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Magnetismus / Elektromagnetismus

Kraftwirkung im Magnetfeld: der Elektromotor

Warum ein stromdurchflossener Draht im Magnetfeld eine Kraft erfährt und wie daraus ein Motor wird.

Benötigte Grundlagen

Dieses Vorwissen brauchst du für das Kapitel. Schau kurz nach, wenn dir etwas davon nicht mehr präsent ist, sonst leg direkt los.

Einführung

Ein Draht hängt zwischen den Polen eines Hufeisenmagneten. Solange kein Strom fließt, passiert nichts. Schaltet man ein, springt der Draht seitlich weg, weder zum Nord- noch zum Südpol hin, sondern quer zu beidem.

Diese seltsame Richtung ist der Schlüssel zum Elektromotor. Denn wenn man eine Drahtschleife statt eines geraden Drahts nimmt, wirken auf ihre beiden Seiten in entgegengesetzte Richtungen, und daraus wird eine Drehung. Von der Küchenmaschine bis zur Lokomotive arbeitet fast jeder Motor der Welt nach diesem Prinzip.

Das kannst du nach diesem Kapitel

  • die auf einen stromdurchflossenen Leiter im beschreiben.

  • ihre Richtung mit der Drei-Finger-Regel der rechten Hand bestimmen.

  • erklären, wovon der Betrag dieser Kraft abhängt.

  • den Aufbau eines Elektromotors beschreiben.

  • die Aufgabe des Kommutators (Polwender) erklären.

  • weitere Anwendungen (Lautsprecher, Drehspulmessgerät) erklären.

Der Grundversuch

Ein beweglich aufgehängter Draht befindet sich im Feld eines Hufeisenmagneten, also zwischen Nord- und Südpol. Der Draht liegt senkrecht zu den Feldlinien.

Sobald Strom fließt, wird der Draht seitlich aus dem Feld herausgedrückt. Zwei Beobachtungen dazu:

  • Polt man den Strom um, kehrt sich die Kraftrichtung um.
  • Dreht man den Magneten um, kehrt sie sich ebenfalls um.
  • Macht man beides, bleibt die Richtung wie am Anfang.

Die steht also senkrecht auf dem Strom und senkrecht auf dem . Das ist ungewohnt: Man erwartet eine Kraft entlang einer der beiden Richtungen, und sie zeigt in die dritte.

Warum es diese Kraft überhaupt gibt

Ein stromdurchflossener Leiter ist selbst von einem umgeben (Oersted). Im Bereich des Drahtes überlagern sich also zwei Felder: das des Magneten und das des Drahtes.

Auf der einen Seite des Drahtes zeigen beide Felder in dieselbe Richtung und verstärken sich, auf der anderen Seite sind sie entgegengesetzt und schwächen sich. Es entsteht ein Feldbild, das auf der einen Seite dicht und auf der anderen dünn ist.

Der Draht wird aus dem in den dünnen Bereich gedrückt. Anschaulich sagt man: Feldlinien verhalten sich wie gespannte Gummifäden, die sich zusammenziehen und den Draht wegdrängen.

🔴 Das ist eine Anschauungshilfe, kein Beweis. Feldlinien sind Zeichenhilfen und üben keine aus. Die vollständige Begründung führt über die Lorentzkraft auf die einzelnen bewegten und kommt in Klasse 11. Für Klasse 9 gilt: Die Kraft ist experimentell belegt, und ihre Richtung liefert eine Regel.

Die Drei-Finger-Regel der rechten Hand

Für die technische Stromrichtung benutzt man die rechte Hand. Spreize Daumen, Zeigefinger und Mittelfinger so, dass sie paarweise senkrecht stehen:

FingerBedeutungMerkwort
Daumentechnische StromrichtungUrsache
ZeigefingerRichtung des (N nach S)Vermittlung
MittelfingerRichtung der Wirkung

Merkhilfe: UVW in der Reihenfolge Daumen, Zeigefinger, Mittelfinger.

Probe an einem Fall, den du dir merken kannst: Der Strom fließt nach rechts, das Feld zeigt in die Zeichenebene hinein. Halte die rechte Hand so hin, der Mittelfinger zeigt nach oben. Genau dorthin wird der Leiter gedrückt.

