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Die Lochkamera

SchulversuchOptikKlasse 7Grundlagen

Worum geht es?

Die Lochkamera erzeugt aus nichts als einem kleinen Loch ein echtes Bild. Jeder Punkt der Kerze schickt Licht in alle Richtungen, doch durch das Loch passt aus jeder Richtung nur ein schmales Bündel. Oben landet unten, links landet rechts. Das Bild steht kopf, und zwar zwingend, wenn Licht geradlinig läuft. Aus derselben Geometrie folgt die Bildgrößen-Beziehung BG=bg\frac{B}{G} = \frac{b}{g}, die erste Abbildungsformel der Optik.

Warum macht man dieses Experiment?

Die Lochkamera trennt zwei Dinge, die später ständig verwechselt werden: die Bild-Entstehung (sie braucht nur Geometrie) und die Bild-Helligkeit (sie braucht die der nächsten ). Wer den Lochgrößen-Zielkonflikt „scharf oder hell“ selbst erlebt hat, versteht, wozu eine Linse überhaupt gut ist. Sie ist die Antwort auf ein Problem, das man hier zuerst haben muss.

Die physikalische Idee

Variante 1 baut die Kamera (Dose oder Schuhkarton, Nadelloch, Transparentpapier-Schirm), richtet sie auf eine Kerze und deutet Umkehrung und Lochgrößen-Effekt per Strahlenkonstruktion. Variante 2 misst nach: Bei fester Kameratiefe wird der Kerzenabstand variiert, und die Bildgröße muss dem Strahlensatz folgen.

Benötigtes Vorwissen

Für dieses Experiment hilft dir dieses Vorwissen. Du kannst es jederzeit nachschlagen — das Experiment bleibt auch so verständlich.

  • Geradlinige Lichtausbreitung (Experiment)
  • Schattenkonstruktion (Experiment)

Wissenschaftliche Einordnung

Die camera obscura war Jahrhunderte vor der Fotografie im Einsatz: Ibn al-Haytham nutzte sie um 1020 für die erste experimentell begründete Theorie des Sehens, Renaissance-Maler als Zeichenhilfe. Die erste Fotografie der Geschichte (Niépce 1826, acht Stunden Belichtung!) entstand in einer Lochkamera-Verwandten. Der Lichtmangel des kleinen Lochs war buchstäblich ihr Zeitproblem.

Versuchsziel

Aktuelles Versuchsziel

Bildgröße und Abstand: die erste Abbildungsformel

Untersuche, wie die Bildgröße vom Kerzenabstand abhängt, und prüfe die Beziehung BG=bg\frac{B}{G} = \frac{b}{g}.

Gemessen

  • — Gegenstandsweite (in )

    Abstand Kerze-Loch: die variierte Größe.

  • — Bildgröße (in )

    Auf dem Transparentschirm mit dem Lineal abgegriffen: die abhängige Größe.

Bekannt

  • — Gegenstandsgröße (Kerzenhöhe) (in )

    Einmal gemessen: 5,0 cm Flamme plus Kerzenkörper-Marke.

  • — Bildweite (Kameratiefe) (in )

    Feste Dosenlänge 20 cm: Loch bis Schirm.

Der Weg von der Messung zum Ergebnis:

Für diese Zielsetzung brauchst du:

  • Die geprüfte Abbildungsbeziehung: der Strahlensatz an den sich im Loch kreuzenden Geraden.Zur Formelsammlung

Versuchsprotokoll

So ist ein physikalisches Versuchsprotokoll aufgebaut. Die Reihenfolge ist immer dieselbe — die Inhalte gehören zu deinem gewählten Versuchsziel.

1Aufgabenstellung

Miss die Bildgröße der 5,0 cm hohen Kerzenflamme bei den Gegenstandsweiten 25, 50 und 100 cm (Kameratiefe fest 20 cm) und prüfe die Vorhersage B = G·b/g.

2Vorbetrachtung

Vom Strahlensatz zur Abbildungsformel

  1. Die Geraden von Flammenspitze und Kerzenfuß kreuzen sich im Loch. Links davon spannen sie mit der Kerze ein Dreieck der Höhe GG und der Grundlinie gg auf, rechts mit dem Bild eines der Höhe BB und der Grundlinie bb. Beide Dreiecke haben am Loch denselben Scheitelwinkel und sind deshalb zueinander ähnlich (Strahlensatz aus der Mathematik).

  2. Nach BB aufgelöst wird daraus eine Vorhersagemaschine. Für G=5,0 cmG = 5{,}0\ \mathrm{cm} und b=20 cmb = 20\ \mathrm{cm} erwarten wir bei g=50 cmg = 50\ \mathrm{cm} ein Bild von B=5,0⋅2050=2,0 cmB = 5{,}0 \cdot \tfrac{20}{50} = 2{,}0\ \mathrm{cm}, bei g=25g = 25 eines von 4,0 cm4{,}0\ \mathrm{cm} und bei g=100g = 100 eines von 1,0 cm1{,}0\ \mathrm{cm}. Halber Abstand, doppeltes Bild.

3Geräte / Stoffe

Flammenhöhe vor Beginn messen und die Kerze windgeschützt aufstellen (eine flackernde Flamme ändert G); Bildgröße auf dem Transparentpapier mit angelegtem Lineal ablesen, Zugluft vermeiden.

  • Lochkamera (Dose, Nadelloch, Transparentschirm)

    Die ganze Kamera: Das Loch wählt aus jedem Kerzenpunkt genau ein schmales Bündel aus.

  • Kerze auf Halter

    Heller, klar geformter Gegenstand mit erkennbarem Oben und Unten.

  • Wechsel-Frontplatte mit großem Loch

    Für den Zielkonflikt-Test: mehr Licht, weniger Schärfe.

