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Wärmeausdehnung eines Festkörpers

SchulversuchWärmelehre / ThermodynamikKlasse 8Standard

Worum geht es?

Feste Körper dehnen sich beim Erwärmen aus: wenig, aber unaufhaltsam. Der Längenausdehnungsapparat übersetzt die Winzigkeit in Messbares: Ein Rohr wird von Dampf durchströmt (definierte Erwärmung), eine Messuhr registriert Hundertstelmillimeter. Ergebnis ist der Längenausdehnungskoeffizient α\alpha: die Stoffkennzahl, die Brückenbauer, Gleisleger und Glasbläser gleichermaßen regiert.

Warum macht man dieses Experiment?

Die Zahlen sind klein, die gewaltig. Verhinderte Ausdehnung sprengt Beton und verwirft Gleise; deshalb gibt es Dehnungsfugen, Rollenlager an Brücken und Kompensatoren in Rohrleitungen. Und die Stoffabhängigkeit von α\alpha ist die Grundlage des Bimetalls (eigenes ) wie das Ausdehnungsproblem von Glas („feuerfest“ heißt kleines α!).

Die physikalische Idee

Das Messrohr ist einseitig fest eingespannt, das freie Ende drückt auf eine Messuhr (Auflösung 0,01 mm). Dampf aus dem Erlenmeyerkolben durchströmt das Rohr und erwärmt es von Raumtemperatur (20 °C) auf Siedetemperatur (100 °C): ΔT=80 K\Delta T = 80\ \mathrm{K}, ohne Thermometer am Rohr. Der Messuhr-Zuwachs liefert Δl\Delta l; verschiedene Rohrmaterialien liefern die α-Rangliste.

Benötigtes Vorwissen

Für dieses Experiment hilft dir dieses Vorwissen. Du kannst es jederzeit nachschlagen — das Experiment bleibt auch so verständlich.

Wissenschaftliche Einordnung

Längenausdehnung wurde im 18. Jahrhundert für Pendeluhren kritisch ( verstimmte den Gang: Harrison erfand Kompensationspendel); der Eisenbahnbau machte α zur Ingenieurszahl. Moderne Antwort auf das Problem: Invar (α fast null, Nobelpreis 1920) und lückenlos verschweißte, vorgespannte Gleise.

Versuchsziel

Aktuelles Versuchsziel

Ausdehnung messen und α bestimmen

Miss die Längenzunahme dreier Rohrmaterialien bei Dampferwärmung und bestimme jeweils den Ausdehnungskoeffizienten α\alpha.

Gesucht

  • — Längenausdehnungskoeffizient (in )

    Die Stoffkennzahl: Ziel der Auswertung.

Gemessen

  • — Längenzunahme (in )

    An der Messuhr: die Kernmessung im Zehntelmillimeter-Bereich.

  • — Temperaturänderung (in )

    Siedetemperatur minus Raumtemperatur: der Fixpunkt liefert das heiße Ende.

Bekannt

  • — Ausgangslänge (in )

    1,00 m zwischen Festpunkt und Messuhr.

Der Weg von der Messung zum Ergebnis:

Für diese Zielsetzung brauchst du:

  • Das Ausdehnungsgesetz; nach α umgestellt wird es zur Auswerteformel.Zur Formelsammlung

Versuchsprotokoll

So ist ein physikalisches Versuchsprotokoll aufgebaut. Die Reihenfolge ist immer dieselbe — die Inhalte gehören zu deinem gewählten Versuchsziel.

1Aufgabenstellung

Bestimme für Stahl, Kupfer und Aluminium (je 1,00 m) die Ausdehnung beim Übergang von Raumtemperatur (20 °C) auf Dampftemperatur, berechne die drei α-Werte und vergleiche mit den Tabellenwerten.

2Vorbetrachtung

Warum die Messuhr nötig ist: Erwartet werden Zuwächse um einen Millimeter auf einen Meter. Kein Lineal misst das am eingebauten Rohr; die Messuhr mit 0,01-mm-Teilung schafft 1 Prozent Auflösung auf den Effekt.

