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Stromwaage

SchulversuchMagnetismus / ElektromagnetismusKlasse 11Fortgeschritten

Worum geht es?

Die Leiterschaukel zeigte die auf den Leiter qualitativ; die Stromwaage misst sie in Newton. Der Trick: Nicht der Leiter wird gewogen, sondern der Magnet steht auf einer feinen Waage, und nach dem drückt die Kraft auf den Leiter mit gleichem Betrag zurück auf den Magneten. Aus der Messreihe folgt das Kraftgesetz F=B⋅I⋅lF = B \cdot I \cdot l und daraus die BB des Magneten.

Warum macht man dieses Experiment?

Hier wird aus der Richtungsregel des Motorprinzips ein quantitatives Gesetz, und zugleich bekommt die abstrakte Größe „“ eine Messvorschrift: BB ist pro und Länge, Einheit 1 T=1 N/(A⋅m)1\ \mathrm{T} = 1\ \mathrm{N/(A \cdot m)}. Bis 2019 beruhte sogar die Definition des Ampere auf der Kraft zwischen Leitern: Die Stromwaage ist die Schulversion dieser Metrologie.

Die physikalische Idee

Ein starrer Leiterrahmen hängt fest am Stativ; sein unteres Querstück (Länge ll) liegt im horizontalen Feld eines Magneten, der auf einer 0,01-g-Waage steht. Fließt Strom, wirkt auf das Querstück eine vertikale , und die Waage zeigt die Gegenkraft als scheinbare Gewichtsänderung: Δm⋅g=F\Delta m \cdot g = F. Die Messreihe über II prüft die Proportionalität und liefert BB aus der Steigung.

Benötigtes Vorwissen

Für dieses Experiment hilft dir dieses Vorwissen. Du kannst es jederzeit nachschlagen — das Experiment bleibt auch so verständlich.

Wissenschaftliche Einordnung

Stromwaagen (Amperewaagen) waren bis 2019 die Präzisionsinstrumente, mit denen Staatsinstitute das Ampere über die Kraftdefinition realisierten; heute ist das Ampere über die Elementarladung definiert, und die Kibble-Waage misst mit demselben Kraftprinzip das Kilogramm.

Versuchsziel

Aktuelles Versuchsziel

Kraftgesetz prüfen und B bestimmen

Prüfe die Proportionalität F∼IF \sim I mit der Stromwaage und bestimme aus der Steigung der Messreihe die BB des Magnetjochs.

Gesucht

  • — Magnetische Flussdichte (in )

    Die Kenngröße des Magnetfelds; sie folgt aus der Steigung der F-I-Geraden.

Gemessen

  • — Gewichtsänderung (in )

    Die eigentliche Messgröße an der Waage.

  • — Stromstärke (in )

    Unabhängige Variable der Reihe (1 bis 5 A).

  • — Wirksame Leiterlänge (in )

    Länge des Querstücks im Feld (4,0 cm), geht linear in B ein.

Berechnet

  • — Kraft auf den Leiter (in )

    Aus der Waagenanzeige: F=Δm⋅gF = \Delta m \cdot g.

Der Weg von der Messung zum Ergebnis:

Für diese Zielsetzung brauchst du:

Versuchsprotokoll

So ist ein physikalisches Versuchsprotokoll aufgebaut. Die Reihenfolge ist immer dieselbe — die Inhalte gehören zu deinem gewählten Versuchsziel.

1Aufgabenstellung

Nimm die Waagenanzeige für I=1I = 1 bis 5 A5\ \mathrm{A} (in 1-A-Schritten) auf, prüfe die Proportionalität F∼IF \sim I und bestimme BB (Querstück l=4,0 cml = 4{,}0\ \mathrm{cm}). Prüfe zusätzlich das Vorzeichen: Was zeigt die Waage bei umgepoltem Strom?

