Zum Inhalt springen
Zurück zu den Experimenten

Resonanz

SchulversuchSchwingungen und WellenKlasse 10–11Fortgeschritten

Worum geht es?

Wird ein Schwinger von außen periodisch angestoßen (erzwungene ), hängt seine Antwort dramatisch von der Erregerfrequenz ab. Nahe der Eigenfrequenz schaukelt sich die auf: . Der Versuch fährt die Erregerfrequenz systematisch durch, misst die Antwort-Amplitude (Resonanzkurve) und untersucht, wie die Dämpfung die Überhöhung begrenzt.

Warum macht man dieses Experiment?

ist Fluch und Werkzeug zugleich. Sie zerstört (mitschwingende Brücken, klirrende Gläser, Waschmaschinen im Schleudergang-Durchlauf), und sie ermöglicht (Radio-Abstimmung, Musikinstrumente, Kernspintomografie: alles Resonanz-Auslese). Wer die Kurve einmal selbst aufgenommen hat, versteht beides: die gefährliche Überhöhung am Gipfel und die Auswahl-Schärfe, die schwache Dämpfung bedeutet.

Die physikalische Idee

Ein Federpendel (Eigenfrequenz aus dem Federpendel-Experiment bekannt: 1,6 Hz) hängt an einem Erreger (Exzentermotor oder geführte Hand am Bandmaß-Metronom), dessen einstellbar ist. Je Frequenz wird die eingeschwungene gemessen: unterhalb klein, am Eigenwert maximal, oberhalb wieder klein, die Resonanzkurve. Mit Wasserdämpfung wird der Gipfel niedriger und breiter.

Benötigtes Vorwissen

Für dieses Experiment hilft dir dieses Vorwissen. Du kannst es jederzeit nachschlagen — das Experiment bleibt auch so verständlich.

Wissenschaftliche Einordnung

Resonanzschäden begleiten die Technikgeschichte (Broughton-Hängebrücke 1831 nach Marschtritt eingestürzt: seither „aus dem Schritt fallen!“; Tacoma-Narrows-Brücke 1940 durch windangeregte ). Dieselbe Physik stimmt Radios ab und lässt MRT-Geräte Wasserstoffkerne „anfunken“: ist die Kunst, den richtigen Takt zu treffen.

Versuchsziel

Aktuelles Versuchsziel

Resonanzkurve aufnehmen

Nimm die Resonanzkurve des Federpendels auf (Antwort-Amplitude über Erregerfrequenz), lokalisiere den Gipfel im Vergleich zur bekannten Eigenfrequenz und untersuche den Einfluss der Dämpfung auf Höhe und Breite.

Gemessen

  • — Antwort-Amplitude (eingeschwungen) (in )

    Erst nach dem Einschwingen ablesen: Die stationäre Antwort ist die Kurvengröße.

Bekannt

  • — Erregerfrequenz (in )

    Am Motor in Stufen von 0,8 bis 2,4 Hz eingestellt: die durchgefahrene Variable.

  • — Eigenfrequenz (in )

    Aus dem Federpendel-Experiment: f0=1/T=1/0,63 s≈1,6 Hzf_0 = 1/T = 1/0{,}63\ \mathrm{s} \approx 1{,}6\ \mathrm{Hz}, die erwartete Gipfellage.

Der Weg von der Messung zum Ergebnis:

Für diese Zielsetzung brauchst du:

  • Liefert die erwartete Gipfellage aus den Bauteilgrößen: die Brücke zum Federpendel-Experiment.Zur Formelsammlung

Versuchsprotokoll

So ist ein physikalisches Versuchsprotokoll aufgebaut. Die Reihenfolge ist immer dieselbe — die Inhalte gehören zu deinem gewählten Versuchsziel.

1Aufgabenstellung

Fahre die Erregerfrequenz in Stufen (0,8 / 1,2 / 1,4 / 1,5 / 1,6 / 1,7 / 1,8 / 2,0 / 2,4 Hz) durch, warte je das Einschwingen ab und miss die . Wiederhole die Reihe mit Wasserdämpfung und zeichne beide Kurven.