🔴 Es ist dieselbe Hand wie beim Spulenfeld, und das ist keine Zufälligkeit. Im vorigen Kapitel hat die rechte Hand aus der Stromrichtung das Feld bestimmt, hier bestimmt sie aus Strom und Feld die Kraft. Beide Male gehört sie zur technischen Stromrichtung. Nur wer mit der Elektronenrichtung arbeitet, muss auf die linke Hand wechseln, weil sich dann Stromrichtung und Händigkeit beide umkehren und das Ergebnis wieder stimmt.

Kraft senkrecht auf Strom und FeldB in die Ebene hineinI nach rechtsF nach obenrechte HandDaumen: IZeigefinger: BMittelfinger: F(UVW)F = B · I · l, und die Richtung liefert die Hand

Nimm diesen Fall als Merkfall und prüfe ihn mit der Hand nach: Strom nach rechts, Feld in die Zeichenebene hinein, nach oben. Stimmt das bei dir nicht, hältst du die falsche Hand hin, für die technische Stromrichtung ist es die rechte.

Wovon die Kraft abhängt

Der Versuch zeigt drei Abhängigkeiten:

  • II: doppelter Strom, doppelte .
  • Länge ll des Leiterstücks im Feld: doppelte Länge, doppelte Kraft.
  • Stärke des : stärkerer Magnet, größere Kraft.

Dazu kommt der Winkel: Die Kraft ist am größten, wenn der Leiter senkrecht zu den Feldlinien steht, und null, wenn er parallel dazu liegt. Ein Draht, der längs der Feldlinien verläuft, erfährt keine Kraft.

In Klasse 11 wird daraus die Gleichung F=B⋅I⋅lF = B \cdot I \cdot l, wobei BB die magnetische Flussdichte ist. Hier genügt der Zusammenhang.

Vom Draht zum Motor

Ersetzt man den geraden Draht durch eine rechteckige Leiterschleife, ändert sich alles Entscheidende: Durch die beiden Längsseiten fließt der Strom in entgegengesetzte Richtungen. Nach der Drei-Finger-Regel wirkt deshalb auf die eine Seite eine nach oben und auf die andere nach unten.

Zwei entgegengesetzte Kräfte an verschiedenen Angriffspunkten erzeugen ein Drehmoment: Die Schleife dreht sich.

Das Problem nach einer halben Umdrehung. Steht die Schleife senkrecht zum Feld, wirken die Kräfte zwar noch, aber sie ziehen die Schleife nur auseinander statt sie zu drehen. Und dreht sie sich über diesen Punkt hinaus, würden die Kräfte sie zurückdrehen: Die Schleife bliebe hängen und pendelte.

Die Lösung: der Kommutator. Ein geteilter Schleifring (auch Polwender oder Stromwender) kehrt die Stromrichtung in der Schleife bei jeder halben Umdrehung um. Dadurch kehren sich auch die Kräfte um, und das Drehmoment wirkt immer in dieselbe Drehrichtung. Aus dem Pendeln wird eine fortlaufende Drehung.

🔴 Der Kommutator ist damit das eigentliche Bauteil des Gleichstrommotors. Ohne ihn gäbe es nur eine Vierteldrehung.

Aufbau eines Gleichstrommotors

BauteilAufgabe
Stator (Dauermagnet oder Feldspule)erzeugt das ruhende
Rotor/Anker (drehbare mit Eisenkern)trägt den Strom, wird gedreht
Kommutator (geteilter Schleifring)kehrt die Stromrichtung je halbe Umdrehung um
Bürsten/Schleifkontakte (Kohle)führen den Strom auf den drehenden Anker

Verbesserungen echter Motoren: Statt einer Schleife nutzt man viele Spulen in verschiedenen Winkeln. Dadurch gibt es keine Totpunkte, der Lauf wird gleichmäßig, und das Drehmoment schwankt weniger. Der Eisenkern im Anker verstärkt zusätzlich das Feld.

