Zum Inhalt springen
Zurück zur Themenübersicht

Angewandte Informatik

Wie das Internet arbeitet

Protokoll, Adresse, Paket: die drei Ideen, mit denen ein weltweites Netz ohne zentrale Steuerung funktioniert.

Benötigte Grundlagen

Dieses Vorwissen brauchst du für das Kapitel. Schau kurz nach, wenn dir etwas davon nicht mehr präsent ist, sonst leg direkt los.

Einführung

Niemand betreibt das Internet. Es gibt keine Zentrale, die weiß, welche Rechner angeschlossen sind, keinen Hauptschalter und keine Stelle, die den Weg jeder plant.

Trotzdem erreicht eine Nachricht aus Erfurt einen Rechner in Neuseeland, meist in unter einer Sekunde, und zwar auch dann, wenn unterwegs ein Kabel ausfällt.

Dass das funktioniert, liegt an drei Ideen, die alle drei bemerkenswert einfach sind. Wer sie kennt, versteht nicht nur das Internet, sondern auch, warum es so robust ist und wo genau seine Schwächen liegen.

Das kannst du nach diesem Kapitel

  • ein Protokoll als Vereinbarung beschreiben und einen Ablauf als Protokolldialog darstellen.

  • erklären, wozu eine Adresse dient und warum es Namen und Nummern gibt.

  • die Paketvermittlung erklären und ihre Vorteile gegenüber einer festen Leitung begründen.

  • den Weg einer E-Mail und den Aufruf einer Webseite als Modell darstellen.

  • die Bewertung von Suchergebnissen beschreiben und ihre Folgen für die Recherche beurteilen.

Kurz aufgefrischt

Vorausgesetzt wird aus Klasse 9: Das Internet ist der Transportweg, ein Dienst ist der Zweck, und im fragt der eine und antwortet der andere. Wenn das unklar ist, lies zuerst Internetdienste.

Hier geht es darum, wie dieser Transport überhaupt zustande kommt. Die technischen Einzelheiten, also Aufbau einer IP-Adresse, Schichtenmodell und Wegewahl, folgen in der Qualifikationsphase; hier bauen wir das Modell dahinter.

Idee 1: das Protokoll

Zwei Rechner, die miteinander reden sollen, brauchen mehr als eine Leitung. Sie müssen sich einig sein, was in welcher Reihenfolge gesagt wird.

Genau das ist ein Protokoll: ein Regelwerk, das festlegt, wie eine aufgebaut ist, welche Antworten es gibt und in welcher Reihenfolge gesprochen wird.

Ein Protokolldialog beim Abruf einer Webseite sieht vereinfacht so aus:

Client: GET /plan.html HTTP/1.1
        Host: schule.example
Server: HTTP/1.1 200 OK
        Content-Type: text/html
        Content-Length: 4820
        (danach die 4820 Zeichen der Seite)

Drei Dinge lohnen den genauen Blick:

Der sagt zuerst, was er will. Der Server wartet; er fragt nie von sich aus.

Die Antwort beginnt mit einer Nummer. 200 heißt „hier ist es“, 404 „gibt es nicht“, 500 „bei mir ist etwas kaputt“. Die Nummer ist wichtiger als der Text daneben, denn ein Programm kann sie auswerten, ohne Deutsch oder Englisch zu verstehen.

Vor dem Inhalt stehen Angaben über den Inhalt. Der Server sagt, um welche Art von es sich handelt und wie viele Zeichen kommen. Ohne die Längenangabe wüsste der Client nicht, wann die Antwort zu Ende ist.

🔴 Der letzte Punkt ist die eigentliche Leistung eines Protokolls. Es beantwortet die Fragen, die sich sonst gar nicht klären ließen: Wo fängt eine Nachricht an, wo hört sie auf, wie ist sie zu lesen, und was tue ich im Fehlerfall?

Idee 2: die Adresse

Damit eine ankommt, braucht der eine eindeutige Adresse. Im Internet gibt es davon zwei Sorten, und das hat einen Grund.

Nummern sind für Maschinen gemacht. Sie haben eine feste Länge, lassen sich schnell vergleichen und in einer Tabelle nachschlagen.

