Wärmeausdehnung eines Festkörpers
Worum geht es?
Feste Körper dehnen sich beim Erwärmen aus: wenig, aber unaufhaltsam. Der Längenausdehnungsapparat übersetzt die Winzigkeit in Messbares: Ein Rohr wird von Dampf durchströmt (definierte Erwärmung), eine Messuhr registriert Hundertstelmillimeter. Ergebnis ist der Längenausdehnungskoeffizient : die Stoffkennzahl, die Brückenbauer, Gleisleger und Glasbläser gleichermaßen regiert.
Warum macht man dieses Experiment?
Die Zahlen sind klein, die gewaltig. Verhinderte Ausdehnung sprengt Beton und verwirft Gleise; deshalb gibt es Dehnungsfugen, Rollenlager an Brücken und Kompensatoren in Rohrleitungen. Und die Stoffabhängigkeit von ist die Grundlage des Bimetalls (eigenes ) wie das Ausdehnungsproblem von Glas („feuerfest“ heißt kleines α!).
Die physikalische Idee
Das Messrohr ist einseitig fest eingespannt, das freie Ende drückt auf eine Messuhr (Auflösung 0,01 mm). Dampf aus dem Erlenmeyerkolben durchströmt das Rohr und erwärmt es von Raumtemperatur (20 °C) auf Siedetemperatur (100 °C): , ohne Thermometer am Rohr. Der Messuhr-Zuwachs liefert ; verschiedene Rohrmaterialien liefern die α-Rangliste.
Benötigtes Vorwissen
Für dieses Experiment hilft dir dieses Vorwissen. Du kannst es jederzeit nachschlagen — das Experiment bleibt auch so verständlich.
- Teilchenmodell der Wärme
- Fixpunkt Siedetemperatur (Temperatur-Experiment)
Wissenschaftliche Einordnung
Längenausdehnung wurde im 18. Jahrhundert für Pendeluhren kritisch ( verstimmte den Gang: Harrison erfand Kompensationspendel); der Eisenbahnbau machte α zur Ingenieurszahl. Moderne Antwort auf das Problem: Invar (α fast null, Nobelpreis 1920) und lückenlos verschweißte, vorgespannte Gleise.
Versuchsziel
Aktuelles Versuchsziel
Ausdehnung messen und α bestimmen
Miss die Längenzunahme dreier Rohrmaterialien bei Dampferwärmung und bestimme jeweils den Ausdehnungskoeffizienten .
Gesucht
- — Längenausdehnungskoeffizient (in )
Die Stoffkennzahl: Ziel der Auswertung.
Gemessen
- — Längenzunahme (in )
An der Messuhr: die Kernmessung im Zehntelmillimeter-Bereich.
- — Temperaturänderung (in )
Siedetemperatur minus Raumtemperatur: der Fixpunkt liefert das heiße Ende.
Bekannt
- — Ausgangslänge (in )
1,00 m zwischen Festpunkt und Messuhr.
Der Weg von der Messung zum Ergebnis:
Für diese Zielsetzung brauchst du:
- Das Ausdehnungsgesetz; nach α umgestellt wird es zur Auswerteformel.Zur Formelsammlung
Versuchsprotokoll
So ist ein physikalisches Versuchsprotokoll aufgebaut. Die Reihenfolge ist immer dieselbe — die Inhalte gehören zu deinem gewählten Versuchsziel.
1Aufgabenstellung
Bestimme für Stahl, Kupfer und Aluminium (je 1,00 m) die Ausdehnung beim Übergang von Raumtemperatur (20 °C) auf Dampftemperatur, berechne die drei α-Werte und vergleiche mit den Tabellenwerten.
2Vorbetrachtung
Warum die Messuhr nötig ist: Erwartet werden Zuwächse um einen Millimeter auf einen Meter. Kein Lineal misst das am eingebauten Rohr; die Messuhr mit 0,01-mm-Teilung schafft 1 Prozent Auflösung auf den Effekt.
Warum Dampf statt Heißluft oder Flamme: Das ganze Rohr muss auf einer definierten sein. Eine Flamme heizte lokal, Heißluft undefiniert. Durchströmender Dampf kondensiert überall dort, wo das Rohr kälter als 100 °C ist, und gibt dabei seine Kondensationswärme ab. Er zwingt das Rohr flächendeckend auf Siedetemperatur; der Fixpunkt aus dem Temperatur-Experiment arbeitet hier als Heizungsthermostat.
Vorhersage für Stahl: , knapp ein Millimeter und gut messuhr-tauglich; Aluminium sollte das Doppelte zeigen.
3Geräte / Stoffe
Messuhr vor jedem Durchgang am kalten Rohr nullen; Dampf so lange durchleiten, bis die Anzeige stillsteht (Rohr durchgewärmt); zwischen den Materialien abkühlen lassen und Rückkehr auf null prüfen.