Warum sich der Motor überhaupt drehtNSFFheraushineinKommutatorEin Drehmoment aus zwei entgegengesetzten Kräften

Die Schleife ist von der Seite gezeichnet, ihre beiden Längsseiten als Querschnitte. Weil im einen Leiter der Strom herausfließt und im anderen hinein, zeigen die entgegengesetzt: ein Kräftepaar, das dreht. Der Kommutator sorgt dafür, dass es nach einer halben Umdrehung weitergeht.

Weitere Anwendungen desselben Prinzips

Lautsprecher. Eine Schwingspule sitzt im Feld eines Dauermagneten und ist mit der Membran verbunden. Der wechselnde Tonstrom erzeugt eine wechselnde , die Membran schwingt und erzeugt Schall. Je größer der Strom, desto größer der Ausschlag, also lauter.

Drehspulmessgerät. Eine zwischen Magnetpolen wird vom Messstrom durchflossen und dreht sich gegen eine Rückstellfeder. Der Zeigerausschlag ist zur proportional. So arbeiteten alle analogen Amperemeter.

Elektromagnetisches Ventil, Festplattenkopf, Straßenbahnmotor. Überall dieselbe Kraft.

Kraftrichtung bestimmen

Ein waagerechter Draht verläuft von links nach rechts. Das zeigt von vorn nach hinten (in die Tafel hinein). Der technische Strom fließt von links nach rechts. In welche Richtung wirkt die ? Was ändert sich beim Umpolen des Stroms, beim Umdrehen des Magneten und bei beidem?

  1. 1

    Rechte Hand vorbereiten. Daumen, Zeigefinger und Mittelfinger paarweise senkrecht spreizen.

    • Daumen in technische Stromrichtung: nach rechts.
    • Zeigefinger in Feldrichtung: nach hinten (in die Tafel hinein).
  2. 2

    Mittelfinger ablesen. Mit Daumen nach rechts und Zeigefinger nach hinten zeigt der Mittelfinger nach oben.

    Die Kraft wirkt also senkrecht nach oben, der Draht wird angehoben.

  3. 3

    Kontrolle über die Senkrechtbedingung. Die Kraft muss senkrecht auf beiden anderen Richtungen stehen. Nach oben steht senkrecht auf „rechts" (Strom) und senkrecht auf „hinten" (Feld). Passt.

    Wäre eine Richtung herausgekommen, die zu Strom oder Feld parallel liegt, wäre die Handhaltung falsch gewesen.

  4. 4

    Strom umpolen (jetzt nach links): Der Daumen dreht sich um 180°180°, der Mittelfinger folgt. Die Kraft wirkt nach unten.

  5. 5

    Magnet umdrehen (Feld nach vorn): Der Zeigefinger dreht sich um 180°180°, die Kraft wirkt ebenfalls nach unten.

  6. 6

    Beides zugleich: Zwei Umkehrungen heben sich auf, die Kraft wirkt wieder nach oben.

    Genau diesen Zusammenhang nutzt der Kommutator im Motor: Er polt den Strom genau dann um, wenn sich die Schleife um 180°180° gedreht hat, sodass das Drehmoment seine Richtung behält.

Die Kraft wirkt nach oben. Umpolen von Strom oder Magnet kehrt sie um, beides zusammen lässt sie unverändert.

Warum ein Motor ohne Kommutator stehen bleibt

Eine rechteckige Leiterschleife dreht sich im . Beschreibe, was ohne Kommutator nach einer halben Umdrehung passiert, und erkläre, wie er das Problem löst.

  1. 1

    Ausgangslage. Die Schleifenebene liegt parallel zu den Feldlinien. Durch die linke und die rechte Längsseite fließt der Strom in entgegengesetzte Richtungen.

    Nach der Drei-Finger-Regel wirkt auf die eine Seite eine nach oben, auf die andere nach unten. Zwei entgegengesetzte Kräfte an verschiedenen Angriffspunkten ergeben ein Drehmoment, die Schleife beginnt sich zu drehen.

  2. 2

    Nach einer Vierteldrehung. Jetzt steht die Schleifenebene senkrecht zum Feld. Die Kräfte wirken weiterhin, aber sie ziehen die Schleife nur noch auseinander; ihr Drehmoment ist null.

    Dieser Punkt heißt Totpunkt. Wegen ihrer Trägheit dreht sich die Schleife darüber hinaus.