2Vorbetrachtung

Warum schaukelt der richtige Takt auf? Jeder Erregerstoß fügt der ein wenig zu, wenn er im richtigen Moment kommt (wie beim Schaukel-Anschieben: immer beim Vorbeischwingen schieben). Trifft die Erregerfrequenz die Eigenfrequenz, stimmt der Moment bei jeder Periode: Die Beiträge addieren sich Schwingung für Schwingung, bis die wachsenden Dämpfungsverluste den Zugewinn ausgleichen: Die stationäre ist dann ein Vielfaches des Erregerhubs. Daneben verpufft ein Teil der Stöße im falschen Moment: kleinere Antwort.

Warum das Einschwingen abwarten? Direkt nach jeder Frequenzänderung überlagert sich die alte Bewegung mit der neuen: Die Amplitude pumpt. Erst der eingeschwungene Zustand (nach zehn und mehr Perioden) ist die reproduzierbare Antwort, die in die Kurve gehört.

Dämpfungs-Erwartung: Am Gipfel begrenzt allein die Dämpfung (dort gleichen sich Zufuhr und Verlust aus); Wasser muss den Gipfel also drastisch stutzen. Abseits des Gipfels regiert die Verstimmung, dort ändert Dämpfung wenig. Die Kurve wird niedriger und zugleich relativ breiter.

3Geräte / Stoffe

Erregerfrequenz per Stoppuhr kontrollieren (20 Motorumdrehungen stoppen), denn Drehzahlskalen sind oft ungenau. erst nach mindestens 15 Erregerperioden ablesen.

  • Federpendel mit bekannter Eigenfrequenz

    Der Antwortende: sein Eigentakt (1,6 Hz) ist die erwartete Gipfellage.

  • Exzenter-Erreger mit Drehzahlregelung

    Der Taktgeber: kleiner, fester Hub bei einstellbarer , der unabhängigen Variable.

  • Amplitudenskala

    Misst die eingeschwungene Antwort-Amplitude je .

  • Dämpferscheibe mit Wassergefäß

    Zuschaltbare Dämpfung für den Kurvenvergleich.

4Skizze des Versuchsaufbaus

Exzenter oben, Feder, vor der Skala, Wassergefäß darunter; daneben das leere Kurvendiagramm mit markierter Eigenfrequenz-Linie bei 1,6 Hz.

Am größten bei der EigenfrequenzAmplitude über der Erregerfrequenz.EigenfrequenzErregerfrequenzkaum gedämpftmittelstark gedämpftOhne Dämpfung wüchse die Amplitude unbegrenzt.Dämpfung senkt die Spitze und verbreitert sie

Die Resonanzkurve: Antwort-Amplitude über der Erregerfrequenz, mit Gipfel nahe der Eigenfrequenz. Schwache Dämpfung: hoher, schmaler Gipfel; starke: flacher, breiter.

Aufbau: Federpendel (0,25 kg, 25 N/m, Eigenfrequenz ≈ 1,6 Hz), oben statt fester Aufhängung ein motorgetriebener Exzenter mit regelbarer Drehzahl (Hub ca. 5 mm); Amplitudenskala hinter der ; wahlweise Dämpferscheibe im Wasser.

5Durchführung

Reihe 1 (Luft): Je Frequenzstufe: einstellen, nachmessen, Einschwingen abwarten, ablesen. Nahe 1,6 Hz in feineren Schritten.

Reihe 2 (Wasser): Dämpferscheibe eintauchen, gleiche Stufen.

6Beobachtung

Resonanzkurven (Erregerhub 5 mm; Amplituden in cm)
fEf_\mathrm{E} in HzLuftWasser
0,80,70,6
1,21,31,0
1,42,51,5
1,54,51,9
1,68,02,2
1,74,81,9
1,82,71,5
2,01,40,9
2,40,60,4

Beispieldaten zur Veranschaulichung — keine echten Messwerte.

Nahe der (Luft) ist deutlich zu sehen, wie die dem Erreger mit wachsender Verspätung folgt; bei hohen bewegt sie sich gegenläufig zum Erreger.

