Stochastik
Daten auswerten und Darstellungen kritisch bewerten
Kreisdiagramme berechnen, Kenngrößen vergleichen und Manipulationen entlarven.
Benötigte Grundlagen
Dieses Vorwissen brauchst du für das Kapitel. Schau kurz nach, wenn dir etwas davon nicht mehr präsent ist, sonst leg direkt los.
Einführung
„Studie beweist …", „Umfrage zeigt …", täglich prasseln Diagramme und Statistiken auf dich ein. Manche informieren, manche manipulieren. In diesem Kapitel wirst du zum Daten-Detektiv: Du berechnest Kreisdiagramme selbst, vergleichst Datensätze professionell mit Kenngrößen, und erkennst die Tricks, mit denen Darstellungen lügen, ohne falsche Zahlen zu zeigen.
Das kannst du nach diesem Kapitel
Kreisdiagramme berechnen (Anteil → Mittelpunktswinkel) und zeichnen.
den passenden Diagrammtyp wählen (Säulen, , , Verlaufskurve).
Datensätze mit Kenngrößen (, , Spannweite, Quartile) vergleichen.
Manipulationstechniken in Darstellungen erkennen und benennen.
prozentuale Verteilungen aus Kreis- und Streifendiagrammen ablesen und selbst darstellen.
beurteilen, ob eine Stichprobe repräsentativ ist, und erkennen, wie schon die Fragestellung ein Umfrageergebnis verzerren kann.
Das Kreisdiagramm
Das Kreisdiagramm zeigt Anteile am Ganzen. Jeder Anteil bekommt seinen Mittelpunktswinkel:
Beispiel: der Stimmen → . Kontrolle: Alle zusammen .
Ein Kreisdiagramm zeigt Anteile am Ganzen. Jeder Anteil bekommt seinen Mittelpunktswinkel , z. B. . Alle zusammen ergeben .
Das Streifendiagramm, derselbe Anteil, besser ablesbar
Anteile lassen sich auch anders zeigen: Statt einen aufzuteilen, teilst du einen Streifen auf. Der ganze Streifen ist das Ganze (), und jede Kategorie bekommt so viel davon, wie ihr Anteil ausmacht. Das nennt man Streifendiagramm (oder Bandiagramm).
Wie du die Länge eines Abschnitts bestimmst
Genau wie beim Kreis, nur ist das Ganze diesmal keine -Drehung, sondern eine Strecke. Ist der Streifen lang, gilt:
Für also . Kontrolle: Alle Abschnitte zusammen müssen den ganzen Streifen füllen, genau wie sich beim Kreis alle zu ergänzen.
Warum überhaupt zwei Darstellungen für dasselbe?
Weil sie unterschiedliche Stärken haben.
Das Kreisdiagramm zeigt auf einen Blick, dass es um Teile eines Ganzen geht, der geschlossene Kreis macht das unmissverständlich. Beim Ablesen ist es allerdings schwach: Ob ein Sektor nun oder hat, sieht kaum jemand, denn Winkel schätzt das Auge schlecht.
Das Streifendiagramm hat eine gerade Skala darunter. Damit misst du die Anteile, statt sie zu schätzen: Der erste Abschnitt im Bild unten reicht von bis , der zweite von bis . Und weil alle Streifen gleich lang sind, kannst du mehrere Streifen untereinander legen und Gruppen direkt vergleichen, beim Kreis müsstest du zwischen zwei Torten hin- und herschauen.
Merke: Kreis, wenn das Ganze betont werden soll. Streifen, wenn abgelesen oder verglichen werden soll.
So kommen die Schüler zur Schule, als Streifendiagramm. Der ganze Streifen ist das Ganze (), jeder Abschnitt ein Anteil. Weil die Skala darunter gleichmäßig ist, kannst du die ablesen statt zu schätzen: Der Bus-Abschnitt reicht von bis .
Welches Diagramm wofür?
| Diagramm | Zeigt am besten … |
|---|---|
| Säulen-/Balkendiagramm | Vergleiche zwischen Kategorien |
| Kreisdiagramm | Anteile an einem Ganzen () |
| Streifendiagramm | Anteile, die abgelesen oder verglichen werden sollen |
| Liniendiagramm | Entwicklungen über die Zeit |
| Verteilung und Streuung, Gruppen-Vergleiche |
Das Liniendiagramm unten zeigt eine Entwicklung über mehrere Jahre.