  3. 3

    Das Problem danach. Jenseits des Totpunkts hat sich die Lage der beiden Seiten vertauscht: Die Seite, auf die eine Kraft nach oben wirkte, ist jetzt unten. Die Kräfte wirken deshalb zurückdrehend.

    Ohne Eingriff bremst die Schleife ab, kehrt um und pendelt um die Totpunktlage, statt weiterzulaufen. Der Motor läuft nicht.

  4. 4

    Die Lösung: Stromrichtung umkehren. Genau im Totpunkt wird der Strom in der Schleife umgepolt. Nach dem vorigen Beispiel kehrt das die Kräfte um, und das Drehmoment wirkt wieder in die ursprüngliche Drehrichtung.

    Die Schleife läuft weiter, erreicht nach einer halben Umdrehung den nächsten Totpunkt, wird erneut umgepolt und so fort.

  5. 5

    Wie der Kommutator das mechanisch macht. Er ist ein geteilter Schleifring: zwei voneinander isolierte Halbringe, die mit den Schleifenenden verbunden sind und auf denen die Kohlebürsten schleifen.

    Bei jeder halben Umdrehung wechseln die Bürsten von einem Halbring auf den anderen. Damit ist die Stromrichtung in der Schleife umgekehrt, obwohl die äußere Quelle unverändert Gleichstrom liefert. Die Umpolung geschieht also selbsttätig und im richtigen Takt, ohne jede Steuerung.

  6. 6

    Warum echte Motoren mehrere haben. Mit nur einer Schleife ist das Drehmoment im Totpunkt null; der Motor könnte dort stehen bleiben und liefe unrund.

    Mit mehreren Spulen unter verschiedenen Winkeln liegt immer mindestens eine in günstiger Lage. Es gibt keinen Totpunkt mehr, der Anlauf ist aus jeder Stellung möglich und der Lauf gleichmäßig.

Ohne Kommutator wirkt das Drehmoment nach dem Totpunkt zurückdrehend, die Schleife pendelt. Der geteilte Schleifring kehrt den Strom je halbe Umdrehung um und erhält damit die Drehrichtung.

Typischer Fehler

„Der Draht wird zum Nordpol des Magneten hingezogen."

Die zeigt weder zum Nordpol noch zum Südpol, sondern senkrecht zu beidem. Das ist der ungewöhnlichste Zug dieser Erscheinung und der Grund, warum man dafür eine eigene Regel braucht.

Woher die Fehlvorstellung kommt: Aus dem Umgang mit Dauermagneten kennt man nur Anziehung und Abstoßung entlang der Verbindungslinie. Ein stromdurchflossener Draht ist aber kein Magnet mit Nord- und Südpol, sondern von einem ringförmigen Feld umgeben. Die Überlagerung mit dem äußeren Feld ist deshalb nicht symmetrisch nach vorn und hinten, sondern nach oben und unten.

Der Versuch entscheidet in fünf Sekunden: Der Draht springt seitlich aus dem Hufeisenmagneten heraus, nicht auf einen der Pole zu.

Praktische Folge: Genau diese Querkraft macht den Motor möglich. Zöge der Draht auf einen Pol zu, bliebe er dort kleben, und man hätte einen Elektromagneten statt eines Antriebs. Erst die senkrechte Richtung erlaubt es, aus zwei entgegengesetzten Kräften ein Drehmoment zu erzeugen.

Und noch ein Sonderfall gehört dazu: Liegt der Draht parallel zu den Feldlinien, wirkt gar keine Kraft. Auch das widerspricht der Anziehungsvorstellung, passt aber genau zur Drei-Finger-Regel: Daumen und Zeigefinger lassen sich dann nicht senkrecht zueinander halten.

Übung 1

leicht

a) In welche Richtung wirkt die auf einen stromdurchflossenen Leiter im ?

b) Welche Hand und welche Finger benutzt man zur Bestimmung?

c) Was passiert, wenn der Leiter parallel zu den Feldlinien liegt?

Tipp anzeigen

c) Versuche, Daumen und Zeigefinger parallel zu halten.