  • Maßband und Lineal

    Gegenstands- und Bildgrößen für die Messvariante.

4Skizze des Versuchsaufbaus

Die zwei ähnlichen Dreiecke links und rechts vom Loch, G, g, B, b beschriftet; die Formel steht als Verhältnisgleichung daneben.

Aufbau: Lochkamera (lichtdichte Dose oder Karton, Länge ca. 20 cm, Rückwand aus Transparentpapier, Nadelloch ~1 mm in der Frontmitte), Kerze auf Halter, dunkles Tuch über Kamera und Kopf, Lineal und Maßband; für den Lochvergleich eine zweite Frontplatte mit 3-mm-Loch.

5Durchführung

Je Abstand: Kerze mit Maßband positionieren, Bild scharf beobachten, B dreimal ablesen und mitteln; Reihenfolge 50, 25, 100 cm, zum Schluss Kontrollmessung wieder bei 50 cm.

6Beobachtung

Bildgrößen (G=5,0 cmG = 5{,}0\ \mathrm{cm}, b=20 cmb = 20\ \mathrm{cm})
gg in cm\mathrm{cm}BB vorhergesagtBB gemessen
254,0 cm4{,}0\ \mathrm{cm}3,9 cm3{,}9\ \mathrm{cm}
502,0 cm2{,}0\ \mathrm{cm}2,0 cm2{,}0\ \mathrm{cm}
1001,0 cm1{,}0\ \mathrm{cm}1,1 cm1{,}1\ \mathrm{cm}

Beispieldaten zur Veranschaulichung — keine echten Messwerte.

7Auswertung

Die Formel trifft auf einen Millimeter: Halbierung des Abstands verdoppelt die Bildgröße, Verdopplung halbiert sie. B⋅gB \cdot g ist konstant (3,9⋅25≈983{,}9 \cdot 25 \approx 98, 2,0⋅50=1002{,}0 \cdot 50 = 100, 1,1⋅100=1101{,}1 \cdot 100 = 110, jeweils cm2\mathrm{cm^2} und im Rahmen der Millimeter-Ablesung gleich). Der Strahlensatz regiert die Abbildung. Damit ist die erste quantitative Formel der Optik etabliert: rein geometrisch, ohne jede Eigenschaft des Lichts außer seiner Geradlinigkeit.

Was die Formel schon jetzt kann: Sie misst Unzugängliches. Beispiel Sonne: Ihr Lochkamera-Bild hat bei b=1,0 mb = 1{,}0\ \mathrm{m} etwa 9 mm9\ \mathrm{mm} Durchmesser. Mit g=150g = 150 Millionen Kilometern liefert die umgestellte Formel G=B⋅g/b≈1,4G = B \cdot g/b \approx 1{,}4 Millionen Kilometer Sonnendurchmesser. Eine Konservendose vermisst einen Stern; der Strahlensatz macht es möglich.

Ausblick: Dieselben Größen G,g,B,bG, g, B, b kehren beim Linsen-Experiment wieder. Dort kommt mit der Brennweite eine dritte Länge dazu (Linsengleichung), aber die Lochkamera-Beziehung bleibt darin als Abbildungsmaßstab erhalten.

8Fazit

Die Bildgröße folgt genau der Beziehung BG=bg\frac{B}{G} = \frac{b}{g}; das Produkt B⋅gB \cdot g ist über die ganze Reihe konstant. Die Lochkamera-Abbildung ist reiner Strahlensatz, die geometrische Grundlage aller späteren Abbildungsformeln.

9Fehlerbetrachtung

Millimeter-Messungen an einem lichtschwachen Bild: Hier sind die Fehler handfest:

Flackernde Flammeeher zufällig

Ursache

Zugluft ändert die Flammenhöhe G während der Reihe.

Auswirkung

B streut mit, und die Verhältnisprüfung leidet.

Verbesserung

Windschutz, mehrfach ablesen und mitteln (so durchgeführt), Kontrollmessung am Ende.

Unscharfer Bildrand (Lochgröße)eher systematisch

Ursache

Jeder Punkt ist ein lochgroßer Fleck; der Rand von B ist eine Zone, keine Linie.

Auswirkung

Systematisch etwas zu große B-Ablesung (etwa eine Lochbreite).

Verbesserung

Von Randmitte zu Randmitte messen; kleines Loch verwenden.

g bis zur Dosenwand statt bis zum Loch gemesseneher systematisch

Ursache

Bequemer Maßbandanschlag an der Front.

Auswirkung

Bei kleinen g ein Prozentfehler von einigen Prozent.

Verbesserung

Stets bis zur Lochebene messen.

Das Wichtigste

Warum ein Bild entsteht

Ohne Loch träfe das Licht jedes Kerzenpunkts überall auf die Rückwand: gleichmäßige Helligkeit, kein Bild. Das Loch lässt je Kerzenpunkt nur ein schmales Bündel durch. Jedem Schirmpunkt entspricht damit ein Gegenstandspunkt, und genau das ist ein Bild.

Warum es kopfsteht

Die Geraden von Flammenspitze und Kerzenfuß kreuzen sich im Loch. Oben landet unten, links landet rechts: Bildumkehrung als direkte Folge der Geradlinigkeit.

Die Größenformel

BG=bg\frac{B}{G} = \frac{b}{g}: Bild- zu Gegenstandsgröße verhält sich wie Kameratiefe zu Gegenstandsweite. Das ist der Strahlensatz an den sich kreuzenden Geraden.

Der Zielkonflikt

Kleines Loch: scharf, aber dunkel. Großes Loch: hell, aber unscharf, weil jeder Punkt zum Fleck wird. Die Lochkamera kann nie beides. Genau dieses Problem löst später die .

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