Namen sind für Menschen gemacht. Man kann sie sich merken, aussprechen und aufschreiben.

Zwischen beiden vermittelt der Namensdienst: Er übersetzt einen Namen in die zugehörige Nummer. Jeder Seitenaufruf beginnt deshalb mit einer Nachfrage dort, bevor überhaupt die erste Anfrage abgeschickt wird.

Der Nutzen dieser Trennung ist praktisch: Zieht eine Webseite auf einen anderen Rechner um, ändert sich ihre Nummer, aber der Name bleibt. Man muss lediglich den Eintrag im Namensdienst ändern, und alle Verweise stimmen weiter. Wäre die Nummer überall aufgeschrieben, müsste man jeden einzelnen Verweis ändern.

Das ist derselbe Gedanke wie beim Schlüssel in der Datenbank: Ein Verweis zeigt auf eine stabile Kennung, nicht auf einen veränderlichen Wert.

Zwei Adressarten, und warum es beide braucht

Die NummerDer NameFür wen gemacht?für Maschinenfür MenschenWas kann sie oder er gut?feste Länge,schnellvergleichbar, inTabellennachschlagbarmerkbar,aussprechbar,aufschreibbarWas passiert beim Umzug auf einenanderen Rechner?sie ändert sicher bleibt, nurder Eintrag imNamensdienständert sichEin Verweis zeigt auf eine stabileKennung, nicht auf einenveränderlichen Wert.

Die dritte Zeile ist der eigentliche Grund für diese Trennung. Zieht eine Webseite auf einen anderen Rechner um, ändert sich ihre Nummer, aber alle Verweise darauf zeigen ja auf den Namen, und der bleibt. Man ändert einen einzigen Eintrag im Namensdienst, und alles stimmt weiter. Stünde die Nummer überall aufgeschrieben, müsste man jeden einzelnen Verweis nachziehen und würde dabei welche übersehen. Genau diesen Gedanken kennst du schon aus dem Datenbankkapitel: Ein zeigt auf eine stabile Kennung, nicht auf einen Wert, der sich ändern kann.

Idee 3: die Paketvermittlung

Die dritte Idee ist die überraschendste. Eine wird nicht am Stück verschickt, sondern in Pakete zerlegt, die einzeln und unabhängig voneinander reisen. Jedes trägt Absender, und eine laufende Nummer.

Warum dieser Aufwand? Vergleichen wir mit der Alternative, einer fest geschalteten Leitung wie beim alten Telefon:

feste LeitungPaketvermittlung
während des GesprächsLeitung ist belegt, auch in PausenLeitung trägt gleichzeitig fremde Pakete
bei Ausfall einer StreckeVerbindung bricht abPakete nehmen einen anderen Weg
Auslastungschlecht, viele Leerzeitenhoch, Lücken werden gefüllt
Reihenfolge beim Empfängergarantiertnicht garantiert, muss sortiert werden
AufwandgeringNummerierung, Sortierung, Nachforderung

Die Paketvermittlung tauscht also Einfachheit gegen Belastbarkeit. Sie ist aufwendiger, verkraftet dafür Ausfälle und teilt die vorhandenen Leitungen unter vielen auf.

Aus der unabhängigen Reise folgt unmittelbar, was der Empfänger tun muss:

  1. Sortieren, denn Paket 7 kann vor Paket 5 ankommen.
  2. Fehlende nachfordern, denn Pakete können verloren gehen.
  3. Doppelte verwerfen, denn eine Nachforderung kann sich mit dem verspäteten Original kreuzen.

Diese drei Aufgaben übernimmt ein eigenes Protokoll, sodass die Anwendung davon nichts merkt. Das ist wieder Abstraktion: eine Ebene verbirgt Einzelheiten, damit die nächste arbeiten kann.

Vier Pakete, zwei Wege, eine falsche Reihenfolge

Eine Nachricht, in vier Pakete zerlegt12341, 32, 41, 32, 4AbsenderWeg über NordWeg über SüdEmpfängerAnkunft in dieser Reihenfolge2143Jedes Paket trägt Absender,Empfänger und seine Nummer,ohne die Nummer wäre dieReihenfolge verloren.