Lösung anzeigen

a) Senkrecht auf der Stromrichtung und senkrecht auf den Feldlinien, also quer zu beidem. Nicht zu einem der Magnetpole hin.

b) Die rechte Hand (bei technischer Stromrichtung):

  • Daumen = Stromrichtung
  • Zeigefinger = Magnetfeld (von Nord nach Süd)
  • Mittelfinger = Kraft

Merkwort UVW: Ursache, Vermittlung, Wirkung.

c) Dann wirkt keine Kraft. Die Kraft ist am größten bei senkrechter Lage und nimmt bis auf null ab, wenn der Leiter längs der Feldlinien verläuft. Bei der Drei-Finger-Regel sieht man das daran, dass Daumen und Zeigefinger dann nicht mehr senkrecht zueinander stehen können.

Detaillierte Schritterklärung anzeigen

Hier wird jeder Schritt einzeln erklärt, vor allem, warum er gemacht wird.

Erklärungstiefe

✦ Empfohlen: Standard – Die normale Erklärungstiefe passt zum Einstieg.

  1. 1

    a) Wohin die Kraft zeigt

    Senkrecht auf der Stromrichtung und senkrecht auf den Feldlinien, also quer zu beidem und ausdrücklich nicht zu einem der Magnetpole hin.

  2. 2

    b) Die Drei-Finger-Regel

    Bei technischer Stromrichtung nimmt man die rechte Hand: Daumen = Stromrichtung, Zeigefinger = Magnetfeld (von Nord nach Süd), Mittelfinger = Kraft. Merkwort UVW: Ursache, Vermittlung, Wirkung.

  3. 3

    c) Der Leiter parallel zu den Feldlinien

    Dann wirkt keine Kraft. Sie ist bei senkrechter Lage am größten und nimmt bis auf null ab, wenn der Leiter längs der Feldlinien verläuft.

  4. 4

    Ergebnisse deuten: eine Kraft quer zu allem

    Die Kraft steht senkrecht auf Strom und Feld, ist bei senkrechter Anordnung maximal und bei paralleler null. Aus dieser einen Eigenschaft folgen Elektromotor, Lautsprecher und Drehspulmessgerät.

Übung 2

mittel

Ein Leiterstück von 8 cm8\,\text{cm} Länge liegt senkrecht im Feld eines Magneten und wird von 2 A2\,\text{A} durchflossen. Gemessen wird eine von 0,16 N0{,}16\,\text{N}.

a) Wie groß wäre die Kraft bei 4 A4\,\text{A}?

b) Wie groß bei 2 A2\,\text{A}, wenn nur 4 cm4\,\text{cm} im Feld liegen?

c) Wie groß bei 6 A6\,\text{A} und 12 cm12\,\text{cm} im Feld?

d) Warum lässt sich die Kraft nicht angeben, wenn der Draht schräg im Feld liegt?

Tipp anzeigen

Die Kraft ist zu und Leiterlänge jeweils proportional.

Lösung anzeigen

a) Doppelter Strom bedeutet doppelte Kraft:

F=2⋅0,16 N=0,32 NF = 2 \cdot 0{,}16\,\text{N} = 0{,}32\,\text{N}

b) Halbe Länge bedeutet halbe Kraft:

F=0,16 N2=0,08 NF = \frac{0{,}16\,\text{N}}{2} = 0{,}08\,\text{N}

c) Dreifacher Strom und anderthalbfache Länge:

F=0,16 N⋅3⋅1,5=0,72 NF = 0{,}16\,\text{N} \cdot 3 \cdot 1{,}5 = 0{,}72\,\text{N}

d) Weil der Winkel zwischen Leiter und Feldlinien mit eingeht. Die Kraft ist bei senkrechter Lage am größten und bei paralleler null; dazwischen liegt sie irgendwo, und ohne den genauen Winkel lässt sich nicht sagen, wo.

Quantitativ beschreibt das erst die Oberstufe: Es zählt nur der zum Feld senkrechte Anteil der Leiterlänge, formal über den Sinus des Winkels. In Klasse 9 setzt man deshalb immer die senkrechte Anordnung voraus, und die Aufgaben sagen das ausdrücklich.

Detaillierte Schritterklärung anzeigen

Hier wird jeder Schritt einzeln erklärt, vor allem, warum er gemacht wird.

