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Spannung messen

SchulversuchElektrizitätslehreKlasse 8–11Grundlagen

Worum geht es?

Die UU gibt an, wie viel die Quelle jeder Ladungsportion mitgibt bzw. wie viel ein Bauteil ihr entnimmt. Anders als die wird sie zwischen zwei Punkten gemessen: Das Voltmeter greift außen ab, parallel zum Bauteil. An diesem Aufbau lernst du das Messen, untersuchst die Aufteilung der Spannung in einer Reihenschaltung und siehst auf dem Oszilloskop, was eine Wechselspannung von einer Gleichspannung unterscheidet.

Warum macht man dieses Experiment?

und sind das Messgrößen-Paar der gesamten Elektrizitätslehre: Ohne saubere Spannungsmessung gibt es kein , keine Kennlinie und keine Leistungsbestimmung. Zugleich ist die Spannung die Größe, mit der unser Alltag beschriftet ist: Batterien (1,5 V1{,}5\ \mathrm{V}), USB (5 V5\ \mathrm{V}), Steckdose (230 V230\ \mathrm{V}). Was diese Zahlen bedeuten, und dass die 230 V230\ \mathrm{V} ein Effektivwert einer schwingenden Spannung sind, klärt dieses .

Die physikalische Idee

Das Voltmeter vergleicht zwei Punkte des Kreises miteinander: Es misst, wie stark die Quelle die zwischen diesen Punkten „antreibt“. Deshalb wird es parallel angeschlossen und ist absichtlich sehr hochohmig gebaut: Es soll fast keinen Strom abzweigen, sonst würde die Messung den Kreis verändern. Für den zeitlichen Verlauf einer Wechselspannung übernimmt das Oszilloskop die Rolle des Voltmeters mit Zeitauflösung.

Benötigtes Vorwissen

Für dieses Experiment hilft dir dieses Vorwissen. Du kannst es jederzeit nachschlagen — das Experiment bleibt auch so verständlich.

Wissenschaftliche Einordnung

Die Einheit Volt erinnert an Alessandro Volta, dessen Säule (1800) die erste dauerhafte Spannungsquelle war. Dass unser Netz eine sinusförmige Wechselspannung führt, geht auf die der Kraftwerke zurück: Eine rotierende liefert von sich aus einen sinusförmigen Spannungsverlauf.

Versuchsziel

Aktuelles Versuchsziel

Wechselspannung untersuchen

Untersuche den zeitlichen Verlauf einer Wechselspannung: Polungswechsel, TT, ff, Scheitelwert U^\hat{U} und Effektivwert UeffU_\mathrm{eff}, und wende das Ergebnis auf die Netzspannung an.

Gemessen

  • — Momentanwert der Spannung (in )

    Der Verlauf wird mit dem Oszilloskop aufgezeichnet; das Voltmeter allein kann die schnellen Wechsel nicht zeigen.

  • — Periodendauer (in )

    Aus dem Schirmbild abgelesen.

  • — Scheitelwert (in )

    Höchster Punkt der Kurve auf dem Schirm.

  • — Effektivwert (in )

    Anzeige des Voltmeters im Wechselspannungsbereich; wird mit dem Scheitelwert verglichen.

Berechnet

  • — Frequenz (in )

    f=1/Tf = 1/T.

Der Weg von der Messung zum Ergebnis:

Für diese Zielsetzung brauchst du:

  • Beschreibt den sinusförmigen Spannungsverlauf vollständig durch Scheitelwert und Frequenz.Zur Formelsammlung
  • Verbindet Schirmbild (Scheitelwert) und Voltmeteranzeige (Effektivwert) bei Sinusform.Zur Formelsammlung

Versuchsprotokoll

So ist ein physikalisches Versuchsprotokoll aufgebaut. Die Reihenfolge ist immer dieselbe — die Inhalte gehören zu deinem gewählten Versuchsziel.

1Aufgabenstellung

Zeichne den Verlauf der Wechselspannung am Kleinspannungsausgang des Netzgeräts auf. Bestimme , und Scheitelwert, miss zusätzlich den Effektivwert mit dem Voltmeter und berechne aus dem Vergleich, welchen Scheitelwert die Netzspannung (230 V230\ \mathrm{V} Effektivwert) hat.

2Vorbetrachtung

Wechselspannung heißt: Die Polung wechselt. Bei einer Gleichquelle ist fest, welcher Anschluss Plus und welcher Minus ist. Eine Wechselquelle tauscht die Rollen periodisch: Jeder Anschluss ist abwechselnd Plus- und Minuspol. Der Spannungsverlauf ist beim und beim Netz sinusförmig, beschrieben durch nur zwei Angaben: wie hoch die Kurve (U^\hat{U}) und wie schnell (ff bzw. TT).