Oben die , zerlegt in vier Pakete; unten die Reihenfolge, in der sie ankommen. Vergleiche die beiden Zeilen. Sie stimmen nicht überein, und das ist kein Fehler, sondern die Bauart des Verfahrens. Weil jedes Paket unabhängig reist und der südliche Weg gerade schneller ist, überholt Paket 2 die Nummer 1. Daraus folgen unmittelbar die drei Aufgaben des : sortieren (Paket 4 kann vor Paket 3 kommen), fehlende nachfordern (Pakete können verloren gehen) und doppelte verwerfen (eine Nachforderung kann sich mit dem verspäteten Original kreuzen). Ein eigenes Protokoll erledigt das, und die Anwendung darüber merkt davon nichts.

Eine Strecke fällt aus, die Nachricht kommt trotzdem an

1, 2, 3, 41, 2, 3, 4AbsenderWeg über NordWeg über SüdEmpfängerAnkunft in dieser Reihenfolge1234Dieselbe Nachricht, dieselbenvier Pakete, nur die südlicheStrecke ist ausgefallen.

Vergleiche dieses Bild Strecke für Strecke mit dem vorigen: Es ist dasselbe Netz, nur ist der südliche Weg ausgefallen. Und nun sieh nach, wo die Nummern stehen, alle vier laufen jetzt über Nord. Niemand musste eingreifen, es gibt keine Ersatzschaltung und keinen Neustart; die Pakete nehmen einfach den Weg, den es noch gibt. Bei einer fest geschalteten Leitung wäre an dieser Stelle das Gespräch abgebrochen. Genau das meint der Satz, dass die Paketvermittlung Einfachheit gegen Belastbarkeit tauscht: Sie kostet Nummerierung, Sortierung und Nachforderung und verkraftet dafür den Ausfall einer ganzen Strecke, ohne dass es jemandem auffällt.

Der Weg einer E-Mail als Modell

Mit diesen drei Ideen lässt sich der Ablauf sauber beschreiben:

Absender-Programm ──(Protokoll zum Versenden)──→ Postausgangsserver
Postausgangsserver ──(Namensdienst: Wer nimmt Post für diese Adresse an?)
Postausgangsserver ──(Protokoll zum Versenden)──→ Eingangsserver des Empfängers
Eingangsserver ──(legt die Nachricht ins Postfach)
Empfänger-Programm ──(Protokoll zum Abholen)──→ Eingangsserver

Drei Beobachtungen, die man am Modell ablesen kann und nicht auswendig lernen muss:

Es sind zwei verschiedene Protokolle beteiligt, eines zum Versenden und eines zum Abholen. Deshalb kann man Mails mit einem Programm senden und mit einem anderen lesen.

Der Namensdienst wird auch hier gebraucht. Der Teil der Adresse hinter dem At-Zeichen ist ein Name, kein Rechner.

Zwischen Zustellung und Abholung liegt beliebig viel Zeit. Genau das unterscheidet E-Mail vom Videoanruf, und daraus folgt auch, dass eine abgeschickte Mail nicht zurückholbar ist.

Die drei Ideen am Weg einer E-Mail

Dein Programmübergibt die NachrichtProtokoll zum VersendenPostausgangsserverfragt beim Namensdienst nachdem ZielProtokoll zum Versenden, nachder NamensauflösungEingangsservernimmt die Nachricht an undlegt sie ins PostfachProtokoll zum Abholen, einanderesProgramm des Empfängersholt sie ab, irgendwann

Alle drei Ideen dieses Kapitels stecken in diesem einen Weg. Protokolle: Auf den Pfeilen stehen drei davon, und das zum Abholen ist ein anderes als das zum Versenden, deshalb kannst du Mails mit einem Programm schreiben und mit einem anderen lesen. Adressen: Der zweite muss erst beim Namensdienst nachfragen, denn der Teil hinter dem At-Zeichen ist ein Name, kein Rechner. Und die dritte Station ist die entscheidende: Dort liegt die , und zwischen Zustellung und Abholung darf beliebig viel Zeit vergehen. Genau das unterscheidet E-Mail vom Videoanruf, und daraus folgt auch, dass eine abgeschickte Mail nicht zurückholbar ist: Sie liegt längst auf einem fremden Rechner.