2Vorbetrachtung

Warum wiegt die Waage die Leiter-Kraft? Der Leiter hängt am Stativ, nicht auf der Waage. Aber treten paarweise auf (): Drückt das Feld den Leiter nach oben, drückt der Leiter das Feld, also den Magneten, mit gleichem Betrag nach unten, und der Magnet steht auf der Waage. Die Waage misst somit exakt den Betrag der Leiter-Kraft, mit umgekehrtem Vorzeichen je nach Stromrichtung: mal „schwerer“, mal „leichter“.

Erwartung in Zahlen: Mit einem typischen Joch (B≈0,25 TB \approx 0{,}25\ \mathrm{T}) und l=0,04 ml = 0{,}04\ \mathrm{m} gibt F=BIlF = B I l bei 5 A5\ \mathrm{A} eine Kraft von 0,05 N0{,}05\ \mathrm{N}, an der Waage rund 5 g5\ \mathrm{g} Änderung: bequem messbar mit der 0,01-g-Auflösung.

3Geräte / Stoffe

Kompletter Aufbau. Wichtig: Der Rahmen darf Joch und Waage nirgends berühren; die Zuleitungen müssen kraftfrei geführt sein (weiche Litzen mit Bogen).

  • Digitalwaage (Auflösung 0,01 g)

    Misst die Gegenkraft als Gewichtsänderung: F=Δm⋅gF = \Delta m \cdot g.

  • Magnetjoch mit Flachmagneten

    Liefert das horizontale Feld bekannter Geometrie; steht auf der Waage.

  • Leiterrahmen mit Querstück l = 4 cm

    Der stromdurchflossene Leiter; nur das Querstück im Feld erzeugt die vertikale .

  • Stromquelle (bis 5 A) und Amperemeter

    Stellen die unabhängige Variable der Messreihe.

4Skizze des Versuchsaufbaus

Seitenansicht: Waage, darauf das Joch mit Feldrichtung, darin das hängende Querstück mit Stromrichtung; Kraftpfeile auf Leiter (oben) und Joch (unten) als drittes-Gesetz-Paar.

Kraft senkrecht auf Strom und FeldB in die Ebene hineinI nach rechtsF nach obenrechte HandDaumen: IZeigefinger: BMittelfinger: F(UVW)F = B · I · l, und die Richtung liefert die Hand

Die gemessene : Strom im Querleiter, horizontales Feld, vertikale Kraft. Die Waage misst nach dem die gleich große Gegenkraft auf den Magneten.

Aufbau: Digitalwaage (0,01 g) mit aufgesetztem Magnetjoch (zwei Flachmagnete, horizontales Feld); der Leiterrahmen hängt berührungsfrei am Stativ, sein unteres Querstück (l = 4 cm) mittig im Spalt. Regelbare Stromquelle bis 5 A mit Amperemeter.

5Durchführung

Schritt 1: Waage mit Joch tarieren (Anzeige null ohne Strom).

Schritt 2: Strom in 1-A-Schritten von 1 bis 5 A einstellen; jeweils Anzeige Δm\Delta m notieren (kurz einschalten, ablesen, ausschalten).

Schritt 3: Bei 5 A den Strom umpolen: Vorzeichen der Anzeige notieren.

Schritt 4: Wirksame Länge ll des Querstücks messen.

6Beobachtung

Messreihe (l=4,0 cml = 4{,}0\ \mathrm{cm}; Anzeige nach Tarierung)
II in A\mathrm{A}Δm\Delta m in g\mathrm{g}F=Δm⋅gF = \Delta m \cdot g in mN\mathrm{mN}
1,01,0210,0
2,02,0420,0
3,03,0630,0
4,04,0840,0
5,05,1050,0

Beispieldaten zur Veranschaulichung — keine echten Messwerte.

Bei umgepoltem Strom zeigt die Waage denselben Betrag mit negativem Vorzeichen (das Joch wird „leichter“).