Ein Liniendiagramm eignet sich für Entwicklungen über die Zeit: Der Linienzug macht Anstiege, Einbrüche und Trends sofort sichtbar.
Datensätze vergleichen
Zwei Klassen, ein Test, wer war „besser"? Ein einzelner Wert genügt nicht:
- Lage: und vergleichen (Ausreißer-Verdacht, wenn sie auseinanderliegen).
- Streuung: Spannweite und Quartilsabstand, gleichmäßig oder breit gestreut?
Die Kenngrößen selbst sind nicht neu: Mittelwert, Median, Modalwert, Spannweite, Quartile und der stammen aus Klasse 6 (Statistische Kenngrößen), schlag dort nach, wenn du bei einer davon stockst. Neu ist hier die Fragestellung: Bisher hast du Kenngrößen für einen Datensatz berechnet, jetzt vergleichst du zwei miteinander. Und dafür brauchst du immer beides, Lage und Streuung, eine einzelne Zahl kann zwei völlig verschiedene Datensätze gleich aussehen lassen.
Manipulations-Werkzeugkasten (zum Durchschauen!)
- Abgeschnittene Achse: kleine Unterschiede wirken riesig (siehe Bild unten).
- Gestauchte/gedehnte Achsen: Trends wirken flacher oder steiler.
- 3D-Torten und Perspektive: vordere Stücke wirken größer.
- Bildsymbole, die in Höhe UND Breite wachsen: doppelte Größe wirkt vierfach.
- Rosinen-Zeitraum: Nur der günstige Ausschnitt wird gezeigt.
- Absolut statt relativ: „Mehr Unfälle in A als in B", bei zehnfacher Einwohnerzahl!
Prüfroutine: Achsenanfang? Einheiten? Zeitraum? Absolute oder relative Zahlen? Wer hat's veröffentlicht?
Manipulation durch abgeschnittene Achse: Hier beginnt die Werteachse nicht bei , sondern bei (rotes Bruch-Symbol). Winzige Unterschiede ( vs. ) wirken dadurch riesig. Erster Prüfblick bei jedem Diagramm: Wo beginnt die Achse?
Erkläre es selbst: Warum kann ein Diagramm täuschen, obwohl jede einzelne Zahl darin stimmt?
Formuliere es erst selbst, am besten an einem der sechs Tricks von oben.
Weil du in einem Diagramm keine Zahlen liest, sondern Größen vergleichst: Höhen, Längen, . Und diese Größen lassen sich verschieben, ohne eine einzige Zahl zu fälschen.
Vier der sechs Tricks nutzen genau das:
- Abgeschnittene Achse: Die Zahlen stimmen, aber die sichtbaren Höhen passen nicht mehr zu ihrem Verhältnis. Aus und werden über einer er-Linie die Höhen und , dreimal so hoch statt mehr.
- Gestauchte oder gedehnte Achse: dasselbe für die Steilheit eines Trends.
- 3D und Perspektive: Die vorderen Stücke bekommen mehr sichtbare Fläche als ihnen zusteht.
- Bildsymbole, die in Höhe und Breite wachsen: Hier wirkt es am stärksten, denn die Fläche wächst quadratisch. Doppelt so hoch und doppelt so breit heißt viermal so viel Fläche, genau das, was du beim gesehen hast: doppelter , vierfache Fläche.
Die anderen beiden Tricks verzerren keine Größen, sondern wählen die Daten aus: der Rosinen-Zeitraum zeigt nur den günstigen Ausschnitt, und „absolut statt relativ" vergleicht Zahlen mit verschiedenen Bezugsgrößen. Auch dort ist jede einzelne Zahl korrekt.
Der Kern in einem Satz: Eine Statistik lügt selten mit falschen Zahlen, sie lügt damit, wie sie die Zahlen sichtbar macht oder was sie weglässt.
Deine Erklärung darf anders klingen. Wichtig ist, dass darin vorkommt: Das Auge vergleicht Größen, nicht Zahlen. Deshalb prüfst du zuerst die Achse, dann den Zeitraum, dann die Bezugsgröße.
Vor dem Diagramm: Wie sind die Zahlen entstanden?