Suchmaschinen: warum die Reihenfolge eine Behauptung ist

Der Index einer Suchmaschine liefert zu einem Wort oft Millionen Treffer. Die eigentliche Leistung ist deshalb nicht das Finden, sondern das Sortieren.

Bewertet wird nach Regeln, und die wichtigsten Gruppen sind:

  • Textbezug: Kommt das Wort vor, an prominenter Stelle, wie oft im Verhältnis zur Textlänge?
  • Ansehen: Wie viele andere Seiten verweisen auf diese, und wie angesehen sind diese wiederum? Ein Verweis zählt als Empfehlung.
  • Nutzungssignale: Bleiben Besucher auf der Seite oder kehren sie sofort zurück?
  • Aktualität und technische Güte: Ladezeit, Darstellung auf kleinen Bildschirmen.
  • Anzeigen: gekennzeichnet und getrennt von den übrigen Treffern.

🔴 Die Folge für die eigene Arbeit ist wichtig: Die Reihenfolge misst Bekanntheit und Passung zur Anfrage, nicht Richtigkeit. Eine sorgfältig belegte Fachseite mit wenigen Verweisen steht hinter einem populären Blogbeitrag. Für eine Recherche heißt das, dass Position kein Qualitätsmerkmal ist und Urheber, Datum und Belege in jedem Fall selbst geprüft werden müssen.

Und eine zweite Folge: Weil Verweise als Empfehlung zählen, lohnt es sich für manche, künstlich Verweise zu erzeugen. Suchmaschinen wehren sich dagegen, und daraus entsteht ein dauerndes Wettrennen. Auch deshalb ändern sich Ergebnisse über die Zeit, ohne dass sich die Seiten geändert hätten.

Einen Protokolldialog lesen

Erkläre, was in diesem Ablauf passiert und was schiefgeht.

  1. 1

    Der Dialog:

    Client: GET /vertretung.html HTTP/1.1
            Host: schule.example
    Server: HTTP/1.1 404 Not Found
            Content-Type: text/html
            Content-Length: 137
            (137 Zeichen Fehlerseite)
    
  2. 2

    Zeile 1: Der fordert eine bestimmte Seite an. GET ist die Anweisung „gib mir“, danach steht der Pfad.

  3. 3

    Zeile 2: Der Host wird ausdrücklich genannt, weil auf einem Rechner mehrere Webseiten liegen können. Ohne diese Angabe wüsste der Server nicht, welche gemeint ist.

  4. 4

    Antwort: 404 bedeutet, dass der Server erreichbar war und die Anfrage verstanden hat, unter diesem Pfad aber nichts liegt. Das ist ein wichtiger Unterschied zu „Server nicht erreichbar“: Hier hat jemand geantwortet.

  5. 5

    Und trotzdem kommt Inhalt: 137 Zeichen Fehlerseite. Auch eine Fehlermeldung ist eine vollständige Antwort mit Angaben über ihren Inhalt. Ein Programm erkennt am 404, dass es sich nicht um die gewünschte Seite handelt, und zeigt sie trotzdem an.

  6. 6

    Fehlerursache: Meist ein Tippfehler im Verweis oder eine umbenannte . Zu prüfen ist der Pfad, nicht die Verbindung.

Server erreichbar, Anfrage verstanden, Pfad existiert nicht. Der Fehler liegt beim Verweis, nicht im Netz.

Warum Pakete besser sind als eine feste Leitung

Eine wird in 5 Pakete zerlegt. Unterwegs fällt eine Verbindung aus, nachdem Paket 1 und 2 durch sind, und Paket 4 geht verloren. Beschreibe den Ablauf und vergleiche mit einer festen Leitung.

  1. 1

    Pakete 1 und 2 sind bereits angekommen und werden nach Nummer einsortiert.

  2. 2

    Ausfall der Strecke: Die folgenden Pakete werden von den Zwischenstellen über einen anderen Weg geschickt. Absender und merken davon nichts; niemand muss neu verbinden.

  3. 3

    Pakete 3 und 5 kommen an, Paket 4 nicht. Der Empfänger stellt die Lücke fest, weil die Nummern 3 und 5 vorliegen, aber nicht 4.