Warum Dampf statt Heißluft oder Flamme: Das ganze Rohr muss auf einer definierten sein. Eine Flamme heizte lokal, Heißluft undefiniert. Durchströmender Dampf kondensiert überall dort, wo das Rohr kälter als 100 °C ist, und gibt dabei seine Kondensationswärme ab. Er zwingt das Rohr flächendeckend auf Siedetemperatur; der Fixpunkt aus dem Temperatur-Experiment arbeitet hier als Heizungsthermostat.

Vorhersage für Stahl: Δl=12⋅10−6⋅1,00⋅80 m=0,96 mm\Delta l = 12 \cdot 10^{-6} \cdot 1{,}00 \cdot 80\ \mathrm{m} = 0{,}96\ \mathrm{mm}, knapp ein Millimeter und gut messuhr-tauglich; Aluminium sollte das Doppelte zeigen.

3Geräte / Stoffe

Messuhr vor jedem Durchgang am kalten Rohr nullen; Dampf so lange durchleiten, bis die Anzeige stillsteht (Rohr durchgewärmt); zwischen den Materialien abkühlen lassen und Rückkehr auf null prüfen.

  • Ausdehnungsapparat mit Messuhr (0,01 mm)

    Die Übersetzungsmaschine: macht Zehntelmillimeter ablesbar.

  • Rohre aus Stahl, Kupfer, Aluminium (1,00 m)

    Die Prüflinge für die Material-Rangliste.

  • Dampfentwickler

    Die geniale Heizung: Dampf bringt das ganze Rohr auf genau 100 °C. ΔT\Delta T ist über den Siedepunkt definiert, der Fixpunkt als Werkzeug.

  • Raumthermometer

    Liefert die Ausgangstemperatur für ΔT.

4Skizze des Versuchsaufbaus

Apparat im Längsschnitt: Festpunkt links, Rohr, Messuhr rechts am freien Ende; Dampfweg vom Kolben durchs Rohr zum Kondensatglas.

Mehr Bewegung braucht mehr PlatzkaltwarmΔlStark überzeichnet: 1 m Stahl wird bei 100 K 1,2 mm länger.Bimetall: zwei Metallekalt: geradewarm: gekrümmtAluminium, dehnt sich stärkerStahlDarauf beruht jeder Thermoschalter

Das Teilchenbild der Ausdehnung: Wärmer heißt heftigeres Schwingen um die Gitterplätze. Die Teilchen beanspruchen mehr Raum, und der Körper wächst in alle Richtungen, hier gemessen als Länge.

Aufbau: Längenausdehnungsapparat mit auswechselbaren Rohren (Stahl, Kupfer, Aluminium, je 1,00 m zwischen Festpunkt und Messuhr), Dampfentwickler (Erlenmeyerkolben auf Heizplatte) mit Schlauch, Auffanggefäß fürs Kondensat, Raumthermometer.

5Durchführung

Je Material: Rohr einspannen, Raumtemperatur notieren, Messuhr nullen; Dampf durchleiten bis zum Anzeigen-Stillstand; Δl\Delta l ablesen; abkühlen lassen (Rückkehr zur Null als Kontrolle).

6Beobachtung

Ausdehnung bei l=1,00 ml = 1{,}00\ \mathrm{m}, ΔT=80 K\Delta T = 80\ \mathrm{K} (20 → 100 °C)
MaterialΔl\Delta l in mm\mathrm{mm}α\alpha in 10−6/K10^{-6}/\mathrm{K}
Stahl0,9612,0
Kupfer1,3617,0
Aluminium1,9224,0

Beispieldaten zur Veranschaulichung — keine echten Messwerte.

Beim Abkühlen kriechen alle Anzeigen vollständig auf null zurück: Die Ausdehnung ist reversibel.

