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Gleichmäßig beschleunigte Bewegung

SchulversuchMechanikKlasse 9Standard

Worum geht es?

Bei der gleichmäßig beschleunigten Bewegung wächst die in gleichen Zeiten um gleiche Beträge. Für den Weg folgt daraus etwas Bemerkenswertes: Er wächst mit dem Quadrat der Zeit, s=12at2s = \tfrac{1}{2} a t^2. Der Versuch prüft dieses Weg-Zeit-Gesetz am Wagen auf der schwach geneigten Fahrbahn und bestimmt die aa.

Warum macht man dieses Experiment?

Das Quadratgesetz ist der Schlüssel zum freien Fall (der nur eine besonders steile Version dieses Versuchs ist), zu Anhalteweg und Bremsphysik und zur ganzen newtonschen Mechanik. Die flache Bahn ist dabei Galileis genialer Trick: Sie verdünnt die Schwerkraft, bis die Bewegung mit einfachen Uhren messbar wird, das historische Muster, wie man ein zu schnelles Phänomen der Messung zugänglich macht.

Die physikalische Idee

Der Wagen startet aus der Ruhe und rollt die schwach geneigte Bahn hinab. Für feste Strecken (20, 45, 80, 125 cm) wird jeweils die Fahrzeit ab dem Start gemessen. Ist die Bewegung gleichmäßig , muss der Quotient s/t2s/t^2 konstant sein, und aus ihm folgt a=2s/t2a = 2s/t^2.

Benötigtes Vorwissen

Für dieses Experiment hilft dir dieses Vorwissen. Du kannst es jederzeit nachschlagen — das Experiment bleibt auch so verständlich.

Wissenschaftliche Einordnung

Galileo Galilei vermaß um 1600 Kugeln auf Rinnen mit Wasseruhren und fand das Quadratgesetz: der Gründungsversuch der quantitativen Bewegungslehre. Die Schulfahrbahn wiederholt ihn mit besseren Uhren und demselben Gedanken.

Versuchsziel

Aktuelles Versuchsziel

Weg-Zeit-Gesetz prüfen und a bestimmen

Prüfe das Quadratgesetz s=12at2s = \tfrac{1}{2} a t^2 am hinabrollenden Wagen und bestimme die aa.

Gesucht

  • — Beschleunigung (in )

    Aus a=2s/t2a = 2s/t^2; die Konstanz des Werts über alle Marken prüft zugleich das Gesetz.

Gemessen

  • — Fahrzeit (in )

    Vom Start bis zur jeweiligen Marke, je dreimal gestoppt.

Bekannt

  • — Fahrstrecke ab Start (in )

    Durch die Streckenmarken vorgegeben; bewusst quadratisch gestuft (20, 45, 80, 125 cm), damit die Sollzeiten gleichabständig sind.

Der Weg von der Messung zum Ergebnis:

Für diese Zielsetzung brauchst du:

  • Das geprüfte Weg-Zeit-Gesetz für den Start aus der Ruhe.Zur Formelsammlung

Versuchsprotokoll

So ist ein physikalisches Versuchsprotokoll aufgebaut. Die Reihenfolge ist immer dieselbe — die Inhalte gehören zu deinem gewählten Versuchsziel.

1Aufgabenstellung

Miss für die Marken 20, 45, 80 und 125 cm je dreimal die Fahrzeit aus der Ruhe. Prüfe die Konstanz von s/t2s/t^2, bestimme aa und kontrolliere die Merkfolge 1 : 4 : 9 (bzw. hier 20 : 45 : 80 : 125 = 4 : 9 : 16 : 25).

2Vorbetrachtung

Warum wächst der Weg quadratisch?

  1. Konstante heißt: Die wächst linear, v=a⋅tv = a \cdot t. Das v-t-Diagramm ist eine steigende Gerade.

  2. Der Weg ist die Fläche unter dem v-t-Diagramm (Geschwindigkeit mal Zeit, aufsummiert). Unter der Geraden liegt ein Dreieck mit den Seiten tt und v=atv = at:

  3. Der Faktor 12\tfrac{1}{2} ist also die Dreiecksfläche: Im Mittel war der Wagen nur halb so schnell wie am Ende. Und das Quadrat erklärt sich selbst: Es steckt doppelt Zeit im Weg, einmal im Tempo, einmal in der Dauer.

  4. Prüfbare Folgen: s/t2s/t^2 konstant; Wege zu gleichabständigen Zeiten wie 1:4:9:16:251:4:9:16:25. Unsere Markenwahl (20, 45, 80, 125 cm im Verhältnis 4 : 9 : 16 : 25) sollte deshalb gleichabständige Zeiten (2, 3, 4, 5 s) liefern: eine elegante Vorab-Vorhersage.

3Geräte / Stoffe

Fahrbahn mit fester kleiner Neigung; nichts zwischen den Läufen verändern. Start immer aus der Ruhe an derselben Marke (Startklappe).

  • Fahrbahn mit Unterlegklotz

    Die schwache Neigung erzeugt eine kleine, konstante : langsam genug für Handstoppung.

  • Leichtlaufender Wagen

    Bewegter Körper mit minimaler .

  • Startvorrichtung

    Sichert den Start aus der Ruhe am immer gleichen Punkt: Voraussetzung des Gesetzes.