  4. 4

    Nachforderung: Der Empfänger fordert genau Paket 4 erneut an. Es müssen also nicht alle fünf noch einmal geschickt werden, sondern nur das fehlende.

  5. 5

    Zusammensetzen: Nach Eintreffen von Paket 4 liegt alles vollständig vor und wird nach Nummern sortiert. Die Anwendung bekommt die Nachricht am Stück, als wäre nichts gewesen.

  6. 6

    Feste Leitung im Vergleich: Der Ausfall hätte die Verbindung getrennt. Die Übertragung müsste neu begonnen werden, und zwar von vorn, weil ohne Nummerierung nicht bekannt ist, wie weit man gekommen war.

Umleitung ohne Abbruch, gezielte Nachforderung eines einzelnen Pakets, unveränderte Anwendung. Die feste Leitung hätte alles neu übertragen müssen.

Typischer Fehler

„Wenn die Seite nicht lädt, ist das Internet kaputt.“

Der Satz fasst mehrere völlig verschiedene Fehlerorte zu einem zusammen, und genau deshalb hilft er beim Suchen nicht.

Zwischen dir und der Seite liegen mindestens fünf Stationen, und jede kann für sich ausfallen:

  1. Dein Gerät: kein Netzzugang, falsche Einstellung.
  2. Dein Anschluss: Router aus, Leitung gestört.
  3. Der Namensdienst: Der Name lässt sich nicht in eine Nummer übersetzen.
  4. Der Weg dorthin: Eine Strecke ist überlastet oder unterbrochen.
  5. Der Zielserver: Er läuft nicht, oder die Seite gibt es unter diesem Pfad nicht.

Die Meldungen unterscheiden diese Fälle bereits. 404 bedeutet, dass der erreichbar war und geantwortet hat; das Netz funktioniert also, nur der Pfad stimmt nicht. Zeitüberschreitung bedeutet, dass gar keine Antwort kam. Name nicht auflösbar zeigt auf Station 3.

Die Prüfung geht deshalb von innen nach außen: Lädt eine andere Seite? Dann liegt es nicht an deinem Anschluss. Lädt die Seite von einem anderen Gerät im selben Netz? Dann liegt es an deinem Gerät. Erreicht ein Freund sie von woanders? Dann liegt es an deinem Weg dorthin, nicht am Server.

Das ist genau das Einkreisen aus dem Kapitel Vom Algorithmus zum Programm, nur auf ein Netz angewandt: halbieren, statt raten.

Übung 1

leicht

a) Was legt ein Protokoll fest? Nenne drei Punkte. b) Wozu dient der Namensdienst? c) Was bedeutet die Antwortnummer 404, und was folgt daraus für die Fehlersuche?

Tipp anzeigen

Zu c): Wer hat geantwortet, damit diese Nummer überhaupt ankommt?

Lösung anzeigen

a) Zum Beispiel: den Aufbau einer , die möglichen Antworten, die Reihenfolge der Beiträge, außerdem Angaben über den Inhalt wie Art und Länge.

b) Er übersetzt einen Namen in die zugehörige Nummer. Dadurch können Menschen sich Namen merken, während Maschinen mit Nummern arbeiten, und ein Umzug auf einen anderen Rechner bleibt für alle Verweise unsichtbar.

c) 404 bedeutet: Der war erreichbar und hat die Anfrage verstanden, unter dem angeforderten Pfad liegt aber nichts. Daraus folgt, dass Netz und Server funktionieren und der Fehler beim Pfad liegt, also meist ein Tippfehler oder eine umbenannte .

Detaillierte Schritterklärung anzeigen

Hier wird jeder Schritt einzeln erklärt, vor allem, warum er gemacht wird.

Erklärungstiefe

✦ Empfohlen: Standard – Die normale Erklärungstiefe passt zum Einstieg.

  1. 1

    a) Ein Protokoll ist eine Vereinbarung über die Form des Gesprächs

    Ein Protokoll legt fest: den Aufbau einer Nachricht, die möglichen Antworten, die Reihenfolge der Beiträge, dazu Angaben über den Inhalt wie Art und Länge. Es regelt also die Form, nicht den Inhalt.

