warme Glas bleibt zunächst trocken und wird kaum wärmer.
7Auswertung
Die Rückzahlung ist nachgewiesen: Nass wurde nur die kalte Fläche, denn Kondensation braucht eine Fläche unterhalb einer Grenztemperatur (des Taupunkts). Und die kalte Fläche heizte sich dabei rasant auf: Jedes kondensierende Gramm liefert seine Kondensationswärme direkt ans Glas ab. Sobald das Glas selbst zu warm ist, endet der Beschlag; der Vorgang schaltet sich selbst ab. Genau das zeigt die Gegenprobe mit dem handwarmen Glas.
Vom Uhrglas zum Wetter: Der beschlagene Badezimmerspiegel, Tau auf morgenkalten Autodächern, die Wolke am aufsteigenden, sich abkühlenden Luftpaket: Überall kondensiert Dampf an oder in kälterer Umgebung, und überall wird dabei die Verdampfungswärme frei. In der Gewitterwolke heizt diese Rückzahlung die Luft und treibt den Aufwind weiter an. Die beim Verdunsten über dem Meer „verschwundene“ Sonnenenergie wird kilometerhoch wieder ausgezahlt.
Warum Dampf gefährlicher ist als kochendes Wasser: Beide haben 100 °C, aber Dampf übergibt beim Kondensieren auf der Haut zuerst die komplette Kondensationswärme (2256 kJ/kg) und dann erst die Abkühlwärme des entstandenen Heißwassers. Je Gramm überträgt kondensierender Dampf ein Mehrfaches; deshalb die strenge Sicherheitsregel im Umgang mit Dampf.
8Fazit
Wasserdampf kondensiert nur an ausreichend kalten Flächen und gibt dabei die volle Verdampfungswärme zurück: Das kalte Uhrglas wurde nass und schnell warm, das warme blieb trocken. Verdampfen und Kondensieren sind eine Energiebuchung in zwei Richtungen, von der Schwitz-Kühlung bis zur Gewitterheizung.
9Fehlerbetrachtung
Bei diesem qualitativen Versuch entscheidet, was der Fühler wirklich misst:
Fühler auf der Dampfseite
- Ursache
Der Fühler misst den 100-°C-Dampf statt der Glasfläche.
- Auswirkung
Der Temperaturanstieg beweist nichts mehr über die Kondensationswärme.
- Verbesserung
Fühler auf die dampfabgewandte Oberseite kleben.
Uhrglas zu tief über dem Wassereher systematisch
- Ursache
Direkter Kontakt mit aufsteigendem Heißdampf und Spritzern.
- Auswirkung
Erwärmung auch ohne Kondensation; die Gegenprobe verliert ihre Beweiskraft.
- Verbesserung
Beide Gläser in gleicher, ausreichender Höhe (~10 cm) halten.
Raumluft zu trocken, Wasser nicht heiß genugeher systematisch
- Ursache
Zu wenig Dampfangebot.
- Auswirkung
Beschlag bleibt schwach, Effekt wirkt widerlegt.
- Verbesserung
Wasser nahe am Sieden halten, Versuch direkt über dem Becher ausführen.
Das Wichtigste
- Verdampfen kostet
Die schnellsten Teilchen verlassen die Flüssigkeit; zurück bleibt eine langsamere, also kältere Restmenge. Der Preis heißt Verdampfungswärme: bei Wasser gewaltige , fast siebenmal die Schmelzwärme.
- Kondensieren zahlt zurück
Wird Dampf wieder flüssig, gibt er genau denselben Betrag als an die Kontaktfläche ab. Deshalb verbrüht Dampf schlimmer als gleich heißes Wasser, und deshalb wärmt Wolkenbildung die Luft.
- Verdunsten geht immer
Auch weit unter dem Siedepunkt verlassen einzelne schnelle Teilchen die Oberfläche: Verdunsten. Flüchtige Stoffe (Spiritus) und Luftzug (Abtransport des Dampfes) beschleunigen es, und das kühlt stärker.
- Die eingebaute Klimaanlage
Schwitzen kühlt nur über Verdunstung. Ein Liter verdunsteter Schweiß entzieht dem Körper über 2000 kJ. Bei schwüler Luft (Verdunstung gebremst) versagt die Kühlung; darum ist Schwüle so belastend.