7Auswertung

Schritt 1: Proportionalität. Die wächst streng linear mit dem Strom: F/I=10,0 mN/AF/I = 10{,}0\ \mathrm{mN/A} bei allen fünf Punkten. Damit ist F∼IF \sim I bestätigt; der Vorzeichenwechsel bei Umpolung bestätigt zusätzlich die Richtungsregel und das in einem.

Schritt 2: . Aus der Steigung:

B=FI⋅l=10,0⋅10−3 N/A0,040 m=0,25 TB = \frac{F}{I \cdot l} = \frac{10{,}0 \cdot 10^{-3}\ \mathrm{N/A}}{0{,}040\ \mathrm{m}} = 0{,}25\ \mathrm{T}

Das Joch hat eine Flussdichte von 0,250{,}25 Tesla, typische Größenordnung für Schul-Flachmagnete, fünftausendmal stärker als das Erdfeld.

Schritt 3: Einheitenprobe. NA⋅m=T\tfrac{\mathrm{N}}{\mathrm{A \cdot m}} = \mathrm{T}: Genau so ist das Tesla definiert. Die Stromwaage setzt die Definition wörtlich um: Sie misst B als Kraft pro Amperemeter.

8Fazit

Die auf den Leiter ist streng proportional zur ; aus der Steigung folgt die des Jochs zu B=0,25 TB = 0{,}25\ \mathrm{T}. Das Kraftgesetz F=BIlF = BIl ist damit quantitativ bestätigt und B als messbare Größe erschlossen.

9Fehlerbetrachtung

Die Präzisionsmessung verlangt mechanische Sauberkeit; die Fehlerliste ist entsprechend mechanisch geprägt:

Kraftnebenschluss über die Zuleitungeneher systematisch

Ursache

Straffe Zuleitungen übertragen einen Teil der am Rahmen vorbei.

Auswirkung

Die Waage sieht zu wenig Gegenkraft: B wird unterschätzt, eventuell nichtlinear mit dem Strom.

Verbesserung

Weiche Litzen in großen Bögen; Test: Anzeige muss beim leichten Bewegen der Zuleitungen stabil bleiben.

Inhomogenes Randfeldeher systematisch

Ursache

Am Rand des Jochs fällt B ab; die wirksame Länge ist unscharf.

Auswirkung

Das eingesetzte ll (geometrische Jochbreite) passt nicht exakt zur : B trägt einige Prozent Unsicherheit.

Verbesserung

Querstück mittig positionieren; l eher als effektive Feldbreite kalibrieren (Vergleich mit Hallsonde).

Thermische Drift der Waage und des Stromseher zufällig

Ursache

Dauerstrom erwärmt Leiter und Netzgerät.

Auswirkung

Anzeige kriecht während längerer Messungen.

Verbesserung

Kurz einschalten, sofort ablesen; Nullanzeige zwischen den Punkten kontrollieren.

Das Wichtigste

Das Gesetz

F=B⋅I⋅lF = B \cdot I \cdot l für den Leiter senkrecht zum Feld: proportional zu Strom, Feld und wirksamer Länge.

B als Messgröße

Die ist definiert als pro (Strom mal Länge): B=FI⋅lB = \tfrac{F}{I \cdot l}, Einheit Tesla, 1 T=1 NA⋅m1\ \mathrm{T} = 1\ \tfrac{\mathrm{N}}{\mathrm{A \cdot m}}.

Der Waagen-Trick

Gemessen wird die Gegenkraft auf den Magneten (): Eine gewöhnliche Feinwaage wird zum Kraftmesser für .

Größenordnung

Schulmagnetjoche liegen bei 0,10{,}1 bis 0,5 T0{,}5\ \mathrm{T}; die Erde bei 5⋅10−5 T5 \cdot 10^{-5}\ \mathrm{T}, MRT-Geräte bei 1,51{,}5 bis 3 T3\ \mathrm{T}.

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