  2. 2

    b) Der Namensdienst übersetzt Namen in Nummern

    Er übersetzt einen Namen in die zugehörige Nummer. Dadurch können Menschen sich Namen merken, während Maschinen mit Nummern arbeiten und ein Umzug auf einen anderen Rechner bleibt für alle Verweise unsichtbar.

  3. 3

    c) 404 verrät, was funktioniert

    404 bedeutet: Der Server war erreichbar und hat die Anfrage verstanden, unter dem angeforderten Pfad liegt aber nichts. Daraus folgt für die Fehlersuche: Netz und Server funktionieren, der Fehler liegt beim Pfad, meist ein Tippfehler oder eine umbenannte Datei.

Übung 2

mittel

Eine von 12 Kilobyte wird in Pakete zu je 1500 zerlegt.

a) Wie viele Pakete entstehen mindestens? b) Paket 3 und Paket 7 gehen verloren. Beschreibe, wie der das merkt und was er tut. c) Warum trägt jedes Paket die volle Empfängeradresse, obwohl sie in allen Paketen gleich ist? d) Nenne einen Nachteil der Paketvermittlung gegenüber einer festen Leitung und ein Beispiel, wo er ins Gewicht fällt.

Tipp anzeigen

Zu c): Was wäre, wenn ein Paket einen anderen Weg nimmt als seine Vorgänger?

Lösung anzeigen

a) 12 kB=12 00012\ \text{kB} = 12\,000 Byte. 12 000:1500=812\,000 : 1500 = 8, also 8 Pakete. (Käme ein Rest heraus, bräuchte man ein weiteres, teilweise gefülltes Paket.)

b) Der Empfänger sortiert die eintreffenden Pakete nach ihrer Nummer. Er stellt fest, dass zwischen 2 und 4 sowie zwischen 6 und 8 eine Nummer fehlt, und fordert genau diese beiden nach. Alle übrigen behält er; nur die fehlenden werden erneut übertragen.

c) Weil die Pakete unabhängig voneinander reisen und unterschiedliche Wege nehmen können. Eine Zwischenstelle, die ein Paket weiterleitet, hat die vorherigen vielleicht nie gesehen und muss allein anhand dieses Pakets entscheiden können, wohin es geht. Jedes Paket muss deshalb für sich vollständig sein.

d) Nachteil: Die Ankunftszeit schwankt, weil jedes Paket einen anderen Weg nehmen und in Warteschlangen stehen kann; außerdem entsteht Aufwand durch Nummerierung, Sortierung und Nachforderung. Ins Gewicht fällt das bei Echtzeitanwendungen, etwa Videotelefonie oder Onlinespielen: Ein nachgefordertes Paket kommt dort zu spät, um noch zu nützen. Deshalb verzichten solche Anwendungen häufig auf die Nachforderung und nehmen lieber eine kurze Störung in Kauf.

Detaillierte Schritterklärung anzeigen

Hier wird jeder Schritt einzeln erklärt, vor allem, warum er gemacht wird.

Erklärungstiefe

✦ Empfohlen: Standard – Die normale Erklärungstiefe passt zum Einstieg.

  1. 1

    Teil a): Einheiten angleichen, dann teilen

    Die Nachrichtengröße steht in Kilobyte, die Paketgröße in Byte. Vor dem Teilen muss beides dieselbe Einheit haben, sonst ist das Ergebnis um den Faktor 1000 falsch.

    12\ \text{kB} = 12,000\ \text{Byte} \qquad 12,000 : 1500 = 8

    Zwischenergebnis

    8 Pakete.

    Geht die Division nicht auf, wird aufgerundet: Der Rest braucht ein eigenes, nur teilweise gefülltes Paket. Ein halbes Paket gibt es nicht.

  2. 2

    Teil b): Die Lücke ist der Hinweis

    Der Empfänger kennt die Gesamtzahl nicht unbedingt im Voraus, sieht aber die Nummern. Fehlt zwischen zwei vorhandenen eine Nummer, ist genau dieses Paket unterwegs verloren gegangen.

    Zwischenergebnis

    Fehlend: 3 und 7. Nachgefordert werden genau diese beiden.