Der Werkzeugkasten oben zeigt, wie man mit fertigen Zahlen täuschen kann. Aber eine Statistik lässt sich schon viel früher verbiegen, nämlich dort, wo die Zahlen entstehen. Ein sauber gezeichnetes Diagramm aus schlechten Daten ist trotzdem wertlos.
Die Stichprobe
Niemand kann alle Menschen befragen. Deshalb befragt man eine Stichprobe: eine Auswahl aus der Gruppe, über die man etwas herausfinden will (der Grundgesamtheit).
Damit man von der Stichprobe auf die ganze Gruppe schließen darf, muss sie repräsentativ sein. Dafür braucht es zwei Dinge gleichzeitig:
- Sie ist groß genug. Fünf Befragte sagen über eine Schule mit 700 Schülern nichts.
- Sie ist zufällig ausgewählt. Jede Person der Grundgesamtheit muss dieselbe Chance haben, hineinzukommen.
Zwei Umfragen, ein Kiosk. Erik fragt in jeder Klasse fünf zufällig ausgeloste Personen, ob sie mit dem Schulkiosk zufrieden sind. Ava fragt fünf Personen aus der Kiosk-AG. Erik erhält Zufriedene, Ava .
Beide haben richtig gezählt, trotzdem taugt nur Eriks Ergebnis. Avas Auswahl ist nicht zufällig: Wer im Kiosk mitarbeitet, findet ihn erwartbar gut. Der Fehler steckt nicht in der Rechnung, sondern vor der Rechnung.
Die Fragestellung
Auch bei perfekter Stichprobe kann die Frage selbst das Ergebnis lenken. Zwei Muster tauchen immer wieder auf:
- Meinung in der Frage. „Wie zufrieden bist du mit dem tollen Angebot des Kiosks?" enthält die Antwort schon. Neutral wäre: „Wie zufrieden bist du mit dem Angebot des Kiosks?"
- Ungleiche Antwortmöglichkeiten. Stehen drei zustimmende und nur eine ablehnende Antwort zur Auswahl, verschiebt sich das Ergebnis, ohne dass jemand lügt. Neutral heißt: gleich viele Möglichkeiten auf beiden Seiten.
Die Prüfroutine wird länger
Zu den Fragen an das Diagramm kommen also drei Fragen an die Erhebung:
| Frage | Worauf du achtest |
|---|---|
| Wer wurde gefragt? | Grundgesamtheit, passt sie zur Behauptung? |
| Wie viele, und wie ausgewählt? | groß genug und zufällig |
| Wie wurde gefragt? | neutraler Wortlaut, ausgewogene Antwortmöglichkeiten |
Wenn eine dieser drei Antworten fehlt, ist die Statistik nicht widerlegt, aber sie ist auch nicht belegt. Und das ist ein Unterschied, den man aussprechen darf.
Kreisdiagramm berechnen
Von 30 Kindern kommen 12 mit dem Rad, 9 zu Fuß, 6 mit dem Bus und 3 mit dem Auto. Berechne die Mittelpunktswinkel für das Kreisdiagramm.
- 1
Was ist gegeben, was ist gesucht?
Gegeben: vier Häufigkeiten, zusammen Kinder. Gesucht: die vier Mittelpunktswinkel.
Die Grundidee des Kreisdiagramms: Der ganze () steht für die Gesamtheit. Jede Gruppe bekommt davon denselben Anteil, den sie an den Kindern hat.
- 2
Schritt 1: Die Gesamtzahl prüfen.
Stimmt die Summe nicht mit der angegebenen Gesamtzahl überein, stimmt etwas an den Daten nicht. Dann lohnt kein Weiterrechnen.
- 3
Schritt 2: Die Anteile bilden.
Jeder Anteil ist „Teil durch Ganzes":
- 4
Schritt 3: Anteile in umrechnen.
Multipliziere jeden Anteil mit , dem vollen Kreis:
Warum mal ? Weil der Anteil angibt, welchen Bruchteil des Kreises die Gruppe belegt. sind , also von .
- 5
Schritt 4: Die übrigen drei Winkel.
Rechenhilfe: Ein Kind entspricht . Damit gehen alle Winkel im Kopf: , und so weiter.
- 6
Schritt 5: Die Pflichtkontrolle.