Erklärungstiefe

✦ Empfohlen: Standard – Die normale Erklärungstiefe passt zum Einstieg.

  1. 1

    Gegeben und Gesucht am Leiterstück

    Gegeben: l=8 cml = 8\,\text{cm} senkrecht im Feld, I=2 AI = 2\,\text{A}, gemessene Kraft F=0,16 NF = 0{,}16\,\text{N}. Gesucht: die Kraft a) bei 4 A4\,\text{A}, b) bei 4 cm4\,\text{cm}, c) bei 6 A6\,\text{A} und 12 cm12\,\text{cm}, sowie d) eine Begründung zur Schräglage.

  2. 2

    Die Kraft ist zu Strom und Länge proportional

    Bei senkrechter Lage gilt: doppelter Strom bedeutet doppelte Kraft, doppelte im Feld liegende Länge ebenfalls. Beide Größen gehen linear ein und wirken unabhängig voneinander.

  3. 3

    a) bis c) Die drei veränderten Kräfte

    a) Doppelter Strom: doppelte Kraft. b) Halbe Länge: halbe Kraft. c) Dreifacher Strom und anderthalbfache Länge: beide Faktoren multiplizieren.

    a) 2⋅0,16 N=0,32 N2 \cdot 0{,}16\,\text{N} = 0{,}32\,\text{N} · b) 0,16 N2=0,08 N\frac{0{,}16\,\text{N}}{2} = 0{,}08\,\text{N} · c) 0,16 N⋅3⋅1,5=0,72 N0{,}16\,\text{N} \cdot 3 \cdot 1{,}5 = 0{,}72\,\text{N}

    Zwischenergebnis

    0,32 N0{,}32\,\text{N} · 0,08 N0{,}08\,\text{N} · 0,72 N0{,}72\,\text{N}

  4. 4

    d) Ergebnis deuten: warum die Schräglage offenbleibt

    Weil der Winkel zwischen Leiter und Feldlinien mit eingeht. Die Kraft ist bei senkrechter Lage am größten und bei paralleler null; dazwischen liegt sie irgendwo, und ohne den genauen Winkel lässt sich nicht sagen, wo.

Übung 3

schwer

a) Erkläre, warum auf eine stromdurchflossene Leiterschleife im ein Drehmoment wirkt.

b) Was wäre ohne Kommutator, und wie löst er das Problem?

c) Ein Motor läuft in die falsche Richtung. Nenne zwei Möglichkeiten, das zu ändern, und eine, die nicht funktioniert.

d) Erkläre die Wirkungsweise eines Lautsprechers mit demselben Prinzip.

Tipp anzeigen

c) Denk an die Regel „zwei Umkehrungen heben sich auf".

Lösung anzeigen

a) Durch die beiden Längsseiten der Schleife fließt der Strom in entgegengesetzte Richtungen. Das Magnetfeld ist für beide dasselbe. Nach der Drei-Finger-Regel wirkt deshalb auf die eine Seite eine nach oben, auf die andere nach unten.

Zwei gleich große, entgegengesetzt gerichtete Kräfte, die an verschiedenen Punkten angreifen, heben sich nicht auf, sondern erzeugen ein Drehmoment. Die Schleife dreht sich.

b) Nach einer Vierteldrehung steht die Schleife senkrecht zum Feld, das Drehmoment ist null (Totpunkt). Durch ihre Trägheit dreht sie sich darüber hinaus, doch dann haben die Seiten die Plätze getauscht und die Kräfte wirken zurückdrehend. Ohne Eingriff pendelt die Schleife nur.

Der Kommutator ist ein geteilter Schleifring, der bei jeder halben Umdrehung die Stromrichtung in der Schleife umkehrt. Damit kehren sich auch die Kräfte um, und das Drehmoment behält seine Drehrichtung. Die Umpolung geschieht selbsttätig im richtigen Takt, obwohl die Quelle unverändert Gleichstrom liefert.

c) Funktioniert:

  1. Stromrichtung umkehren, also die Anschlüsse der Spannungsquelle vertauschen.
  2. Magnetfeld umkehren, also den Dauermagneten umdrehen (bei Feldspulen: deren Anschlüsse vertauschen).