  3. 3

    Teil c): Warum jedes Paket vollständig sein muss

    Die Zwischenstellen im Netz merken sich nichts über frühere Pakete. Jede Entscheidung über den Weiterweg trifft eine Zwischenstelle allein anhand des Pakets, das gerade vor ihr liegt.

    Zwischenergebnis

    Ohne Adresse im Paket wüsste keine Zwischenstelle, wohin damit.

  4. 4

    Teil d): Den Nachteil an einem Fall festmachen

    Ein Nachteil ist erst dann ein Argument, wenn man sagt, wo er wirkt. Bei Dateiübertragung stört eine Verzögerung kaum, bei einem Gespräch schon.

    Zwischenergebnis

    Schwankende Ankunftszeit; kritisch bei Echtzeitanwendungen.

    Deshalb gibt es zwei Arten von Transportprotokollen: eines mit Nachforderung für Dateien und Webseiten, eines ohne für Sprache und Video. Man wählt nach dem Zweck, nicht nach „besser“.

Übung 3

schwer

a) Eine Schule zieht ihre Webseite auf einen neuen um. Erkläre mit den Begriffen dieses Kapitels, warum die alte Adresse trotzdem weiter funktioniert. b) Beschreibe den vollständigen Weg einer E-Mail von Erfurt nach Neuseeland als Modell mit allen Beteiligten. c) Ein Schüler behauptet: „Der erste Treffer bei einer Suche ist immer die beste Quelle.“ Widerlege das und nenne zwei Prüfschritte für eine Recherche. d) Warum ist ein Netz ohne Zentrale belastbarer als eines mit Zentrale, und welchen Preis zahlt man dafür?

Tipp anzeigen

Zu d): Was passiert in beiden Fällen, wenn eine Stelle ausfällt?

Lösung anzeigen

a) Die Adresse, die Menschen benutzen, ist ein Name. Der Rechner dahinter wird über eine Nummer angesprochen, und die Zuordnung steht im Namensdienst. Beim Umzug ändert sich nur die Nummer; man ändert den einen Eintrag im Namensdienst, und alle Verweise, Lesezeichen und Suchtreffer zeigen weiterhin richtig. Wäre die Nummer überall aufgeschrieben, müsste man jeden einzelnen Verweis nachziehen. Das ist derselbe Gedanke wie ein , der auf eine stabile Kennung zeigt und nicht auf einen veränderlichen Wert.

b) Modell:

  1. Mailprogramm des Absenders sendet über das Versandprotokoll an den Postausgangsserver seines Anbieters.
  2. Dieser fragt den Namensdienst, welcher Server Post für die Empfängeradresse annimmt.
  3. Er überträgt die , in Pakete zerlegt, über beliebig viele Zwischenstellen zum Eingangsserver in Neuseeland. Fällt unterwegs eine Strecke aus, nehmen die Pakete einen anderen Weg.
  4. Der Eingangsserver setzt die Pakete zusammen und legt die Nachricht ins Postfach.
  5. Irgendwann holt das Programm des sie über das Abholprotokoll ab.

c) Die Reihenfolge entsteht aus Bewertungsregeln, die vor allem Textbezug, Verweise anderer Seiten und Nutzungssignale messen. Keine dieser Größen prüft, ob der Inhalt stimmt: Eine populäre, oft verlinkte Seite steht vorn, auch wenn sie veraltet oder falsch ist, und eine sorgfältig belegte Fachseite mit wenigen Verweisen weit hinten. Zwei Prüfschritte: Erstens Urheber und Datum feststellen, denn ohne beides lässt sich weder Sachkenntnis noch Aktualität beurteilen. Zweitens die Angabe in einer unabhängigen zweiten Quelle wiederfinden; stimmen zwei voneinander unabhängige Quellen überein, steigt die Verlässlichkeit erheblich.

d) Mit Zentrale: Fällt sie aus, ist alles betroffen, denn jede Verbindung läuft über sie. Sie ist außerdem ein lohnendes Ziel für Angriffe und ein Engpass bei hoher Last. Ohne Zentrale: Jede Zwischenstelle entscheidet für sich, wohin ein Paket als Nächstes geht. Fällt eine aus, laufen die Pakete um sie herum, und der Rest des Netzes merkt nichts.