  • Stoppuhren

    Messen die Fahrzeiten zu den Streckenmarken.

4Skizze des Versuchsaufbaus

Bahn mit Startmarke und den vier Messmarken; daneben das erwartete parabelförmige s-t-Diagramm als Vorzeichnung.

Dieselbe Bewegung, zwei Diagramme (a = 2 m/s²)12345246810t in sv in m/sv = a · tGerade durch den Ursprung12345510152025t in ss in ms = ½ · a · t²Parabel, immer steilerGleiche Zunahme der Geschwindigkeit, immer größere Wege

Das Kennzeichen der : Das v-t-Diagramm ist eine steigende Gerade, das s-t-Diagramm eine Parabel. In gleichen Zeiten wachsen die Wege wie 1 : 4 : 9.

Aufbau: Fahrbahn (2 m) mit kleiner, fester Neigung (Unterlegklotz), leichtlaufender Wagen, Startklappe oder Startmarke, Stoppuhren; Streckenmarken bei 20, 45, 80 und 125 cm.

5Durchführung

Schritt 1: Wagen an der Startmarke halten, auf Kommando loslassen und Uhr starten.

Schritt 2: An der Zielmarke stoppen; je Marke drei Läufe, Mittelwert.

Schritt 3: Für alle vier Marken wiederholen; Tabelle und Diagramm füllen.

6Beobachtung

Fahrzeiten (Mittel aus je drei Läufen)
ss in cm\mathrm{cm}tt in s\mathrm{s}s/t2s/t^2 in cm/s2\mathrm{cm/s^2}
202,05,0
453,05,0
804,05,0
1255,05,0

Beispieldaten zur Veranschaulichung — keine echten Messwerte.

7Auswertung

Das Quadratgesetz besteht: Der Quotient s/t2s/t^2 ist konstant (5,0 cm/s25{,}0\ \mathrm{cm/s^2}), und die Zeiten zu den quadratisch gestuften Marken sind wie vorhergesagt gleichabständig (2, 3, 4, 5 s): Die Bewegung ist gleichmäßig . Das s-t-Diagramm zeigt die zugehörige Parabel.

Beschleunigung:

a=2⋅st2=2⋅5,0 cms2=0,10 ms2a = 2 \cdot \frac{s}{t^2} = 2 \cdot 5{,}0\ \frac{\mathrm{cm}}{\mathrm{s^2}} = 0{,}10\ \frac{\mathrm{m}}{\mathrm{s^2}}

Zur Einordnung: Das ist rund ein Hundertstel der Fallbeschleunigung. Die flache Bahn hat den „Fall“ hundertfach verlangsamt und damit für Stoppuhren erschlossen. Steilere Neigung ergäbe größeres aa, dasselbe Gesetz: Der freie Fall ist der Grenzfall der senkrechten Bahn (eigenes ).

8Fazit

Der Wagen folgt dem Weg-Zeit-Gesetz s=12at2s = \tfrac{1}{2}at^2: konstantes s/t2s/t^2, gleichabständige Zeiten zu quadratisch gestuften Marken, a=0,10 m/s2a = 0{,}10\ \mathrm{m/s^2}. Die gleichmäßig Bewegung ist damit vollständig vermessen.

9Fehlerbetrachtung

Start und Stopp sind die kritischen Momente der Handmessung:

Startfehler (Anschieben oder Zögern)eher systematisch

Ursache

Der Wagen wird beim Loslassen minimal angeschoben oder festgehalten.

Auswirkung

Die Ruhe-Startbedingung ist verletzt; besonders die kurzen Strecken reagieren empfindlich (Quotient zu groß bzw. zu klein).

Verbesserung

Startklappe statt Hand; Startvorgang üben.

Reaktionszeit an Start und Zieleher zufällig

Ursache

Uhrbedienung durch Menschen.

Auswirkung

±0,2 s je Messung, bei der 2-s-Marke bis zu 10 Prozent, bei der 5-s-Marke 4 Prozent: Die kurzen Marken streuen am stärksten.

Verbesserung

Drei Läufe mitteln (so gemacht), lange Bahn bevorzugen, ideal Lichtschranken.

Roll- und Luftreibungeher systematisch

Ursache

Reale Bahn bremst minimal, zunehmend mit dem Tempo.

Auswirkung

Bei langen Strecken bleibt der Wagen leicht hinter der Parabel zurück: s/t² sinkt am Ende minimal.

Verbesserung

Leichtgängigen Wagen verwenden; Restabweichung benennen statt wegmitteln.

Das Wichtigste

Definition

Gleichmäßig heißt: Die wächst in gleichen Zeiten um gleiche Beträge; a=Δv/Δta = \Delta v / \Delta t ist konstant.

Weg-Zeit-Gesetz

Aus der Ruhe gilt s=12at2s = \tfrac{1}{2} a t^2: doppelte Zeit, vierfacher Weg. Prüfgröße: s/t2s/t^2 konstant.

Merkzahlen

Wege nach 1, 2, 3 Zeiteinheiten verhalten sich wie 1 : 4 : 9; die Wegzuwächse in aufeinanderfolgenden Zeiteinheiten wie 1 : 3 : 5.

Galileis Trick

Die flache Bahn verlangsamt die Fallbewegung, ohne ihr Gesetz zu ändern: Messbarmachung durch Verdünnung.

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