Diese Probe ist bei jedem Kreisdiagramm Pflicht. Fehlt ein Grad, hast du dich verrechnet oder eine Gruppe vergessen, beim Zeichnen fiele das erst am Schluss auf, wenn der Kreis nicht aufgeht.
- 7
Schritt 6: Zeichnen und beschriften.
Trage die Winkel mit dem Geodreieck nacheinander vom Mittelpunkt aus ab und beschrifte jeden Sektor mit Gruppe und Anteil.
Wann ein Kreisdiagramm passt: immer dann, wenn sich die Teile zu einem sinnvollen Ganzen ergänzen. Für Entwicklungen über die Zeit ist es dagegen ungeeignet, dafür nimmst du ein Liniendiagramm.
Rad · Fuß · Bus · Auto (Summe ✓)
Zwei Klassen im Kenngrößen-Vergleich
Mathetest: Klasse 8a hat 2,9 und 3, Spannweite 3 (Noten 1–4). Klasse 8b hat Mittelwert 2,9 und Median 2, Spannweite 5 (Noten 1–6). Vergleiche die Klassen.
- 1
Was ist gesucht? Kein Rechenergebnis, sondern eine Bewertung, und zwar eine, die über den Durchschnitt hinausgeht.
Der Ausgangspunkt ist bemerkenswert: Beide Klassen haben denselben Mittelwert . Nach dieser einen Zahl wären sie gleich gut. Genau das prüfen wir.
- 2
Schritt 1: Die Lage vergleichen: Mittelwert und Median.
- 8a: Mittelwert , Median
- 8b: Mittelwert , Median
Der Median ist die Note der Schülerin genau in der Mitte der geordneten Liste. In der 8b liegt sie bei , in der 8a bei .
Die typische Schülerin der 8b ist also besser, obwohl der Durchschnitt gleich ist.
- 3
Schritt 2: Verstehen, warum die beiden Werte auseinanderfallen.
Der Mittelwert reagiert empfindlich auf Ausreißer, der Median nicht.
In der 8b gibt es Noten bis . Diese wenigen sehr schlechten Arbeiten ziehen den Mittelwert nach oben, während der Median unbeeindruckt bei bleibt.
- 4
Schritt 3: Die Streuung vergleichen.
- 8a: Spannweite (Noten bis )
- 8b: Spannweite (Noten bis )
Die 8a ist kompakt: Alle liegen nah beieinander, niemand fällt völlig ab. Die 8b ist gespreizt: sehr gute und sehr schwache Ergebnisse nebeneinander.
- 5
Schritt 4: Beides zusammenführen.
8a 8b Durchschnitt typische Note (Median) Streuung gering groß Zwei völlig verschiedene Klassen mit identischem Durchschnitt.
- 6
Schritt 5: Was daraus für den Unterricht folgt.
In der 8a bräuchte die ganze Klasse gleichmäßige Unterstützung, das Niveau ist homogen.
In der 8b wäre eine differenzierte Förderung sinnvoll: Ein Teil kommt gut mit, ein anderer braucht Grundlagenarbeit. Ein Durchschnittswert allein hätte das verschleiert.
Die Lehre des Kapitels: Lage und Streuung gehören immer zusammen. Wer nur den Mittelwert nennt, erzählt bestenfalls die halbe Geschichte.
Gleicher Mittelwert (), aber verschiedene Verteilungen: Die 8b hat die bessere typische Note (Median statt ), streut aber viel stärker (Spannweite statt ).
Typischer Fehler
„In Stadt A gab es 500 Fahrraddiebstähle, in Dorf B nur 50, in A ist Radfahren zehnmal gefährlicher!"
Absolute Zahlen vergleichen nur bei gleicher Grundmenge! Hat Stadt A 200 000 Einwohner und Dorf B 5 000, dann ist die Rate in A und in B , in B wird relativ viermal so viel gestohlen. Für faire Vergleiche braucht es (pro Einwohner, pro 1000, in ).
Übung 1
leichtIn einer Umfrage (60 Personen) wählen 15 Pizza, 20 Pasta, 18 Burger, 7 Salat. Berechne die vier Mittelpunktswinkel.
Tipp anzeigen
= , oder einfacher: Anzahl · 6°.
Lösung anzeigen
Pro Person: .