Der Preis besteht aus drei Dingen: Jedes Paket muss die vollständige Adresse mitführen, was Übertragungsaufwand kostet; niemand hat einen Gesamtüberblick, weshalb Fehlersuche schwierig ist; und es gibt keine Stelle, die Reihenfolge oder pünktliche Ankunft zusichern könnte, sodass der Empfänger sortieren und nachfordern muss.

Detaillierte Schritterklärung anzeigen

Hier wird jeder Schritt einzeln erklärt, vor allem, warum er gemacht wird.

Erklärungstiefe

✦ Empfohlen: Standard – Die normale Erklärungstiefe passt zum Einstieg.

  1. 1

    a) Der Umzug ändert die Nummer, nicht den Namen

    Die Adresse, die Menschen benutzen, ist ein Name. Der Rechner dahinter wird über eine Nummer angesprochen, und die Zuordnung steht im Namensdienst. Beim Umzug ändert sich nur die Nummer; man ändert einen Eintrag, und alle Verweise, Lesezeichen und Suchtreffer zeigen weiterhin richtig.

  2. 2

    b) Den Weg einer E-Mail als Modell mit allen Beteiligten

    1. Das Mailprogramm sendet über das Versandprotokoll an den Postausgangsserver des Anbieters. 2. Dieser fragt den Namensdienst, welcher Server Post für die Empfängeradresse annimmt. 3. Er überträgt die Nachricht, in Pakete zerlegt, über beliebig viele Zwischenstellen nach Neuseeland; fällt eine Strecke aus, nehmen die Pakete einen anderen Weg. 4. Der Eingangsserver setzt zusammen und legt ins Postfach. 5. Irgendwann holt das Programm des Empfängers sie über das Abholprotokoll ab.

  3. 3

    c) Warum der erste Treffer nicht die beste Quelle ist

    Die Reihenfolge entsteht aus Bewertungsregeln, die vor allem Textbezug, Verweise anderer Seiten und Nutzungssignale messen. Keine dieser Größen prüft, ob der Inhalt stimmt. Zwei Prüfschritte: Urheber und Datum feststellen, und die Angabe in einer unabhängigen zweiten Quelle wiederfinden.

  4. 4

    d) Ein Netz ohne Zentrale: belastbarer, und was es kostet

    Mit Zentrale: Fällt sie aus, ist alles betroffen; sie ist ein lohnendes Angriffsziel und ein Engpass bei hoher Last. Ohne Zentrale: Jede Zwischenstelle entscheidet selbst, wohin ein Paket geht; fällt eine aus, laufen die Pakete um sie herum, und der Rest merkt nichts.

  5. 5

    d) Der Preis der Dezentralität, drei Kosten

    Erstens: Jedes Paket muss die vollständige Adresse mitführen, was Übertragungsaufwand kostet. Zweitens: Niemand hat einen Gesamtüberblick, weshalb die Fehlersuche schwierig ist. Drittens: Es gibt keine Stelle, die Reihenfolge oder pünktliche Ankunft zusichern könnte, der Empfänger muss sortieren und nachfordern.

Zusammenfassung

Das Internet funktioniert ohne Zentrale, weil drei einfache Ideen zusammenwirken. Ein Protokoll ist eine Vereinbarung darüber, wie eine aufgebaut ist, welche Antworten es gibt und in welcher Reihenfolge gesprochen wird; seine Antwortnummern sind für Programme gemacht, nicht für Menschen. Eine Adresse bezeichnet den eindeutig, und weil Menschen Namen und Maschinen Nummern brauchen, vermittelt ein Namensdienst zwischen beiden, wodurch ein Umzug für alle Verweise unsichtbar bleibt. Die Paketvermittlung zerlegt Nachrichten in nummerierte Pakete, die einzeln reisen; das kostet Aufwand für Sortieren, Nachfordern und Verwerfen von Doppelten, macht das Netz aber belastbar gegenüber Ausfällen und teilt die Leitungen unter vielen auf. Mit diesen drei Ideen lassen sich der Weg einer E-Mail und der Aufruf einer Webseite vollständig als Modell beschreiben. Die Reihenfolge von Suchergebnissen misst dabei Bekanntheit und Passung zur Anfrage, niemals Richtigkeit.