Warum das Voltmeter nicht genügt: Im Gleichspannungsbereich würde es den zeitlichen Mittelwert anzeigen, und der ist bei symmetrischem Wechsel null. Im Wechselspannungsbereich zeigt es den Effektivwert, aber eben nur diese eine Zahl. Den Verlauf zeigt nur das Oszilloskop.

Zeitlicher Verlauf bei Wechselspannung

Simulation — berechnete Werte, keine Messung
Deine Aufgabe: Verändere die Frequenz und beobachte die Kurve: Die Achsen bleiben gleich, nur die Schwingung wird dichter oder weiter. Prüfe deine Vorhersage: Was passiert mit der Periodendauer T, wenn du f verdoppelst?
U_eff = 5,7 Veine Periode: T = 20 ms050100150200-12-60612Zeit t in msu in V
Spannung u(t)

wirkt wie (Effektivwert)

5,7 V

Gleiche Achsen, andere Kurve: Bei f = 50 Hz dauert eine volle Schwingung T = 1/f = 20 ms — im festen Zeitfenster von 200 ms passen also 10 Perioden. Die gestrichelte Marke bei 5,7 V ist der Effektivwert, die "so stark wie Gleichspannung"-Angabe dieser Wechselgröße.

Erkunde vor der Messung, wie die Kenngrößen zusammenhängen: Größeres U^\hat{U} streckt die Kurve nach oben und unten, größeres ff staucht sie in der Zeit. Die gestrichelte Linie ist der Effektivwert: immer um den Faktor 2\sqrt{2} unter dem Scheitel.

3Geräte / Stoffe

Grundbestand plus Oszilloskop. Als Spannungsquelle dient der Wechselausgang des Schülernetzgeräts: Er liefert die Netzfrequenz bei ungefährlicher Kleinspannung.

  • Schülernetzgerät mit Gleich- und Wechselausgang

    Einstellbare Quelle für beide Betriebsarten.

  • Zwei Festwiderstände (20 Ω und 30 Ω)

    Bekannte Bauteile, an denen sich die Spannungsaufteilung untersuchen lässt.

  • Voltmeter (Vielfachmessgerät)

    Misst die UU zwischen zwei Punkten; wird parallel angeschlossen.

  • Oszilloskop oder Messinterface

    Zeichnet den zeitlichen Verlauf u(t)u(t) der Wechselspannung.

  • Schalter und Leitungen

    Schließen und öffnen den Kreis.

  • Oszilloskop oder Messinterface

    Zeichnet den Spannungsverlauf über der Zeit.

4Skizze des Versuchsaufbaus

Schaltplan: Wechselquelle (Wellenliniensymbol), Lampe als Verbraucher, Oszilloskop parallel zur Lampe. Das Voltmeter (AC-Bereich) liegt ebenfalls parallel und misst gleichzeitig.

Wie herum die Messgeräte angeschlossen werdenAVin ReiheparallelAmperemeter hinein, Voltmeter daneben

Messregeln im Vergleich: Voltmeter parallel zum Bauteil (es vergleicht zwei Punkte), Amperemeter in Reihe. Die beiden Regeln folgen direkt aus dem, was gemessen wird.

Grundaufbau: Netzgerät, Schalter und zwei in Reihe geschaltete Widerstände (alternativ zwei verschiedene Lampen). Das Voltmeter wird nacheinander parallel zur Quelle, zum ersten und zum zweiten Widerstand geschaltet. Für die Wechselspannungs-Zielsetzungen wird auf den Wechselausgang umgesteckt und zusätzlich das Oszilloskop parallel angeschlossen.

5Durchführung

Schritt 1: Kreis mit Lampe am Wechselausgang (etwa 6 V6\ \mathrm{V}) aufbauen, Oszilloskop und Voltmeter parallel zur Lampe anschließen.

Schritt 2: Zeitablenkung einstellen, bis zwei bis drei Perioden sichtbar sind. aus Skalenteilen und Zeitbasis ablesen.

Schritt 3: Scheitelwert ablesen: senkrechter Abstand von der Nulllinie zum höchsten Kurvenpunkt, multipliziert mit der Spannungs-Skala.

Schritt 4: Gleichzeitig den Effektivwert am Voltmeter ablesen und notieren.

6Beobachtung

Ablesungen (Wechselausgang, Nennwert 6 V)
GrößeWert
Periodendauer TT20 ms20\ \mathrm{ms}
Scheitelwert U^\hat{U}8,5 V8{,}5\ \mathrm{V}
Effektivwert UeffU_\mathrm{eff} (Voltmeter)6,0 V6{,}0\ \mathrm{V}

Beispieldaten zur Veranschaulichung — keine echten Messwerte.

Die Kurve verläuft gleichmäßig sinusförmig über und unter der Nulllinie: Die Quelle polt tatsächlich periodisch um. Die Lampe leuchtet dabei ruhig.