Pizza , Pasta , Burger , Salat : Summe ✓
Detaillierte Schritterklärung anzeigen
Hier wird jeder Schritt einzeln erklärt, vor allem, warum er gemacht wird.
✦ Empfohlen: Standard – Die normale Erklärungstiefe passt zum Einstieg.
- 1
Winkel pro Person bestimmen
Der Vollkreis () verteilt sich auf Befragte: pro Person.
- 2
Die vier Winkel berechnen
Pizza · Pasta · Burger · Salat .
- 3
Summenkontrolle
✓, der Kreis ist exakt gefüllt.
Übung 2
mittelWelcher Diagrammtyp passt? Begründe kurz. a) Wahlergebnis (Stimmenanteile) b) Temperaturverlauf einer Woche c) Vergleich der 100-m-Zeiten zweier Klassen d) Beliebteste Haustiere der Klasse
Tipp anzeigen
Anteile, Zeit, Verteilungen, Kategorien.
Lösung anzeigen
a) Kreisdiagramm (Anteile am Ganzen)
b) Liniendiagramm (Entwicklung über Zeit)
c) übereinander (Verteilungen vergleichen)
d) Säulendiagramm (Kategorien vergleichen)
Detaillierte Schritterklärung anzeigen
Hier wird jeder Schritt einzeln erklärt, vor allem, warum er gemacht wird.
✦ Empfohlen: Standard – Die normale Erklärungstiefe passt zum Einstieg.
- 1
Die Leitfrage je Diagrammtyp
Jeder Typ beantwortet eine andere Frage: = „Wie teilt sich ein GANZES auf?", Linie = „Wie ENTWICKELT sich etwas über die Zeit?", Säulen = „Wie vergleichen sich KATEGORIEN?", Boxplot = „Wie sind Werte VERTEILT?"
- 2
a) bis d) zuordnen
a) Stimmenanteile = Teile eines Ganzen → Kreisdiagramm. b) Temperatur über Tage = zeitlicher Verlauf → Liniendiagramm. c) Zwei Klassen-Verteilungen vergleichen → Boxplots übereinander. d) Haustier-Kategorien zählen → Säulendiagramm.
- 3
Gegenprobe: Warum die anderen nicht passen
Test der Wahl durch Ausschluss: Ein Kreis für den Temperaturverlauf wäre sinnlos (kein Ganzes), eine Linie zwischen Haustierarten würde nicht existierende Zwischenwerte behaupten.
Übung 3
schwerEine Werbegrafik zeigt den Umsatz: 2022 = 100 Mio, 2023 = 110 Mio. Das Balkendiagramm beginnt bei 95 Mio, und der 2023-Balken ist zusätzlich doppelt so breit. a) Nenne die beiden Manipulationstechniken. b) Wie viel Wachstum sind es wirklich? c) Wie stark wirkt der Unterschied optisch (Flächenverhältnis der Balken)?
Tipp anzeigen
c) Höhe im Bild: 5 vs. 15 Einheiten über 95, und die Breite!
Lösung anzeigen
a) Abgeschnittene Achse (Start bei 95) und Breiten-Trick ( wächst mit).
b) Wachstum.
c) Sichtbare Höhen: vs. Einheiten (dreifach!), Breite doppelt → Flächenverhältnis . Aus 10 % echtem Wachstum wird optisch das Sechsfache.
Detaillierte Schritterklärung anzeigen
Hier wird jeder Schritt einzeln erklärt, vor allem, warum er gemacht wird.
✦ Empfohlen: Standard – Die normale Erklärungstiefe passt zum Einstieg.
- 1
a) Beide Manipulationstechniken benennen
Erstens: Die Achse beginnt bei statt (abgeschnittene Achse). Zweitens: Der 2023-Balken ist doppelt so BREIT, die Fläche wächst mit, obwohl nur die Höhe zählt.
- 2
b) Das echte Wachstum berechnen
Zuwachs: Mio. Bezogen auf 2022: Wachstum.
Zwischenergebnis
echtes Wachstum
- 3
c) Die optische Verzerrung beziffern
Sichtbare Höhen ab Achsenstart : Balken 2022 ragt , Balken 2023 ragt Einheiten. Verhältnis . Mit doppelter Breite: Flächen .