7Auswertung

Die Auswertung am Stahlbeispiel:

α=Δll⋅ΔT=0,96⋅10−3 m1,00 m⋅80 K=1,2⋅10−5 1K\alpha = \frac{\Delta l}{l \cdot \Delta T} = \frac{0{,}96 \cdot 10^{-3}\ \mathrm{m}}{1{,}00\ \mathrm{m} \cdot 80\ \mathrm{K}} = 1{,}2 \cdot 10^{-5}\ \frac{1}{\mathrm{K}}

Alle drei Werte treffen die Tabellenwerte. Die Material-Rangliste Aluminium > Kupfer > Stahl (Faktor zwei zwischen den Enden) ist quantitativ bestätigt, und die Null-Rückkehr zeigt: Es ist elastische Gitterausdehnung, keine bleibende Verformung.

Hochrechnung in den Ingenieursmaßstab: Eine 100-m-Stahlbrücke zwischen Winter (−20 °C) und Sommersonne (+40 °C) liefert Δl=12⋅10−6⋅100⋅60 m=7,2 cm\Delta l = 12 \cdot 10^{-6} \cdot 100 \cdot 60\ \mathrm{m} = 7{,}2\ \mathrm{cm}. Deshalb ruht ein Brückenende auf Rollen, deshalb die kammartigen Fahrbahn-Fugen. Verhindert man diese Zentimeter, antwortet der Stahl mit , die Widerlager sprengen. Klein mal starr gleich gewaltig.

8Fazit

Ein Meter Metall wächst bei 80 K um 1 bis 2 mm, materialspezifisch (αStahl=1,2⋅10−5/K\alpha_\mathrm{Stahl} = 1{,}2 \cdot 10^{-5}/\mathrm{K}, Aluminium doppelt so viel), vollständig reversibel: Die Grundlage von Dehnungsfugen, Bimetall und „feuerfestem“ Glas ist vermessen.

9Fehlerbetrachtung

Bei Zehntelmillimeter-Messungen zählt jede Nebendehnung:

Rohr nicht vollständig durchgewärmteher systematisch

Ursache

Zu kurzes Dampfen: das messuhrseitige Ende bleibt kühler.

Auswirkung

Δl und α zu klein.

Verbesserung

Bis zum mehrminütigen Anzeigen-Stillstand dampfen; Kondensatfluss am Ausgang als Durchwärm-Indiz.

Apparategestell dehnt sich miteher systematisch

Ursache

Auch Halter und Messuhrträger werden handwarm bzw. dampfnah erwärmt.

Auswirkung

Gegendehnung verfälscht Δl um Hundertstel.

Verbesserung

Gestell abschirmen, zügig messen, Nullpunkt-Rückkehr kontrollieren.

Raumtemperatur ungenaueher zufällig

Ursache

ΔT\Delta T hängt am kalten Ende: ±1 K auf 80 K.

Auswirkung

Gut ein Prozent in α.

Verbesserung

Rohrtemperatur (nicht Lufttemperatur) vor dem Start messen.

Das Wichtigste

Das Gesetz

Δl=α⋅l⋅ΔT\Delta l = \alpha \cdot l \cdot \Delta T: Der Zuwachs wächst mit Ausgangslänge und Temperaturschritt; α\alpha ist die Stoffkennzahl (Größenordnung 10−510^{-5} je Kelvin).

Die Rangliste

Aluminium (≈24\approx 24) > Kupfer (≈17\approx 17) > Stahl (≈12\approx 12), je 10−6/K10^{-6}/\mathrm{K}. Verschiedene Stoffe, verschiedene Dehnung: der Rohstoff des Bimetalls.

Klein, aber mächtig

Millimeter pro Meter und 80 K: unsichtbar im Alltag, aber bei verhinderter Dehnung entstehen im Tonnenbereich. Deshalb Fugen, Loslager, Kompensatoren.

Dampf als Präzisionsheizung

Durchströmender Dampf setzt das ganze Rohr exakt auf 100 °C: Der Fixpunkt ersetzt die schwierige Rohr-Thermometrie.

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