7Auswertung

Schritt 1: .

f=1T=10,020 s=50 Hzf = \frac{1}{T} = \frac{1}{0{,}020\ \mathrm{s}} = 50\ \mathrm{Hz}

Der im Netzgerät setzt nur die herab; der Takt des Netzes bleibt erhalten.

Schritt 2: Scheitel gegen Effektivwert.

U^Ueff=8,5 V6,0 V≈1,41≈2\frac{\hat{U}}{U_\mathrm{eff}} = \frac{8{,}5\ \mathrm{V}}{6{,}0\ \mathrm{V}} \approx 1{,}41 \approx \sqrt{2}

Wie beim Strom gilt: Das Messgerät zeigt den Effektivwert, die Kurve um den Faktor 2\sqrt{2} höher. (Begründung über die Heizleistung: Der Mittelwert von sin⁡2\sin^2 über eine Periode ist 12\tfrac{1}{2}, siehe „ messen“, Zielsetzung Wechselstrom.)

Schritt 3: Anwendung auf die Netzspannung. Auch die 230 V230\ \mathrm{V} der Steckdose sind ein Effektivwert. Der tatsächliche Scheitelwert beträgt

U^=2⋅230 V≈325 V\hat{U} = \sqrt{2} \cdot 230\ \mathrm{V} \approx 325\ \mathrm{V}

Zweimal in jeder Periode, also hundertmal pro Sekunde, liegt zwischen den Kontakten der Steckdose kurzzeitig eine Spannung von rund 325 V325\ \mathrm{V}: ein Grund mehr, warum dort nicht experimentiert wird. Isolationen von Netzgeräten müssen auf diesen Scheitelwert ausgelegt sein, nicht auf 230 V.

8Fazit

Die Wechselspannung wechselt Betrag und Polung sinusförmig mit f=50 Hzf = 50\ \mathrm{Hz}. Voltmeter zeigen ihren Effektivwert; der Scheitelwert liegt um 2\sqrt{2} höher: aus 6,0 V6{,}0\ \mathrm{V} werden 8,5 V8{,}5\ \mathrm{V}, aus den 230 V230\ \mathrm{V} des Netzes rund 325 V325\ \mathrm{V}.

9Fehlerbetrachtung

Die Fehlerquellen entsprechen denen der Wechselstrom-Untersuchung; hinzu kommt die Kalibrierung des Oszilloskops:

Ablesen am Schirmeher zufällig

Ursache

Scheitel- und Periodenablesung sind auf etwa einen halben Skalenteil genau.

Auswirkung

U^\hat{U} und TT tragen einige Prozent Unsicherheit; der Quotient U^/Ueff\hat{U}/U_\mathrm{eff} streut entsprechend um 2\sqrt{2}.

Verbesserung

Kurve möglichst bildfüllend einstellen; über mehrere Perioden messen und teilen.

Nennwert statt Messwert der Quelleeher systematisch

Ursache

Der Aufdruck „6 V“ am Netzgerät ist ein Nennwert; unbelastet oder bei kleiner Last liegt die oft merklich höher.

Auswirkung

Wer mit dem Aufdruck statt mit dem gemessenen Effektivwert rechnet, erhält einen falschen Quotienten und wundert sich über die Abweichung von √2.

Verbesserung

Immer den gemessenen Effektivwert verwenden, nie den Aufdruck.

Verzerrte Kurvenform der Quelleeher systematisch

Ursache

Preiswerte Netzgeräte liefern keinen perfekten Sinus (abgeflachte Kuppen).

Auswirkung

Die Beziehung Ueff=U^/2U_\mathrm{eff} = \hat{U}/\sqrt{2} gilt exakt nur für Sinusform; bei verzerrter Kurve weicht der gemessene Quotient systematisch ab.

Verbesserung

Kurvenform auf dem Schirm prüfen; bei sichtbarer Verzerrung darauf hinweisen statt die Abweichung als Messfehler zu verbuchen.

Das Wichtigste

Messregel

Das Voltmeter wird parallel angeschlossen: Es vergleicht zwei Punkte. Sein hoher Innenwiderstand sorgt dafür, dass es den Kreis kaum verändert.

Reihenschaltung

Die Quellenspannung teilt sich auf die in Reihe liegenden Bauteile auf; die Teilspannungen addieren sich zur Gesamtspannung.

Wechselspannung

u(t)=U^⋅sin⁡(2πf⋅t)u(t) = \hat{U} \cdot \sin(2\pi f \cdot t): Betrag und Polung wechseln periodisch. Netz: f=50 Hzf = 50\ \mathrm{Hz}, T=20 msT = 20\ \mathrm{ms}.

230 V sind ein Effektivwert

Die Netzspannung in Wirklichkeit bis U^=2⋅230 V≈325 V\hat{U} = \sqrt{2} \cdot 230\ \mathrm{V} \approx 325\ \mathrm{V}. Angegeben wird der wirkungsgleiche Gleichspannungswert.

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