7Auswertung

Der Gipfel sitzt auf der Eigenfrequenz: Maximale Antwort bei 1,6 Hz1{,}6\ \mathrm{Hz}, genau dem Wert 12πD/m\tfrac{1}{2\pi}\sqrt{D/m} aus dem Federpendel-Experiment. Der 5-mm-Hub des Erregers wird dort zur 80-mm-Antwort, eine sechzehnfache Überhöhung: Das System sammelt die Stöße von Dutzenden Perioden phasenrichtig ein.

Die Dämpfung stutzt den Gipfel: Wasser drückt die Spitze von 8,0 auf 2,2 cm (Faktor fast 4), während die Kurvenflanken (0,8 und 2,4 Hz) kaum betroffen sind. Genau das war die Vorhersage: Am Gipfel regiert die Dämpfung, abseits die Verstimmung. Die Wasser-Kurve ist niedrig und breit (gutmütig, aber unselektiv), die Luft-Kurve hoch und schmal: ein scharfes Frequenz-Sieb.

Die Phasenbeobachtung rundet das Bild: Unterhalb der folgt die dem Erreger gleichsinnig, am Gipfel um eine Viertelperiode verspätet (ideale Energieeinspeisung!), oberhalb gegenphasig: das vollständige Verhalten der erzwungenen .

Beide Gesichter der Resonanz stecken in dieser einen Kurve: Wer Bauwerke schützt, verstimmt oder bedämpft (Gipfel meiden bzw. stutzen: Schwingungstilger in Wolkenkratzern); wer Signale auswählt, baut schmale Gipfel und legt sie auf die Wunschfrequenz (Radio-Abstimmkreis).

8Fazit

Die Resonanzkurve gipfelt an der Eigenfrequenz (1,6 Hz) mit sechzehnfacher Überhöhung des Erregerhubs; Dämpfung senkt und verbreitert den Gipfel (8,0 auf 2,2 cm), lässt die Flanken aber fast unberührt: ist frequenzselektives Aufschaukeln, begrenzt allein durch Dämpfung.

9Fehlerbetrachtung

Die Kurvenaufnahme hat zwei zeitliche Fallen:

Einschwingzeit unterschätzteher systematisch

Ursache

Nahe der (schwach gedämpft) braucht das Aufschaukeln Dutzende Perioden.

Auswirkung

Zu früh abgelesene Gipfelwerte sind zu klein; der Gipfel wirkt gestutzt wie bei Dämpfung.

Verbesserung

Ablesen erst, wenn die über 5 Perioden stabil ist; am Gipfel besonders lange warten.

Erregerfrequenz drifteteher zufällig

Ursache

Motordrehzahl schwankt mit Last und , gerade wenn das Pendel stark zurückwirkt.

Auswirkung

Der Arbeitspunkt wandert auf der steilen Flanke: springen.

Verbesserung

während der Messung nachstoppen; stabilisiertes Netzteil.

Gipfel zwischen den Frequenzstufeneher systematisch

Ursache

Diskrete Stufen können das wahre Maximum verfehlen.

Auswirkung

Gipfelhöhe unterschätzt, Gipfellage auf Stufenraster gerundet.

Verbesserung

Um das vorläufige Maximum in 0,05-Hz-Schritten nachmessen.

Das Wichtigste

Das Phänomen

Periodische Anregung nahe der Eigenfrequenz schaukelt die weit über den Erregerhub auf: Der Schwinger sammelt die kleinen Stöße phasenrichtig ein.

Die Kurve

Antwort-Amplitude über Erregerfrequenz: Gipfel (nahezu) an der Eigenfrequenz, beidseits abfallend. Jeder Schwinger ist ein Frequenz-Sieb.

Dämpfung regiert den Gipfel

Schwache Dämpfung: hohe, schmale (selektiv, aber riskant). Starke: niedrige, breite (gutmütig, unselektiv).

Zwei Gesichter

Gefahr (Bauwerke, Maschinen: Eigenfrequenzen meiden oder dämpfen) und Nutzen (Empfänger, Instrumente, Siebe: Eigenfrequenz gezielt treffen).

Wie möchtest du weitermachen?