Ausdehnungsapparat mit Messuhr (0,01 mm)
Die Übersetzungsmaschine: macht Zehntelmillimeter ablesbar.
Rohre aus Stahl, Kupfer, Aluminium (1,00 m)
Die Prüflinge für die Material-Rangliste.
Dampfentwickler
Die geniale Heizung: Dampf bringt das ganze Rohr auf genau 100 °C. ist über den Siedepunkt definiert, der Fixpunkt als Werkzeug.
Raumthermometer
Liefert die Ausgangstemperatur für ΔT.
4Skizze des Versuchsaufbaus
Apparat im Längsschnitt: Festpunkt links, Rohr, Messuhr rechts am freien Ende; Dampfweg vom Kolben durchs Rohr zum Kondensatglas.
Das Teilchenbild der Ausdehnung: Wärmer heißt heftigeres Schwingen um die Gitterplätze. Die Teilchen beanspruchen mehr Raum, und der Körper wächst in alle Richtungen, hier gemessen als Länge.
Aufbau: Längenausdehnungsapparat mit auswechselbaren Rohren (Stahl, Kupfer, Aluminium, je 1,00 m zwischen Festpunkt und Messuhr), Dampfentwickler (Erlenmeyerkolben auf Heizplatte) mit Schlauch, Auffanggefäß fürs Kondensat, Raumthermometer.
5Durchführung
Je Material: Rohr einspannen, Raumtemperatur notieren, Messuhr nullen; Dampf durchleiten bis zum Anzeigen-Stillstand; ablesen; abkühlen lassen (Rückkehr zur Null als Kontrolle).
6Beobachtung
| Material | in | in |
|---|---|---|
| Stahl | 0,96 | 12,0 |
| Kupfer | 1,36 | 17,0 |
| Aluminium | 1,92 | 24,0 |
Beispieldaten zur Veranschaulichung — keine echten Messwerte.
Beim Abkühlen kriechen alle Anzeigen vollständig auf null zurück: Die Ausdehnung ist reversibel.
7Auswertung
Die Auswertung am Stahlbeispiel:
Alle drei Werte treffen die Tabellenwerte. Die Material-Rangliste Aluminium > Kupfer > Stahl (Faktor zwei zwischen den Enden) ist quantitativ bestätigt, und die Null-Rückkehr zeigt: Es ist elastische Gitterausdehnung, keine bleibende Verformung.
Hochrechnung in den Ingenieursmaßstab: Eine 100-m-Stahlbrücke zwischen Winter (−20 °C) und Sommersonne (+40 °C) liefert . Deshalb ruht ein Brückenende auf Rollen, deshalb die kammartigen Fahrbahn-Fugen. Verhindert man diese Zentimeter, antwortet der Stahl mit , die Widerlager sprengen. Klein mal starr gleich gewaltig.
8Fazit
Ein Meter Metall wächst bei 80 K um 1 bis 2 mm, materialspezifisch (, Aluminium doppelt so viel), vollständig reversibel: Die Grundlage von Dehnungsfugen, Bimetall und „feuerfestem“ Glas ist vermessen.
9Fehlerbetrachtung
Bei Zehntelmillimeter-Messungen zählt jede Nebendehnung:
Rohr nicht vollständig durchgewärmteher systematisch
- Ursache
Zu kurzes Dampfen: das messuhrseitige Ende bleibt kühler.
- Auswirkung
Δl und α zu klein.
- Verbesserung
Bis zum mehrminütigen Anzeigen-Stillstand dampfen; Kondensatfluss am Ausgang als Durchwärm-Indiz.
Apparategestell dehnt sich miteher systematisch
- Ursache
Auch Halter und Messuhrträger werden handwarm bzw. dampfnah erwärmt.
- Auswirkung
Gegendehnung verfälscht Δl um Hundertstel.
- Verbesserung
Gestell abschirmen, zügig messen, Nullpunkt-Rückkehr kontrollieren.
Raumtemperatur ungenaueher zufällig
- Ursache
hängt am kalten Ende: ±1 K auf 80 K.
- Auswirkung
Gut ein Prozent in α.
- Verbesserung
Rohrtemperatur (nicht Lufttemperatur) vor dem Start messen.
Das Wichtigste
- Das Gesetz
: Der Zuwachs wächst mit Ausgangslänge und Temperaturschritt; ist die Stoffkennzahl (Größenordnung je Kelvin).
- Die Rangliste
Aluminium () > Kupfer () > Stahl (), je . Verschiedene Stoffe, verschiedene Dehnung: der Rohstoff des Bimetalls.
- Klein, aber mächtig
Millimeter pro Meter und 80 K: unsichtbar im Alltag, aber bei verhinderter Dehnung entstehen im Tonnenbereich. Deshalb Fugen, Loslager, Kompensatoren.
- Dampf als Präzisionsheizung
Durchströmender Dampf setzt das ganze Rohr exakt auf 100 °C: Der Fixpunkt ersetzt die schwierige Rohr-Thermometrie.