Funktioniert nicht: beides gleichzeitig. Zwei Umkehrungen heben sich auf, der Motor läuft weiter wie zuvor. Das ist ein beliebter Fehler bei Motoren mit Feldspule: Vertauscht man dort die Hauptanschlüsse, kehren sich Ankerstrom und Feldstrom zugleich um, und die Drehrichtung bleibt. Man muss die Anschlüsse einer der beiden Wicklungen tauschen.

d) Eine Schwingspule ist fest mit der Lautsprechermembran verbunden und sitzt im Feld eines ringförmigen Dauermagneten. Der Tonstrom aus dem Verstärker fließt durch diese .

Nach demselben Prinzip wirkt auf den stromdurchflossenen Draht im Magnetfeld eine Kraft. Weil der Tonstrom ein Wechselstrom ist, wechselt auch die Kraftrichtung ständig: Die Spule und mit ihr die Membran werden abwechselnd vor- und zurückgeschoben.

Die schwingende Membran verdichtet und verdünnt die Luft davor, und genau das ist Schall.

  • Die Frequenz des Stroms bestimmt die Tonhöhe.
  • Die bestimmt den Ausschlag und damit die Lautstärke.

Ein Lautsprecher ist damit ein Motor, der nicht dreht, sondern schwingt.

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Hier wird jeder Schritt einzeln erklärt, vor allem, warum er gemacht wird.

Erklärungstiefe

✦ Empfohlen: Standard – Die normale Erklärungstiefe passt zum Einstieg.

  1. 1

    a) Warum ein Drehmoment entsteht

    Durch die beiden Längsseiten der Schleife fließt der Strom in entgegengesetzte Richtungen, das Feld ist für beide dasselbe. Nach der Drei-Finger-Regel wirkt deshalb auf die eine Seite eine Kraft nach oben, auf die andere nach unten.

  2. 2

    b) Der Totpunkt und wozu der Kommutator dient

    Nach einer Vierteldrehung steht die Schleife senkrecht zum Feld, das Drehmoment ist null (Totpunkt). Durch ihre Trägheit dreht sie sich darüber hinaus. Dann haben die Seiten die Plätze getauscht und die Kräfte wirken zurückdrehend. Der Kommutator, ein geteilter Schleifring, kehrt bei jeder halben Umdrehung die Stromrichtung um.

  3. 3

    c) Drehrichtung ändern, und was nicht funktioniert

    Funktioniert: die Stromrichtung umkehren (Anschlüsse der Quelle vertauschen) oder das Magnetfeld umkehren (Dauermagnet umdrehen). Funktioniert nicht: beides gleichzeitig, zwei Umkehrungen heben sich auf.

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    d) Ergebnis deuten: der Lautsprecher als Motor, der nicht dreht

    Eine Schwingspule ist fest mit der Membran verbunden und sitzt im Feld eines ringförmigen Dauermagneten. Der Tonstrom fließt durch sie, und auf den stromdurchflossenen Draht im Magnetfeld wirkt dieselbe Kraft wie im Motor. Weil der Tonstrom ein Wechselstrom ist, wechselt auch die Kraftrichtung ständig.

Zusammenfassung

Ein stromdurchflossener Leiter im erfährt eine , die weder zum Nord- noch zum Südpol zeigt, sondern senkrecht auf Strom und Feld steht. Ihre Richtung liefert die Drei-Finger-Regel der rechten Hand, ihr Betrag wächst mit , Leiterlänge im Feld und Feldstärke und wird null, sobald der Leiter parallel zu den Feldlinien liegt. Bei einer Leiterschleife fließt der Strom in beiden Längsseiten entgegengesetzt, weshalb dort entgegengesetzte Kräfte angreifen und ein Drehmoment entsteht. Nach einer Vierteldrehung erreicht die Schleife allerdings einen Totpunkt und würde danach zurückgedreht; deshalb ist der Kommutator das entscheidende Bauteil des Gleichstrommotors: Er kehrt die Stromrichtung je halbe Umdrehung um und erhält damit die Drehrichtung. Dasselbe Prinzip treibt Lautsprecher, Drehspulmessgerät und Festplattenkopf an.