Übung: Streifendiagramm
mittelEine Umfrage unter Schülern ergab: nutzen den Bus, das Fahrrad, gehen zu Fuß, werden gefahren. a) Berechne alle vier . b) Wie lang wird jeder Abschnitt in einem langen Streifen? c) Welche Kontrolle hast du am Ende? d) Wann würdest du hier ein Kreisdiagramm bevorzugen?
Tipp anzeigen
Rechne zuerst die Anteile in um, die Streifenlänge ist dann einfach „Anteil mal Gesamtlänge".
Lösung anzeigen
a) Bus · Fahrrad · zu Fuß · gefahren
b) · · ·
c) Die Prozentsätze müssen zusammen ergeben ( ✓) und die Abschnitte zusammen ( ✓).
d) Wenn betont werden soll, dass es Teile eines Ganzen sind. Zum genauen Ablesen oder zum Vergleich mit einer zweiten Klasse ist der Streifen besser.
Detaillierte Schritterklärung anzeigen
Hier wird jeder Schritt einzeln erklärt, vor allem, warum er gemacht wird.
✦ Empfohlen: Standard – Die normale Erklärungstiefe passt zum Einstieg.
- 1
a) Prozentsätze der vier Gruppen
: Bus , Fahrrad , zu Fuß , gefahren .
- 2
b) Prozente in Zentimeter übersetzen
Der ganze Streifen ( cm) ist , also cm pro : Bus cm, Fahrrad cm, zu Fuß cm, gefahren cm.
usw.
- 3
c) Doppelte Kontrolle
Prozente: ✓. Längen: cm ✓, beide Ebenen müssen exakt aufgehen.
- 4
d) Streifen oder Kreis?
Der Kreis betont „Teile EINES Ganzen"; der Streifen ist besser zum genauen Ablesen (Lineal!) und zum Vergleich mehrerer Gruppen (Streifen untereinander).
Übung: Ist die Umfrage brauchbar?
mittelEine Schülerzeitung schreibt: „ der Schülerinnen und Schüler wünschen sich längere Pausen." Befragt wurden Personen, die während der Pause auf dem Schulhof Fußball spielten. Die Frage lautete: „Findest du auch, dass die viel zu kurzen Pausen verlängert werden sollten?"
a) Nenne drei Gründe, warum das Ergebnis nicht belastbar ist. b) Formuliere die Frage neutral. c) Beschreibe, wie eine repräsentative Stichprobe an dieser Schule aussehen könnte.
Tipp anzeigen
Prüfe getrennt: wer wurde gefragt, wie viele, und wie wurde gefragt.
Lösung anzeigen
a) Drei Gründe.
- Stichprobe zu klein. Personen sind für eine ganze Schule zu wenig; bedeutet hier nur rund Personen.
- Auswahl nicht zufällig. Befragt wurden ausschließlich Fußballspielende auf dem Schulhof. Wer die Pause zum Lernen, Essen oder Ausruhen nutzt, kam gar nicht vor, und gerade Fußballspielende haben ein besonderes Interesse an langen Pausen.
- Frage nicht neutral. „Findest du auch" unterstellt Zustimmung, „viel zu kurze Pausen" enthält die Wertung bereits.
b) Neutrale Frage.
„Wie lang sollten die Pausen deiner Meinung nach sein?", mit ausgewogenen Antwortmöglichkeiten, zum Beispiel kürzer als jetzt · so wie jetzt · länger als jetzt.
c) Repräsentative Stichprobe.
Aus jeder Klassenstufe eine feste Anzahl zufällig ausgeloster Personen befragen, zum Beispiel je zehn und zwar unabhängig davon, wo sie sich gerade aufhalten. Dann sind alle Gruppen der Schule vertreten und niemand ist wegen seines Pausenverhaltens bevorzugt.
Wichtig: Damit ist nicht bewiesen, dass sich die Schule keine längeren Pausen wünscht. Bewiesen ist nur, dass diese Umfrage die Behauptung nicht trägt.
Zusammenfassung
Kreisdiagramme rechnen Anteile in um (mal 360°), jeder Diagrammtyp hat seine Spezialität, und faire Vergleiche brauchen Lage plus Streuung, auf Basis relativer Häufigkeiten. Mit dem Manipulations-Radar (Achsen, , 3D, Zeiträume, absolut/relativ) liest du Statistiken künftig wie ein Profi: kritisch statt gläubig.


